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Redaktion

Banken können einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie im Sinne ihrer Kunden besondere Anforderungen erfüllen und auch selbst digital werden

Durch die Digitalisierung vernetzen sich die globalen Wertschöpfungsketten immer schneller. Davon ist das exportstarke Baden-Württemberg ganz besonders betroffen. Banken können zum Gelingen der digitalen Transformation einen zentralen Beitrag leisten. Die LBBW als größtes Finanzinstitut im Südwesten nimmt diese Rolle aktiv an.

Der Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg steht vor dramatischen Veränderungen. Insbesondere in den vier Kernbranchen des Landes - Automobilindustrie, Maschinenbau, Metall und Handel - schreitet der digitale Wandel rasant voran; nicht zuletzt, weil diese Branchen selbst innovative Treiber dieses Wandels sind. So stellt Baden-Württemberg mit Bosch und Daimler zwei der drei aktivsten Patentanmelder in Deutschland, Bosch steht zudem weltweit an der Spitze der Patente für autonomes Fahren.

Angesichts dieser technologischen Innovationskraft muss uns vor dem digitalen Wandel eigentlich nicht bange sein. Denn die Digitalisierung trägt ein enormes Wachstumspotenzial und Exportchancen in sich. Experten erwarten, dass die Bruttowertschöpfung der deutschen Industrie allein durch das Konzept Industrie 4.0, also die digitale Vernetzung der Maschinen, bis 2025 um 30 % steigt. Zur Erschließung dieses Potenzials sind aber jährliche Investitionen von über 30 Mrd. Euro erforderlich.

Viele Unternehmen sehen den hohen Finanzbedarf als größtes Hindernis für ihre Industrie-4.0-Aktivitäten. Denn über interne Mittel sind diese Investitionen kaum zu stemmen. Für externe Kapitalgeber sind Innovationen aber besonders schwierig einzuschätzen. Deshalb sind hier Banken gefragt, die über ein tiefes Branchen-Know-how verfügen, so dass sie Trends richtig beurteilen und die damit verbundenen Chancen und Risiken managen können. Außerdem sollten sie eine ausreichend große Bilanz aufweisen, um Einzelrisiken diversifizieren und auf Portfolioebene steuern zu können. Und nicht zuletzt kommt es auf ein breites Spektrum an Finanzinstrumenten an, das auf den Kunden zugeschnittene Lösungen ermöglicht. Für diese Anforderungen ist die LBBW als mittelständische Universalbank bestens aufgestellt.

Qualifikationen ändern sich

Durch den Wachstumsschub infolge der Digitalisierung entstehen voraussichtlich auf lange Sicht mehr Stellen als wegfallen. Allerdings sind künftig andere Qualifikationen gefragt. Deshalb ist davon auszugehen, dass der technologische Umbruch Herausforderungen für den Arbeitsmarkt mit sich bringt. Das gilt insbesondere für gering qualifizierte Tätigkeiten. Im verarbeitenden Gewerbe Baden-Württembergs wird sehr wahrscheinlich über ein Viertel dieser Stellen in Zukunft durch Maschinen ersetzt. Stark betroffen sind aber auch Fachkräfte mit mittlerer Ausbildung, die bislang Routinetätigkeiten ausgeübt haben. Denn auch diese Jobs lassen sich zunehmend automatisieren. Allerdings wird sich die Entwicklung nicht von heute auf morgen vollziehen, so dass sich die Wirtschaft gut auf diesen Wandel einstellen kann.

Bildung und Infrastruktur

Dazu gilt es, die Voraussetzungen für ein positives Wirken der digitalen Kräfte zu schaffen. Die beiden wichtigsten Faktoren hierbei sind Bildung und Infrastruktur. Zum einen müssen wir in die Aus- und Fortbildung von Schülern und Arbeitnehmern mehr und anders als in der Vergangenheit investieren, damit diese den Anforderungen der Digitalisierung gerecht werden können. Beispielsweise sollte die Bildungspolitik viel stärker auf das Individuum zugeschnitten sein und Arbeitnehmern ermöglichen, sich nach Jobverlust durch Weiterbildung immer wieder neu und schnell in den Arbeitsmarkt zu reintegrieren.

Schnelle Datenautobahnen

Zum anderen wird uns ohne schnelle Datenautobahnen die Digitalisierung unserer Volkswirtschaft nicht gelingen. Denn Verbindungsgeschwindigkeiten sind in einer digitalen Welt der Maßstab der Wettbewerbsfähigkeit. So sehen auch die Unternehmen den größten Handlungsbedarf momentan bei den Themen Benutzerschnittstellen und IT-Infrastruktur. Ohne diese sind eine Realisierung der Industrie 4.0, moderne Logistikansätze, Smart Cities oder die Energiewende nicht zu schaffen.

Dafür sind hohe Investitionen in verschiedene Technologien vonnöten. Der Finanzierungsbedarf allein bei schnellen Breitbandnetzen für Baden-Württemberg summiert sich in den nächsten drei bis fünf Jahren auf rund 5 Mrd. Euro. Auf diesem Gebiet engagieren sich aufgrund ihres staatlichen Auftrags in besonderem Maße die Förderbanken. Bei der Vermittlung ihrer Kredite spielen die Geschäftsbanken mit ihren Förderberatern eine wichtige Rolle, die LBBW ist hier in Baden-Württemberg Marktführer.

Außerdem unterstützen wir die Förderbanken bei der Refinanzierung, indem wir sie bei der Emission von mitunter milliardenschweren Bonds am Kapitalmarkt begleiten. Darüber hinaus sind wir als Kommunalfinanzierer ein verlässlicher Partner der öffentlichen Hand, zählen große Energieversorger und Telekomunternehmen zu unseren Kunden und haben erst kürzlich unser Projektfinanzierungsgeschäft organisatorisch aufgewertet.

Die Digitalisierung ist Grundlage für die Transformation der Kernbranchen Baden-Württembergs. Die Auswirkungen auf die Unternehmen sind vielfältig: Es entstehen neue Geschäftsmodelle, neue Wachstums- und Erlöspotenziale und neue Formen der Zusammenarbeit - zwischen Zulieferern und Herstellern, aber auch zwischen Wettbewerbern. Und natürlich treten auch neue Wettbewerber auf den Plan. Die Unternehmen müssen sich diesen Veränderungen anpassen, etwa indem sie ihr Produktportfolio modernisieren, Know-how zukaufen oder ihre Aktivitäten in Forschung und Entwicklung ausweiten. Dazu brauchen sie Bankpartner, die sie mit gleichfalls innovativen und flexiblen Lösungen unterstützen. Hierbei erscheinen mir drei Aspekte besonders wichtig.

Drei wichtige Aspekte

Erstens erfordert die digitale Transformation von Unternehmen seitens der Banken eine ganzheitliche, produktübergreifende Beratung. Denn wenn sich ein Unternehmen neu erfindet, müssen auch die Finanzierungsstruktur und die Zahlungsströme im Unternehmen grundlegend neu gestaltet werden. Häufig kommen anspruchsvolle Fragestellungen wie umfassende Innovationsvorhaben oder Firmenübernahmen hinzu. Hier bieten Banken, bei denen Kundenberater und Produktspezialisten eng vernetzt arbeiten, einen echten Mehrwert. Genau das hat sich die LBBW auf die Fahnen geschrieben: Dank unserer mittelständischen, kompakten Größe können unsere Mitarbeiter fachübergreifend, schnell und effektiv für unsere Kunden Lösungen entwickeln. Gleichzeitig sind wir leistungsstark genug, um auch komplexe Themen stemmen zu können.

Zweitens benötigen die Unternehmen gerade in einer Phase des Umbruchs und der Unsicherheit nachhaltig orientierte Bankpartner, die sie verlässlich begleiten. Dazu gehört natürlich auch, traditionelle Technologien nicht vorschnell fallen zu lassen. Denn selbst disruptive Veränderungen wie die Digitalisierung vollziehen sich nicht über Nacht und benötigen Lösungen für die Zeit des Übergangs. Gleichzeitig heißt verlässlich aber, in einen intensiven Dialog mit den Unternehmen zu treten und offen über die Perspektiven von Geschäftsmodellen und die Notwendigkeit von Veränderungen zu sprechen. Das setzt Vertrauen voraus - Vertrauen, das zwischen der LBBW und ihren Kunden oft über Jahrzehnte gewachsen ist. Dies ist eine hervorragende Basis, auf der wir unsere Kunden beim schrittweisen Wechsel zu neuen Technologien begleiten wollen.

Nicht zuletzt erwarten digitale Unternehmen natürlich digitale Banken. Folglich ist auch die Finanzbranche selbst gefragt, den Strukturwandel gemeinsam mit ihren Kunden zu vollziehen und die Chancen der neuen Technologien für besseres, effizienteres Banking zu nutzen. Dies erfordert nicht nur hohe Investitionen in die IT, sondern auch einen Mentalitätswandel: Agile, interdisziplinäre Arbeitsweisen müssen auch in Banken starre, bürokratische Strukturen ablösen, damit wir uns rasch und flexibel auf veränderte Kundenbedürfnisse einstellen können - zumal sich auch das Verhältnis zwischen den Banken und ihren Kunden verändert.

Bisherige Rollen weichen auf

Im digitalen Zeitalter weichen die bisherigen Rollen auf, beide Seiten werden noch mehr zu Partnern auf Augenhöhe. Zum Beispiel hat die LBBW eines ihrer digitalen Leuchtturmprojekte, eine Schuldschein-Transaktion über die Blockchain-Technologie, gemeinsam mit ihrem Kunden Daimler durchgeführt. Damit haben wir nicht nur eine innovative Technologie erfolgreich erprobt, sondern auch eine zukunftsweisende Form der Zusammenarbeit zwischen Banken und Industrieunternehmen.

Bei den Gewinnern

Fazit - Auch wenn die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen des Strukturwandels beachtlich sind: Baden-Württemberg erfüllt alle Voraussetzungen, um am Ende zu den Gewinnern der Digitalisierung zu gehören. Dazu brauchen die Unternehmen Banken, die besondere Anforderungen erfüllen - beispielsweise in Sachen Industrieexpertise, Lösungskompetenz, Leistungsstärke oder Verlässlichkeit - und auch selbst digital werden.

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Rainer Neske, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Börsen-Zeitung, 11.11.2017, Autor Rainer Neske, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Nummer 217, Seite B 3, 1142 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2017217803&titel=Der-digitale-Wandel-braucht-starke-Finanzpartner
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