Dax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 12.369,00-0,30% TecDax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 2.880,50+0,03% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.522,00-0,11% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 27.060,00-0,19% Gold: 1.497,90-0,01% EUR/USD: 1,1013+0,10%
Redaktion

Einige Sozial- und Nachhaltigkeitsindizes übertreffen im langjährigen Performance-Vergleich konventionelle Börsenbarometer

Verantwortungsvolles und nachhaltiges Investieren gewinnt sowohl bei privaten als auch bei institutionellen Investoren zunehmend an Bedeutung. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen hat in seinem Marktbericht 2017 einen Anstieg solcher Anlagestile bei Geldanlagen um 32 % in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlicht. Weltweit wird das Volumen nachhaltiger Kapitalanlagen in der von Global Sustainable Investment Alliance veröffentlichten "2016 Review" auf knapp 23 Bill. Dollar geschätzt. Europäische Anleger steuern rund 12 Bill. Dollar dazu bei.

Zunächst gilt es für diesen speziellen Bereich der Kapitalanlage häufig verwendete Begriffe zu klären: SRI steht für "Socially Responsible Investment", also gesellschaftlich verantwortliche Kapitalanlagen. Der europäische Branchenverband Eurosif hat den Begriff inhaltlich auf "Sustainable and Responsible Investment" erweitert. ESG dagegen steht für Environmental, Social and Governance. Nach diesem Prinzip werden bei nachhaltigen Aktienanlagen die Unternehmen berücksichtigt, die sich in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung als besonders verantwortungsvoll erweisen.

Unterschiedliche Kategorien

Dabei lassen sich die Anlagestrategien in unterschiedliche Kategorien einteilen. Häufig werden Unternehmen oder Branchen ausgeschlossen, sofern sie gegen ethische Normen verstoßen. Best-in-Class-Konzepte definieren beispielsweise Positivkriterien zum Umweltschutz oder für die Lebensbedingungen armer Menschen. Ausgewählt werden die Unternehmen einer Branche, die die relativ höchsten ökologischen oder sozialen Leistungen erbringen und am besten geführt werden. Nachhaltige Themenfonds konzentrieren sich auf ein bestimmtes Auswahlkriterium wie z.B. den Kohlendioxid-Ausstoß. Institutionelle Investoren setzen ihre Vorstellung über nachhaltiges Investieren vermehrt über die Integration von zentralen, wirtschaftlich relevanten Kriterien um, wie z.B Klimaschutzdaten in der Aktienanalyse und im Portfoliomanagement. Dieser Ansatz kann als Basis für "Engagement" als aktiver Aktionär dienen, um als Großanleger Veränderungen zugunsten verantwortlicherem Wirtschaften zu bewirken.

Weltmarktführer unter den Anbietern von Nachhaltigkeitsindizes ist MSCI. Grundlage aller nachhaltigen Indexkonzepte bei MSCI ist der Ausschluss von Herstellern kontroverser Waffen. Darunter versteht man beispielsweise Streubomben, Antipersonenminen, Uranmunition sowie chemische und biologische Waffen. Beim SRI-Indexkonzept werden im ersten Schritt grundsätzlich Unternehmen aus dem Investmentuniversum ausgeschlossen, die in den Geschäftsfeldern Alkohol, Glücksspiel, Tabak, Rüstung, Feuerwaffen, Pornografie, gentechnisch veränderte Organismen und Kernenergie aktiv sind. Im zweiten Schritt werden alle Gesellschaften ergänzt, die hinsichtlich ihres ESG-Ratings (mindestens "BB" auf einer siebenstufigen Skala zwischen "AAA" und "CCC"), ihrer Sektorzugehörigkeit und Unternehmensgröße geeignet sind. In einem Best-in-Class-Ansatz sollen materielle ESG-Risiken reduziert und Chancen identifiziert werden. Schließlich gelten Mindeststandards hinsichtlich der vom Kontroversen-Research vergebenen Punktzahlen bei der Analyse und Überwachung von Kontroversen wie Verstöße gegen internationale Normen von United Nations und relevanten Nichtregierungsorganisationen.

Weniger Reputationsrisiken

Ziel ist die Minimierung von Reputationsrisiken. Themen sind dabei Umwelt, Menschenrechte, Arbeitnehmerrechte, Lieferkette sowie die Unternehmensführung. Für den US-amerikanischen Aktienmarkt stellt der MSCI USA IMI Index mit aktuell 2 442 Titeln das Ausgangsportfolio dar. Der MSCI KLD 400 Social Index wählt rund 400 Aktien nach den beschriebenen Regeln aus und passt die Indexzusammensetzung in einem vierteljährlichen Rhythmus an. Apple, die wohl bekannteste US-Aktie, ist z.B. im SRI-Index nicht vertreten, da Amnesty International und African Resources Watch in einem Bericht anprangern, dass das Unternehmen und andere Technologiekonzerne wie Samsung oder Sony die Lieferkette für in Smartphone-Akkus enthaltenen Kobalt aus kongolesischen Minen nicht ausreichend hinsichtlich Kinderarbeit und mangelndem Arbeitsschutz für die Arbeiter überwachen.

Dieselgate als Lackmustest

Was können nachhaltige Indexinvestments neben einem guten Gewissen für den Anleger bewirken? Eine wesentliche Funktion der Indexregeln ist die Vermeidung von wirtschaftlichen Risiken für den Anleger durch die rechtzeitige Identifizierung von Unternehmen, die im Screening-Prozess negativ auffallen. Dieselgate und Deepwater Horizon gelten als Lackmustest für ESG-Ratings. VW und BP waren bereits vor den kontroversen Vorfällen nicht in den entsprechenden MSCI-Indizes vertreten oder wurden nicht als besonders nachhaltig ausgezeichnet. Immerhin summieren sich die Kosten für Rechtsstreitigkeiten und Haftung für Umweltschäden für BP auf ca. 90 Mrd. Dollar. Für VW ist der komplette finanzielle Schaden des Diesel-Skandals für die Aktionäre noch nicht vollständig beziffert. Bisher sind allein in den USA mehr als 17 Mrd. Euro Kosten angefallen. Aus Sicht des Researchs von MSCI führten Versäumnisse beim Kriterium Unternehmensführung zu einem ESG-Rating, das einen Ausschluss der VW-Aktie aus dem entsprechenden SRI-Index zur Folge hatte.

Auswirkung auf Performance

Das Vorurteil, dass ein verantwortungsvoller Investmentansatz zulasten der Wertentwicklung geht, hat sich hartnäckig bei Investoren gehalten. Aktuelle Auswertungen von Indexzeitreihen zeigen, dass diese Pauschalaussage keine Gültigkeit mehr hat. Es kommt vielmehr auf die Region, die Zeitspanne und die Indexregeln an, ob ein SRI-Index den Standardindex schlägt oder nicht. Zumindest lässt sich für den Index mit der längsten Historie von Livedaten, den MSCI KLD 400 Social Index, feststellen, dass er im Zeitraum 31.5.1994 bis 30.11.2017 mit 10,04 % Jahresrendite eine leicht höhere Performance als der MSCI USA Index mit 9,99 % p.a. aufweist. Für den analogen Vergleich der Emerging-Markets-Aktienindizes liegt eine Datenhistorie bis 31.5.2011 vor. Mit 4,75 % Jahresrendite schneidet der SRI-Index gegenüber dem Standardindex für diese Region (2,18 %) sogar deutlich besser ab.

MSCI hat in einer Studie den Zusammenhang zwischen ESG-Ratings und Kurseinbrüchen untersucht. Im Untersuchungszeitraum Januar 2007 bis Mai 2017 weisen Aktien mit einem ESG-Rating im unteren Fünftel dreimal so häufig einen Kurseinbruch von mindestens 95 % auf wie solche des oberen Fünftels. Mit ESG-Ratings lassen sich sowohl aktienspezifische (Geschäftsmodell und Risikomanagement) als auch systematische Risiken (Änderung des Marktumfeldes oder Regulierung) erfassen.

Der Euronext Low Carbon 100 Europe Index repräsentiert ein rein thematisches nachhaltiges Konzept, bei dem die Auswahl von Unternehmen mit einem niedrigeren CO2-Ausstoß im Fokus steht. Aus den Aktien der 1 000 größten europäischen Unternehmen werden aktuell 14 "grüne Unternehmen" aus den Sektoren alternative Energien, Strom, Elektronik, Bau und Industrie ausgewählt, die mindestens 50 % ihres Umsatzes mit emissionsarmen Technologien erwirtschaften. Nicht zugelassen sind Unternehmen mit kontroversen Geschäftspraktiken, Hersteller von kontroversen Waffen und Tabakwaren sowie Unternehmen aus dem Verteidigungssektor. Die weiteren 86 Indexmitglieder werden auf Basis ihrer Umweltpolitik aus den 300 größten Unternehmen ausgewählt. Das Ranking nach DCP oder Carbone4 (auf Klimadaten spezialisierte Beratungsunternehmen) hat neben Liquiditätsmaßen und der Marktkapitalisierung Einfluss auf das Gewicht der Aktien im Index.

Niedrigere Kostenquote

Anleger haben die Auswahl zwischen zahlreichen aktiv gemanagten Investmentfonds sowie Exchange Traded Funds (ETFs), die die Wertentwicklung nachhaltiger Indexkonzepte abbilden. Für den ETF sprechen die niedrige Gesamtkostenquote zwischen rund 0,25 % und 0,6 % p.a., die Transparenz sowie die Flexibilität, jederzeit während der Börsenöffnungszeiten kaufen oder verkaufen zu können. Nachhaltige ETFs wurden für viele unterschiedliche Länder oder Regionen auf der Welt aufgelegt, bisher überwiegend für die Anlageklasse Aktien.

BNP Paribas Asset Management bietet ETFs auf breite SRI-Indizes (zurzeit US- und Schwellenländeraktien) an und wird sein Angebot im Jahr 2018 um zusätzliche Regionen erweitern. Bemerkenswert ist, dass BNP Paribas Asset Management mit dem Low-Carbon-Thema im ETF-Mantel bereits seit Oktober 2008 aktiv ist und durch diese langjährige Erfahrung eine Vorreiterrolle im Markt einnimmt.

---

Claus Hecher, Leiter ETF und Indexlösungen Deutschland, Österreich, Schweiz, BNP Paribas Asset Management

Börsen-Zeitung, 17.02.2018, Autor Claus Hecher, Leiter ETF und Indexlösungen Deutschland, Österreich, Schweiz, BNP Paribas Asset Management, Nummer 34, Seite B 1, 1075 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018034800&titel=Verantwortungsvoll-mit-ETFs-investieren
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook



Serien zu Banken & Finanzen
Themendossiers zu Banken & Finanzen


Termine des Tages
Dienstag, 17.09.2019

Ergebnisse
Adobe: 3. Quartal
Fedex: 1. Quartal

Presse- und Analystenkonferenzen
Andritz: Kapitalmarkttag
Bechtle: Kapitalmarkttag
Chemieverbände Hessen: Herbst-PK
Husqvarna: Kapitalmarkttag

Hauptversammlungen
Blockchain Infrastructure Group
Total (ao.)




























22

0.231573 s