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Redaktion

KOMMENTAR - BREXIT
Deutschlands private Banken hadern mit der Politik. Man wünsche sich ein "klares politisches Bekenntnis" für den Finanzplatz Frankfurt, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Offenbar vermisst die Kreditwirtschaft, wie schon zuvor der Frankfurter Finanzplatz in der Debatte um den künftigen Sitz der Deutschen Börse nach einer Fusion mit der London Stock Exchange (LSE), vor allem Unterstützung aus Berlin. In Sachen Börsenfusion scheint der Zug allerdings schon abgefahren. Hinsichtlich des Brexit bleibt dagegen noch reichlich Zeit. Bis Großbritannien die EU tatsächlich verlässt, dürften noch Jahre vergehen, in denen die Politik noch so manches Petitum hören wird.

Warum aber sollte die Bundesregierung jetzt schon wortstark in den Ring steigen, wenn selbst die in Kontinentaleuropa verankerten Finanzinstitute noch keinerlei Anstalten machen, auf den Brexit zu reagieren und etwa Aktivitäten im Euro-Clearing aus Großbritannien abzuziehen?

Für Berlin geht es nun einmal nicht nur darum, zum Beispiel mit einer Umsiedlung der European Banking Authority (EBA) von der Themse an den Main London möglichst viele Arbeitsplätze abzujagen. Priorität hat vielmehr, nach dem Brexit-Beschluss den Zusammenhalt der verbleibenden 27 Mitgliedstaaten zu gewährleisten. Da kann, was die nationale Landschaftspflege angeht, auch schon einmal eine ruhigere Gangart angezeigt sein. Hinzu kommt: Der Bundestagswahlkampf wirft seine Schatten voraus, und die öffentliche Reputation der Banken ist nach wie vor ramponiert. Die politischen Repräsentanten, die sich mit Forderungen für Belange der Kreditwirtschaft vehement aus dem Fenster lehnen wollen, sind da zunehmend rar gesät. Ohnehin wird man vermeiden wollen, Häuser anzuziehen, die dereinst aufsichtlich Probleme bereiten.

Die Kreditwirtschaft ist daher gut beraten, stärker auf konkrete Erleichterungen als auf rhetorische Rückendeckung hinzuarbeiten. Ihre Forderungen, Antragsverfahren bei der Aufsicht auf Englisch zu ermöglichen oder Unternehmen von der Pflicht zu einem zwingenden Einzelabschluss nach HGB zu befreien, erscheinen weitaus vielversprechender. Fallen solche Hürden für eine Ansiedlung, dürfte Frankfurt eher profitieren - auch ohne politische Bekenntnisse. Manchmal ist es tatsächlich einfacher, Taten statt Worte sprechen zu lassen. Vor- und Nachteile eines Finanzplatzes können Banken dann selbst abwägen. Dazu brauchen sie keine Bundesregierung.


Börsen-Zeitung, 19.08.2016, Autor Bernd Neubacher, Nummer 159, Seite 1, 326 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2016159006&titel=Es-braucht-Taten-statt-Worte
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