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Redaktion

KOMMENTAR - TRUMP
Ihr werdet so viel gewinnen, dass euch vor lauter Siegen langweilig sein wird", rief Donald Trump seinen Anhängern vor etwas mehr als einem Jahr im Kampf um das Weiße Haus zu. Bald elf Monate nach seiner Angelobung zum US-Präsidenten hat Trumps politisches Lager im Bundesstaat Alabama eine Pleite erlitten, die auch die Kräfteverhältnisse in Washington D.C. verändern wird.

Es ist eine Sensation: Zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert entsendet Alabama, das "Herz des Dixie", einen Vertreter der Demokraten in den US-Senat. Der ehemalige Staatsanwalt Doug Jones setzte sich hauchdünn gegen den konservativen Richter Roy Moore durch. Der Republikaner wurde im Wahlkampf mit dem Vorwurf konfrontiert, sich mit Teenagern verabredet und sie sexuell bedrängt zu haben, galt dessen ungeachtet aber als Favorit. Auch Trump, der lange auf Abstand blieb, hatte sich vehement für Moore ausgesprochen.

In den Rennen um die Gouverneurssitze in New Jersey und Virginia hatten die Republikaner zuletzt ebenfalls das Nachsehen. Die Niederlage in Alabama, wo sie normalerweise mit 20 bis 30 Prozentpunkten Vorsprung durchs Ziel gehen und 2016 auch Trump triumphieren konnte, schmerzt aber ungleich stärker und in mehrfacher Hinsicht.

Erstens schmilzt die Mehrheit im Senat auf 51 zu 49. Gesetzgeberische Erfolge sind künftig noch schwerer zu erringen. Die Steuerreform, die bis Ultimo verabschiedet werden soll, dürfte von den verschlechterten Bedingungen nicht betroffen sein, da Jones erst im Januar vereidigt wird. Der Druck für einen eiligen Abschluss ist aber gestiegen.

Zweitens erhöht der Wahlausgang die Wahrscheinlichkeit, dass die Demokraten im nächsten Herbst die Mehrheit im Senat zurückerobern. Die Republikaner müssen bei den Midterms zwar verhältnismäßig wenige Sitze verteidigen. Wer im republikanischen Stammland verliert, kann aber auch von jedem anderen Senatssitz rutschen.

Drittens beschädigt die Niederlage Trumps Ruf als Politiker mit unfehlbaren Instinkten. Nachdem sich der Präsident zunächst gegen Moore und das Lager seines ehemaligen politischen Beraters Steve Bannon gestellt hatte, ergriff er doch Partei für den bigotten Richter, der am Dienstag auf seinem Pferd zum Wahllokal ritt und später "auf Gott warten" wollte, statt seine Niederlage einzugestehen. Trump ist im innerparteilichen Kulturkampf, den er bisher virtuos für sich genutzt hat, zwischen die Fronten geraten. Der Verlust seines Nimbus könnte schwerer wiegen als die Stimmenverluste in Alabama.


Börsen-Zeitung, 14.12.2017, Autor Stefan Paravicini, Nummer 240, Seite 1, 354 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2017240005&titel=Instinktverlust
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