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Redaktion

Auch bei der Refinanzierung nützlich - Finanzierungsalternative wird noch passgenauer - Kurzmietverträge nehmen durch Individualisierung zu
Von Christoph Halstrick *)

"Pay as you earn": Diese bekannte Erfolgsformel des Leasings hat bis heute nichts an Faszination verloren. Denn dank ihr kann sich ein neu angeschafftes Investitionsgut quasi selbst finanzieren - durch seine Erträge. Die Weiterentwicklung um die Formel "Pay-per-Use" ermöglicht jetzt sogar weiteres Wachstum. Die Digitalisierung treibt diese neue Entwicklung, die noch passgenauere Angebote ermöglicht, zusätzlich an.

Gründe für die Attraktivität

Leasing ist eine unverzichtbare Finanzierungsalternative der deutschen Wirtschaft, insbesondere für den Mittelstand. Das belegen allein die Zahlen. Doch was macht Leasing so attraktiv? Hier sind vier Hauptgründe zu nennen. Zunächst wird das Investitionsbudget des Leasingnehmers deutlich geschont. Zweitens kann er mittels Leasing seine Liquidität passgenauer disponieren. Darüber hinaus erfahren seine Bilanzstrukturen Entlastung und last, but not least kann er durch die Rückgabe des Leasingguts auch kontinuierlich am Technologiefortschritt partizipieren.

Einer zentralen Größe kommt dabei eine entscheidende Rolle zu: dem Restwert. Ihn treffend zu kalkulieren, ist die Herausforderung bei allen Leasingmodellen. Und genau hier eröffnen sogenannte Pay-per-Use-Modelle dem Markt völlig neue Möglichkeiten, vor allem vor dem Hintergrund der digitalen Transformation in Deutschland, die nicht nur immer neue Geschäftsmodelle etabliert, sondern auch dem Leasingmarkt ungeahnte Chancen eröffnet. Denn mit Pay-per-Use können die Nutzer ihren Kapitaleinsatz dank maßgeschneiderter Lösungen weiter minimieren.

Ein Beispiel aus der Bauwirtschaft macht den Zusammenhang anschaulich: Daten darüber, wann, wie oft und wie genau sich ein Baukran auf der Baustelle bewegt, können durch moderne Telemetrie schon heute problemlos erhoben und in Ist-Zeit verarbeitet werden. Auf diese Weise lassen sich die genaue Einsatzzeit und damit auch der Verschleiß des Krans im Detail bestimmen.

Damit kann eine Leasinggesellschaft dem Nutzer als Finanzierungspartner bei den Leasingraten eine einzigartige Passgenauigkeit bieten. Denn - um im Beispiel zu bleiben - je genauer sich der Restwert des Baukrans am Ende einer bestimmten Nutzungszeit kalkulieren lässt, desto besser trägt das dem "Pay as you earn"-Gedanken Rechnung.

Mit anderen Worten: Ein Investitionsgut kann mittels Leasing exakt entlang seiner Nutzung und Abnutzung finanziert und abbezahlt werden, also "Pay as you earn at its best". Wer - um beim Beispiel zu bleiben - den Kran weniger nutzt, beeinflusst den Restwert positiv und verringert damit seine finanzielle Belastung entsprechend.

Ergänzender Service

Doch diese Passgenauigkeit der Finanzierung lässt sich sogar noch weiter steigern. Nämlich dann, wenn Leasinggesellschaften ergänzende Leistungen anbieten, die beiden Seiten einen Mehrwert bieten. Dies können zum Beispiel auf die Nutzungsintensität des Investitionsguts individuell abgestimmte Wartungsintervalle sein. Auch die Auswahl exakt auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmter Versicherungsumfänge ist beispielsweise möglich.

Doch wie wirken sich diese neuen Möglichkeiten auf den Gesamtmarkt aus? Perspektivisch werden durch die Individualisierung des Leasings auch Kurzmietverträge künftig eine deutlich größere Rolle spielen, als dies bislang der Fall war. Denn je genauer sich der Restwert eines Leasingguts bestimmen lässt, desto eher können Leasinggesellschaften Finanzierungen auch über kürzere Zeitperioden kalkulatorisch in ihre Bücher nehmen, was in der Vergangenheit eher weniger der Fall war.

Die Auswirkungen der Digitalisierung im Leasingmarkt lassen sich besonders gut am Automobilmarkt festmachen. Denn das Leasing von Fahrzeugen aller Arten findet den mit weitem Abstand größten Anwendungsbereich in Deutschland. Gut drei Viertel des gesamten Leasingvolumens entfallen darauf. Über das Automobil-Leasing kommen zudem schon immer besonders viele Innovationen in den Markt. So lassen sich beispielsweise mittlerweile nutzerabhängige Daten per Digitalisierung zum Management ganzer Firmenflotten exakt erheben und verwenden. Daten, von denen der Leasingpartner ebenso profitiert wie der Kunde.

Leasing per Mausklick

Auch auf den Bereich Business Development wirkt sich die Digitalisierung der Branche äußerst vorteilhaft aus. Denn sie kann Leasingfinanzierungen automatisiert auch in immer größere Kundenkreise tragen. Waren Leasingangebote in der Vergangenheit überwiegend das Ergebnis "manueller" Einzelfallberechnungen, so sind scoringbasierte Computerprogramme heute bereits in der Lage, verbindliche Offerten einfach per Mausklick zu liefern. Möglich wird dies durch die Integration sämtlicher relevanter Daten zum Produkt, zu der gewünschten Nutzungszeit und den entsprechenden Bonitätskennziffern.

Allerdings hat der Fortschritt noch seine Grenzen. Bislang sind konkrete Angebote meist noch auf standardisierte Produkte wie etwa Automobile bestimmter und ausschließlich besonders gängiger Typen begrenzt. Rein technologisch betrachtet sind wir aber bereits heute schon weiter. So ist mittlerweile auch die automatisierte Verarbeitung von Leasinganfragen individueller Investitionsgüter möglich.

Die Digitalisierung kann die Leasinggesellschaften perspektivisch auch bei der Refinanzierung ihrer Investitionsgüterkäufe unterstützen. So können individuelle Nutzungsdaten und belastbare Restwertquoten viel transparenter im Markt gegenüber potenziellen Erwerbern der Forderungen dargestellt werden. Wobei Leasingforderungen traditionell ohnehin ein überaus solides und auch vergleichsweise risikoarmes Geschäft sind. Schließlich ist im Insolvenzfall des Leasingnehmers der Geldgeber als rechtmäßiger Volleigentümer deutlich besser gestellt als bei einer normalen Kreditfinanzierung mit bloßer Sicherungsübereignung.

Fazit: Die Digitalisierung der Märkte beschäftigt auch die Leasingwirtschaft in zunehmenden Maß und führt eine echte Win-win-Situation herbei, bei der am Ende Leasingnehmer als auch Leasinggesellschaften zusätzliche Vorteile erhalten. Allerdings bedarf es hier auch eindeutiger rechtlicher Rahmenbedingungen durch den Gesetzgeber - vor allem im Bereich Datenschutz. Der Zugang zu und der Umgang mit entsprechenden Daten muss exakt reglementiert werden, um Rechtssicherheit herzustellen. Dies erfordert allerdings auch ein Commitment auf Seiten der Leasingnehmer. Um von besseren, weil individuelleren und nutzungsorientierten Konditionen profitieren zu können, müssen sie sich künftig im Hinblick auf ihre Daten stärker öffnen - auch im Vertrauen auf den ermöglichten Mehrwert. Vor dem Hintergrund der rasanten Digitalisierung und der mittlerweile anhaltenden positiven wirtschaftlichen Gesamtentwicklung ist mit einer weiterhin stark wachsenden Bedeutung des Leasings zu rechnen.

*) Geschäftsführer der Commerz Real Mobilienleasing GmbH

Börsen-Zeitung, 04.02.2017, Autor Christoph Halstrick, Nummer 25, Seite 7, 860 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2017025029&titel=Die-Zukunft-des-Leasings-ist-ohne-Frage-digital
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