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Redaktion

Experten empfehlen von der EZB berechneten Satz als Zins-Benchmark

bn Frankfurt - Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) entwickelte Zinssatz Ester soll den im Zuge von Manipulationen in Verruf geratenen Eonia als Benchmark für Übernachtausreichungen ablösen. Dies hat die von der Notenbank eingesetzte Arbeitsgruppe aus Vertretern privater Banken empfohlen. Die EZB begrüße diese Entscheidung, erklärte ihr Präsident Mario Draghi am Donnerstag auf der turnusgemäßen Pressekonferenz zu den jüngsten geldpolitischen Beschlüssen. Der Beschluss bringt Europa demnach näher an andere Rechtsgebiete, die sich ebenfalls um dieses Problem kümmern und bereits zuvor Alternativen ausgerufen hatten. Der Euro Overnight Index Average (Eonia), aber auch der Mehrmonatssatz Euribor erfüllen nicht die Anforderungen der EU-Benchmark-Verordnung, weshalb sie ab Anfang übernächsten Jahres nicht mehr in Neuverträgen Verwendung finden dürfen.

Mit der Reform der Benchmarks rollt ein Mammutprojekt auf den Finanzsektor zu. Insgesamt hängen an den bestehenden Referenzzinssätzen geschätzt 160 Bill. Euro.

Die Empfehlung der von der EZB eingesetzten Arbeitsgruppe ist rechtlich nicht bindend. Es wird in den kommenden Monaten also darauf ankommen, ob die von der EZB auf Basis der Refinanzierungskosten von in Euroland ansässigen Banken im unbesicherten Wholesale-Übernachtmarkt berechnete Euro Short-Term Rate (Ester) im Markt auf Akzeptanz stößt. Die Empfehlung biete eine Orientierung und repräsentiere den Marktkonsens hinsichtlich der bevorzugten risikofreien Euro-Rate, zu der Marktteilnehmer nun beginnen könnten zu wechseln, teilte die EZB mit. Letztlich werden Banken für den Übergang auf Ester allerdings nur wenige Wochen bleiben. Denn einstweilen publiziert die Notenbank nur einen Vorläufer namens Pre-Ester. Die neue Benchmark soll spätestens im Oktober 2019 bereitstehen. Anfang Juni hatte die Notenbank den Finanzsektor bereits auf Bewertungsprobleme und Einmaleffekte im Zuge des Übergangs vorbereitet. "Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht auch gewisse Einmaleffekte gibt", hatte Cornelia Holthausen, Vize-Chefin der Generaldirektion Market Operations der EZB, der Börsen-Zeitung erklärt.

Die EZB war am Donnerstag wie schon zuvor bemüht, die Banken bei der Reform der Benchmarks in die Pflicht zu nehmen. Der private Sektor spiele eine dominante Rolle bei der Sicherstellung eines glatten Übergangs, erklärte Draghi und verwies auf einen entsprechenden Ausschuss der privaten Arbeitsgruppe.

Offen bleibt einstweilen die Frage nach einem Ersatz für Euribor. "Über die Zukunft von Euribor können wir nicht viel sagen", teilte Draghi mit. Sie hänge sehr stark vom Administrator ab, sagte er mit Blick auf das private European Money Markets Institute (EMMI) in Belgien, sowie von der Europäischen Wertpapieraufsicht ESMA und der belgischen Finanzaufsicht FSMA.

- Bericht Seite 3

Börsen-Zeitung, 14.09.2018, Autor Bernd Neubacher, Frankfurt, Nummer 177, Seite 1, 383 Wörter

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