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Redaktion

KOMMENTAR - TRUMP
Jeanine Pirro, einer der größten Fans von US-Präsident Donald Trump auf dem regierungsfreundlichen Kabelsender Fox News, hat eine ganz eigene Erklärung für das anhaltende Chaos im Weißen Haus gefunden, das gestern auch an den Märkten für zunehmende Verunsicherung gesorgt hat. "Sind Sie als Präsident so aktiv, dass ihr Kommunikationsteam einfach nicht mit Ihnen Schritt halten kann?", fragte Pirro in einem am Wochenende ausgestrahlten Interview. "Ganz genau", nickte Trump und erklärte, dass es am besten wäre, in Zukunft auf die Pressebriefings seiner Sprecher zu verzichten. Er könnte direkt mit der Presse sprechen, dann allerdings im Abstand von zwei Wochen, sagte Trump und zeigte auf seinen Kopf, wohl um klar zu machen, dass kein anderer über die Fähigkeiten verfügt, seine Politik zu erklären.

Ob es wirklich so kommen wird und Donald Trump den Job seiner Pressesprecher übernimmt, weiß niemand, vor allem Donald Trump nicht. Ausschließen kann man es aber auch nicht nach den Chaostagen, die mit der Entlassung von FBI-Direktor James Comey in der vergangenen Woche begonnen haben und einen vorläufigen Höhepunkt erreichten, als am Dienstag die Meldung die Runde machte, Trump habe Comey bereits vor Wochen gebeten, Ermittlungen gegen seinen Kumpel Michael Flynn, den geschassten Leiter des Nationalen Sicherheitsrats mit guten Verbindungen nach Russland und in die Türkei, ruhen zu lassen.

Kaputt machen könnte der Präsident als eigener Sprecher nicht mehr viel. Zuletzt musste das Weiße Haus, das beinahe täglich nachweislich falsche bis haarsträubende Behauptungen Trumps wegerklären muss und mittlerweile jede Glaubwürdigkeit verloren hat, Vizepräsident Mike Pence und den Leiter des Nationalen Sicherheitsrats, General H.R. McMaster, vor die Mikrofone holen, um den Berichten zu Comey etwas entgegensetzen zu können. Beide Herren sahen sich kurz darauf zum Trocknen an die Leine gehängt, weil Trump ihre Aussagen mit 140 Zeichen konterkarierte.

Das Weiße Haus versinkt im Chaos, und es gibt in diesem Tollhaus, in dem als Ambition getarnte Selbstüberschätzung auf ein groteskes Unverständnis für das Amt trifft, keine Stimme mehr, die glaubwürdig erklären könnte, wie es weitergeht. Eine Showveranstaltung mit dem Präsidenten anstelle von Pressebriefings - das Format "Neues aus der Anstalt" ist vom ZDF besetzt - wäre die Vollendung des Reality-TV-Stars zum Fernsehpräsidenten, der darauf vertraut, dass die Mehrheit auf dem Kapitol in Washington die Füße stillhält, solange die Einschaltquoten stimmen.


Börsen-Zeitung, 18.05.2017, Autor Stefan Paravicini, Nummer 95, Seite 1, 367 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2017095004&titel=Neues-aus-der-Anstalt
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