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Redaktion

KOMMENTAR - LUFTHANSA
Lufthansa-Chef Carsten Spohr schwimmt gerade auf einer Erfolgswelle. Bei der Aufteilung von Air Berlin ist der deutsche Marktführer in gewünschter Form zum Zuge gekommen. Der Abschluss mit den Piloten ist so gut wie unter Dach und Fach. Lufthansa eilt von Rekordergebnis zu Rekordergebnis, diese Entwicklung wird auch an der Börse honoriert. Und Spohrs wichtigstes Projekt, die Günstig-Plattform Eurowings, wird schon früher als erwartet, nämlich bereits 2017, in den schwarzen Zahlen landen.

Wer Spohr in diesen Tagen trifft, erlebt einen vor Zufriedenheit strotzenden Manager. Doch der 50-Jährige ist lange genug in der Airline-Branche unterwegs, um zu wissen, dass sich das Blatt schnell wenden kann. Da genügt ein deutlich steigender Ölpreis, der den Fluglinien einen Strich durch all ihre Sparanstrengungen macht. Oder ein Terroranschlag, der den Menschen die Lust auf Flugreisen nimmt. Den Fluglinien das Geschäft verhagelt hat auch schon mal ein isländischer Vulkan, der eine Aschewolke aussendete, die das Fliegen über Europa zeitweise unmöglich machte. Oder eine in Asien ausgebrochene Epidemie, die Europäer von Reisen in diese Gegenden abhielt.

Aber man muss noch nicht einmal nur auf Einflussfaktoren schauen, die von außen kommen können und von einem Unternehmen nicht zu beeinflussen sind. Selbst im Lufthansa-Konzern selbst gibt es eine Menge Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg. Die EU-Kommission könnte Lufthansa in Sachen Air Berlin mit Auflagen in Nöte bringen, oder aber die Prüfung des Deals in die Länge ziehen. Nicht umsonst erhöht Spohr den Druck und betont, die Finanzierung der Air-Berlin-Töchter sei nur bis Jahresende sichergestellt. Lufthansa muss deren Flugbetrieb aufrechterhalten, darf die Firmen aber erst nach der kartellrechtlichen Freigabe restrukturieren und integrieren.

Diese Integration aber ist ein weiterer Stolperstein, denn über 80 Flieger müssen aufgenommen werden, in ein Unternehmen - Eurowings -, das selber gerade den Kinderschuhen entwächst. Und das von einem Manager - Thorsten Dirks - geführt wird, der sich seine Meriten bisher in einer ganz anderen Branche - Telekommunikation - verdient hat. Vor diesem Hintergrund sei die Frage gestattet, ob es tatsächlich eine gute Idee wäre, auch noch bei Alitalia zuzugreifen. Der italienische Markt ist sicher interessant, wie Spohr betont, er ist aber auch in weiten Teilen fest in Ryanair-Hand. Und das Lufthansa-Management hat zu Hause gerade genug zu tun.


Börsen-Zeitung, 26.10.2017, Autor Lisa Schmelzer, Nummer 206, Seite 1, 360 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2017206004&titel=Jede-Menge-Stolpersteine
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