Redaktion

Kosten von Finanzprodukten und Vermögensverwaltern sind oft intransparent
Von Kim Felix Fomm

Head of Portfolio Management bei Liqid

Finanzdienstleister reden zwar gerne über Geld. Aber nicht darüber, was sie ihren Kunden abknöpfen. Bei den Kosten für Investmentfonds und Vermögensverwaltung wird getrickst und verschleiert wie bei einem Taschenspieler-Wettbewerb. Das Nachsehen haben Privatanleger, die oft nicht überschauen können, wie überzogene Kosten ihre Renditen schmälern.

Preisgegeben wird in aller Regel nur das, was der Gesetzgeber ausdrücklich fordert. Beispielsweise musste der Bundesgerichtshof Banken, Vermittler und Vermögensverwalter zwingen, Provisionen offenzulegen, die sie von Fondsgesellschaften erhalten. Zuvor flossen jährlich Milliarden Euro hinter dem Rücken der Kunden in die Taschen der Verkäufer.

Kleinanleger können Provisionszahlungen vermeiden, indem sie auf das große Angebot günstiger börsengehandelter Indexfonds (ETF) zurückgreifen. Diese Fonds kopieren Indizes, die beispielsweise den gesamten Weltaktienmarkt abbilden, und kosten nur einen Bruchteil von dem, was aktiv gemanagte Fonds verlangen. Viele Anleger trauen es sich aber nicht zu, ihr Vermögen selbst über eine Online-Bank zu verwalten. Oft mangelt es auch an der nötigen Zeit, um sich in die Materie einzuarbeiten. Hilfe erhalten sie bei Vermögensverwaltern, die ihnen die lästige Aufgabe abnehmen. Der Markt ist allerdings noch unübersichtlicher und intransparenter als der für aktiv gemanagte Fonds.

Es gibt individuelle und standardisierte Vermögensverwaltungen. Bei der individuellen Vermögensverwaltung müssen Anleger in der Regel zwischen 2 und 3 Mill. Euro investieren. Dafür werden sie von einem Verwalter betreut und erhalten ein nach ihren Präferenzen entwickeltes Anlageportfolio. Im Rahmen seines Mandats trifft der Verwalter alle Anlageentscheidungen für den Kunden. Das kostet in Deutschland nach Angaben des Berliner Wirtschaftsverlags Fuchsbriefe zwischen 0,8 und 1,55 Prozent des verwalteten Kapitals pro Jahr (Durchschnitt: 1,21 Prozent). Hinzu kommen Kosten für die eingesetzten Finanzprodukte.

Bei der standardisierten Vermögensverwaltung erhalten die Kunden keine individuellen Portfolios. Auch auf die Anlagepolitik haben sie keinen Einfluss. Vielmehr stehen abhängig vom Anbieter verschiedene fertige Portfolios mit unterschiedlichen Risikoprofilen zur Wahl. Die Einstiegssummen sind so niedrig, dass sie auch für Kleinanleger keine Hürde sind. In Deutschland beherrschen die großen Banken und Fondsanbieter diesen Markt. Ihre Portfolios vertreiben sie über die angeschlossenen Filialnetze. Die Kosten für die Verwaltung liegen laut dem Research-Unternehmen Fondsconsult zwischen 0,25 und 2,5 Prozent pro Jahr - exklusive Produktkosten.

Günstiger sind digitale Vermögensverwalter, sogenannte Robo-Advisor. Sie bieten ihre Dienste über das Internet an. Global diversifizierte Anlageportfolios aus Aktien, Anleihen und anderen Anlageklassen kosten je nach Anlagesumme zwischen 0,5 und 1,25 Prozent im Jahr zuzüglich der Kosten für Finanzprodukte.

Die Anbieter individueller Vermögensverwaltung, die sich an eine vermögende Klientel wenden, halten sich zurück und verlieren auf ihren Websites über ihre Vergütung meistens kein Wort. Digitale Vermögensverwalter, die ihre Portfolios direkt im Internet vertreiben, informieren zwar über die Verwaltungskosten, die sie verlangen. Doch die Kosten für die eingesetzten Fonds werden gerne ins Kleingedruckte verbannt oder gar nicht erwähnt, damit das Angebot günstiger erscheint.

Viele Kunden werden selbst nach der Anlage in ein Portfolio nicht merken, dass sie auch für die im Depot enthaltenen Finanzprodukte bezahlen. Denn deren Kosten ziehen die Produktanbieter direkt ab. Die Gesamtvergütungen bleiben so oft im Dunkeln. Anleger sollten deshalb immer genau hinschauen und im Zweifel nachfragen, bevor sie einen Verwalter beauftragen. Eine entscheidende Frage ist auch, welche Leistungen geboten werden. Insofern sollten Anleger nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Qualität des Verwalters achten.

Börsen-Zeitung, 08.09.2016, Autor Kim Felix Fomm, Head of Portfolio Management bei Liqid, Nummer 173, Seite B 8, 523 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2016173802&titel=Wie-die-Finanzindustrie-Privatanleger-schroepft
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