Redaktion

KOMMENTAR - US-WAHL
Diese Revolution kann ja heiter werden. Kaum 48 Stunden nach der US-Präsidentschaftswahl machen die ersten Namen für Kabinettsposten in der Administration von Donald Trump die Runde, und ganz oben steht ein ehemaliger Investmentbanker von Goldman Sachs: Steven Mnuchin wird als nächster US-Finanzminister gehandelt und könnte in die Fußstapfen von Robert Rubin und Hank Paulson treten, die unter Bill Clinton und George W. Bush für "Government Sachs" die Geschäfte als Secretary of the Treasury führten. Der Vater von Mnuchin war ebenfalls 30 Jahre für Goldman Sachs tätig und gehört zu den angesehensten Kunsthändlern in New York, wo er eine Galerie an der Upper East Side betreibt. So sieht also das "Anti-Establishment" aus, mit dem Trump gegen die Eliten in Washington ins Feld ziehen will.

Als Außenminister ist Newt Gingrich, der ehemalige Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, im Gespräch, der in seiner Karriere eigentlich nie etwas anderes gemacht hat, als in Washington politisches Kleingeld zu zählen. Seinen ersten Wahlkampf bestritt er 1974 und schaffte vier Jahre später den Einzug in den Kongress. Oder um es mit Donald Trump zu sagen: Was haben Sie eigentlich in den vergangenen 40 Jahren gemacht?

Auch Chris Christie und Rudy Giuliani sollen mit Spitzenpositionen im Kabinett oder im Weißen Haus bedacht werden, was sie sich mit ihrem unermüdlichen Einsatz für den Kandidaten Trump in den vergangenen Monaten redlich verdient haben.

Ob man Christie, der im Verdacht steht, als Gouverneur von New Jersey von der Sperrung einer Brücke über den Hudson als Strafaktion für einen widerborstigen Bürgermeister 2013 mindestens Kenntnis gehabt zu haben, aber unbedingt an die Spitze des Justizministeriums setzen sollte, wie es im Gespräch sein soll? Immerhin, Trump könnte seinen Attorney General dann spaßeshalber "Crooked Christie" rufen, wenn er sich nach dem Fortgang von Sonderermittlungen gegen Hillary Clinton erkundigen will, die er im Wahlkampf angedroht hat.

Giuliani an der Spitze des Ministeriums für Homeland Security wäre eine gute Wahl, immerhin hat sich der ehemalige New Yorker Bürgermeister nicht erst am 11. September 2001 als mutiger Krisenmanager bewährt, sondern in den Jahren zuvor die Kriminalität drastisch reduziert. Andererseits wird diese Position vielleicht gar nicht gebraucht. Oder um ein letztes Mal "The Donald" zu zitieren: "Glauben Sie mir, ich weiß mehr über den Islamischen Staat als unsere Generäle."


Börsen-Zeitung, 11.11.2016, Autor Stefan Paravicini, Nummer 218, Seite 1, 367 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2016218004&titel=Anti-Establishment
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