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Redaktion

KOMMENTAR - NORDKOREA
Angeblich hatte der 1994 verstorbene Staatsgründer von Nordkorea, Kim Il-sung, in seinem Testament verfügt, dass der nächste Kongress der Arbeiterpartei erst dann stattfinden soll, wenn jeder Nordkoreaner drei Mal am Tag Reis mit Fleisch zu essen hat. Gemessen an diesem Anspruch hätte sein Enkel Kim Jong-un am vergangenen Wochenende den ersten Kongress seit 1980 nicht einberufen dürfen: Statt Reis und Fleisch liegen meist Mais oder Kartoffeln auf dem Teller, Mangelernährung ist weit verbreitet. Der dritte Kim-Herrscher weiß, dass es so nicht weitergehen kann. Der Abstand zu Südkorea und vor allem zu China ist zu groß geworden. Daher setzt der junge Kim auf eine verstärkte Entwicklung der Wirtschaft durch private Märkte, Sonderwirtschaftszonen und ausländische Investitionen. Der offizielle Startschuss zur Aufholjagd ist die Verabschiedung des ersten Fünfjahresplans seit den achtziger Jahren durch den Parteitag. Dies ist als politisches Signal zu verstehen. Von Planwirtschaft kann nämlich längst keine Rede mehr sein. Staatliche Betriebe wirtschaften relativ frei, eine Schicht von Händlern ist bereits entstanden.

Wie der Nachbar China setzt der junge Kim auf marktwirtschaftliche Dynamik, um das Wachstum anzukurbeln. Doch damit endet der Vergleich auch schon. Nordkorea ist ein Führerstaat. Zu viel Offenheit gefährdet die Autorität des gottgleichen Herrschers. Er muss sein Volk isolieren, damit es den Kim-Kult nicht durchschaut. Die Abschottung nach außen rechtfertigt sein Regime mit der "feindlichen Haltung" der USA, die sich seit Jahrzehnten in wirtschaftlichen Sanktionen äußere. Nach dieser Logik ist jeder Atomtest und Raketenstart ein Beweis dafür, dass die Kims ihr Volk beschützen können. Die Verschärfung von internationalen Sanktionen, die auf diese Aufrüstung folgt, wird bewusst in Kauf genommen und ist sogar erwünscht, weil sie die Macht der Kims nach innen stärkt. Die Kehrseite dieser Abschottungspolitik ist jedoch weniger Außenhandel, weniger Deviseneinnahmen und weniger ausländische Investoren. Die parallele Entwicklung von Atommacht und Wirtschaft, die jetzt vom Parteitag als offizielle Doktrin abgesegnet wurde, ist also schlicht unmöglich.

Der junge Kim zeigt anders als sein Vater den Mut, einen höheren Lebensstandard zu versprechen. Er hat auch die Einsicht, die privaten Wirtschaftskräfte weiter zu stärken. Aber die Erfolgschancen der ökonomischen Reformen, die noch nicht einmal so heißen dürfen, sind durch seinen totalitären Machtanspruch begrenzt. Ein Wirtschaftswunder wird es in Nordkorea nicht geben.


Börsen-Zeitung, 10.05.2016, Autor Martin Fritz, Nummer 88, Seite 1, 359 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2016088006&titel=Unmoegliche-Doktrin
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