Redaktion

KOMMENTAR - FORMEL 1
In der Londoner Zentrale der Beteiligungsgesellschaft CVC dürften die Champagnerkorken knallen. Für 8 Mrd. Dollar wird die Formel 1 an den US-Medienkonzern Liberty Media des Milliardärs John Malone verkauft. Vor zehn Jahren erwarb CVC für 2,1 Mrd. Dollar die Mehrheit an der Formel 1. Der Umsatz verdoppelte sich seither auf 2 Mrd. Dollar, rund ein Drittel davon ist Gewinn. CVC ließ sich Dividenden zahlen und verkaufte Anteile an Investoren. Unter dem Strich hat sich die Formel 1 als eines der lukrativsten Investments aller Zeiten in der Beteiligungsbranche erwiesen; CVC hat Milliarden damit verdient.

Das konnte niemand ahnen, als die Briten die Formel 1 von der BayernLB übernahmen. Die Formel 1 war in den Besitz der BayernLB als Sicherheit für Kredite an die Kirch-Mediengruppe geraten und stand zeitweise auf der Kippe. Erst drohte der Rennstall Ferrari, im Verbund mit dem Medienkonzern News Corp. auszusteigen und eine Konkurrenzveranstaltung zu gründen. Dann kamen Bestechungsvorwürfe gegen Formel-1-Chef, Mitgründer und Miteigentümer Bernard Ecclestone auf. Zwei Versuche, das Unternehmen in Hongkong an die Börse zu bringen, scheiterten. Dem Geschäft konnten die Turbulenzen nichts anhaben. Während der ganzen Zeit verdiente CVC Unmengen Geld mit der Formel 1, die steuergünstig auf der Kanalinsel Jersey beheimatet ist.

Der Grund dafür lag wohl weniger im Geschäftsmodell der Formel 1, das ist recht simpel: Jeweils ein Drittel der Einnahmen stammt aus Lizenzen für die Durchführung der Events an Rennstreckenbetreiber, aus dem Verkauf von Fernsehübertragungsrechten an Sender wie RTL und aus Werbung, Sponsoring und Bewirtung. Entscheidend für das Wachstum war Übervater Ecclestone. Er handelte die Verträge mit dem Motorsportverband FIA, dem die Oberhoheit über die Regeln obliegt, und den Rennställen immer wieder neu aus und hielt den Laden allen Fliehkräften zum Trotz zusammen. Diese Ära ist nun bald zu Ende, und Ecclestones Ausscheiden im Jahr 2019 dürfte sich als das größte Risiko für das Unternehmen erweisen.

Konturen dessen, was der neue Eigentümer vorhat, zeichnen sich schon ab. Über die Fernsehkanäle der Liberty-Media-Gruppe sollen die Bewegtbildrechte als Haupteinnahmequelle gestärkt werden. Ebenso die Vermarktung über das Internet und die sozialen Medien wie Twitter und Facebook. Liberty könnte das frei empfangbare Fernsehen aussperren - die Formel 1 würde im Pay-TV verschwinden. Der Vertrag von RTL läuft 2017 aus.


Börsen-Zeitung, 09.09.2016, Autor Christoph Ruhkamp, Nummer 174, Seite 1, 361 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2016174004&titel=Boxenstopp
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