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Redaktion

Verlagsbeilage: Pensionskassen & Stiftungen
Interview mit Carsten Keil und Constantin Nicklas
Die Nachfrage nach Investitionen nach ESG-Kriterien nimmt weltweit zu
Carsten Keil

Head of ESG Engine & Solutions bei Deutsche Asset Management

Constantin Nicklas

Investment Specialist Passive bei Deutsche Asset Management

Das Interesse institutioneller Investoren an einer Vermögensanlage nach Kriterien ökologischer und sozialer Standards sowie der vorbildlichen Unternehmensführung (ESG) wächst. Zugleich ist das Potenzial unverändert groß, denn vielfach herrscht Unsicherheit darüber, wie entsprechende Mandate bewertet, verglichen und vergeben werden können.

Nachhaltige Geldanlage nach ESG Kriterien war bisher ein Nischenthema.

Carsten Keil: Weltweit gesehen stehen nachhaltige Investments gar nicht mehr so sehr in der Nische - jüngeren Zahlen zufolge soll gut ein Viertel der Vermögen institutioneller Investoren unter zumindest teilweiser Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien verwaltet werden. Die Nachfrage nach Investitionen nach ESG-Kriterien nimmt weltweit zu. In Deutschland hinken wir hier nach meiner Beobachtung noch ein wenig hinterher, aber trotzdem: ESG ist eindeutig im Kommen.

Warum sollten sich gerade Pensionskassen und Stiftungen damit beschäftigen?

Keil: Viele institutionelle Investoren tun dies mittlerweile, auch das zeigen aktuelle Studien, zum Beispiel aus einer gewissen ethischen Verpflichtung heraus oder aus Reputationsgründen. Hinzu kommen regulatorische Veränderungen, die eine Sensibilisierung für die Thematik fördern: So besteht seit diesem Jahr für große kapitalmarktorientierte Unternehmen die CSR Berichtspflicht. Sofern nicht nach ESG Kriterien investiert wird, liegt dies unter anderem an einer gewissen Unsicherheit bei der Investition. Das ist auch verständlich, denn es gibt keine einheitliche ESG Definition und somit auch keinen Standard-ESG-Index.

Welche Fragen hören Sie von Investoren am häufigsten?

Constantin Nicklas: Es fällt Investoren schwer, Alternativen zu vergleichen und zu bewerten, Vergleichsgruppen für Produkte zu definieren und die Leistungen der Anbieter zu messen, wenn neben die finanziellen zusätzlich ESG-Kriterien treten. Das fängt schon bei den Begriffen an - für "ESG" gibt es unter den Investoren ein sehr vielfältiges Verständnis, und auch bei den Vermögensverwaltern ist es nicht anders. Viele Investoren wissen schlicht nicht, wie sie ein solches Projekt angehen können. Hier sprechen wir mit Kunden direkt oder unterstützen wir ESG-Veranstaltungen - Ende September erstmals mit einem eigenen Format, dem "ESG Summit 2017" in Berlin.

Was wäre ein sinnvoller erster Schritt?

Nicklas: Zunächst ist es sinnvoll zu klären, auf welche Weise überhaupt investiert werden soll. So ist es möglich, einen am Markt vorhandenen ESG-Index zu replizieren. Hier ist die Transparenz und Vergleichbarkeit am höchsten und die Investition kann auch für kleinere Volumina über einen existierenden ETF erfolgen. Wer mehr Einfluss auf die Zusammensetzung des ESG-Filters haben möchte, etwa weil er eigene, strengere oder alternative Kriterien anwenden will, kann zum Beispiel innerhalb einer Mandatslösung einen individuell angepassten Index entwickeln. Die Umsetzung erfolgt durch etablierte Indexanbieter. Den höchsten Grad an Individualität bieten Mandatslösungen auf Portfolioebene auf Basis individueller ESG-Filter, die das Investorenbedürfnis bis ins Detail abdecken. In unserem Haus haben wir das mit einer speziellen Softwarelösung, der "ESG-Engine" umgesetzt.

Sind nachhaltige ETFs im Markt überhaupt schon etabliert?

Nicklas: Es gibt bereits standardisierte Lösungen. Unser "ESG EUR Corporate Bond Ucits ETF" zum Beispiel bildet den "Bloomberg Barclays MSCI Euro Corporate Sustainable and SRI Index" ab und damit den Markt für in Euro begebene Unternehmensanleihen, der neben üblichen finanziellen Kriterien vorwiegend das MSCI-ESG-Nachhaltigkeitsrating und kritische Geschäftsaktivitäten in der Auswahl beachtet. So können Kunden in den breiten Markt investieren und gleichzeitig auf Nachhaltigkeit achten.

Woher haben Sie die Expertise für Mandate nach ESG-Kriterien?

Keil: In der "ESG-Engine" - unserer selbst entwickelten ESG-Softwarelösung, die vollumfänglich in unseren Investmentprozess integriert ist - konzentrieren wir die Erfahrung der sieben führenden Nachhaltigkeitsanalysten. Namentlich sind das die ESG-Datenanbieter Ethix, MSCI, Oekom, RepRisk, Sigwatch, Sustainalytics und TruCost. So haben wir uns eine umfassend Meta-Expertise zugelegt, die alle marktüblichen ESG-Kriterien abdeckt, so zum Beispiel eine kritische Sicht auf bestimmte Sektoren, eine Überprüfung auf die Einhaltung internationaler Normen, die Bewertung von ESG-Chancen und -Risiken mittels unseres ESG-Best-in-Class-SynRatings, eine Einschätzung zum Klima- und Umweltschutz und so weiter. Mithilfe der "ESG-Engine" können wir sehr spezifische Konzepte erarbeiten und in Form maßgeschneiderter Mandate umsetzen. Und das deckt ESG-Investmentlösungen über alle liquiden Instrumente globaler staatlicher und privater Emittenten ab. Ausgangspunkt zum Beispiel für ein passives Mandat kann ein externer Index sein. Unsere Flexibilität, individuell auf ESG-Kundenbedürfnisse eingehen zu können, ist unsere Stärke. So ist es einfach möglich, marktübliche ESG Kriterien individuell anzupassen oder Wunschfilter gänzlich neu zu schaffen.

Erreichen Fonds mit einer ESG-Ausrichtung eine bessere Performance?

Keil: Die Forschung zu diesem Thema ist sehr umfangreich: Seit 1970 wurden mehr als 2 200 Studien dazu veröffentlicht. Unser Kollege Gunnar Friede hat gemeinsam mit der Universität Hamburg die Ergebnisse dieser Studien ausgewertet. Einige zeigen eine positive Auswirkung, da Risiken vermieden werden, andere zeigen eine schlechtere Performance. Wichtig ist vor allem: Etwa 90 % der Studien zeigen keinen negativen Effekt von Nachhaltigkeit auf den finanziellen Erfolg. Im Gegenteil: Mehr als 50 % der Studien ergeben eine positive Korrelation zwischen ESG-Aspekten und Finanzergebnissen.

Wie kann ein ESG-Mandat konkret aussehen?

Nicklas: Lassen Sie mich hier beispielhaft unser Mandat bei dem staatlichen Pensionsfonds von Taiwan nennen. Dieser hat sich im Rahmen unseres ESG Mandats für einen angepassten ESG Index entschieden. Basis ist ein globales Aktienuniversum mit beinahe 2 500 Aktien. Das Ergebnis ist ein rund 735 Werte aus diesem Universum umfassender Index, der sowohl einen Best in Class beinhaltet als auch ein Ausschluss anhand von ESG-Kriterien vornimmt. Dies ist zudem nach unserem Wissen das erste große Mandat in Asien, das sowohl ESG-Kriterien als auch eine Multifaktor-Strategie verbindet, die zusätzlich nach Qualität-, Value- sowie Minimum-Volatilität-Faktoren selektiert. Insgesamt bringt das ESG-Thema sowohl für Investoren als auch die gesamte Asset Management-Branche große Veränderungen mit sich. Wir wollen die Rolle von nachhaltiger Geldanlage gemeinsam mit unseren Kunden gestalten.

Das Interview führte Martin Winkler.

Börsen-Zeitung, 16.09.2017, Autor Martin Winkler, Nummer 179, Seite B 14, 885 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2017179805&titel=Vielfaeltige-Kriterien-bei-ESG-Investments
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