Redaktion

KOMMENTAR - HANDELSSTREIT
Es kam, wie es wohl kommen musste. Im epochalen Handelsstreit zwischen den beiden weltweit größten Wirtschaftsnationen legen die USA mit Zöllen auf chinesische Waren im Wert von 200 Mrd. Dollar die Latte ein gewaltiges Stück höher. US-Präsident Donald Trump hat in seiner mittlerweile schon berechenbaren "Unberechenbarkeit" den gleichen Trick wie im Juni angewendet: Es werden zunächst neue Handelsgesprächsrunden in Aussicht gestellt, aber bevor diese Wirkung zeigen können, treten neue Zölle in Kraft, um den Druck zu erhöhen. China hat damit wenig Gelegenheit, auf eine sinnvolle Kompromisslösung hinzuarbeiten. Denn auch jetzt lautet die Drohung aus Washington, dass chinesische Gegenmaßnahmen die nächste US-Zolllawine folgen lassen. Als Ballermasse stehen weitere 267 Mrd. Dollar im Raum.

Peking hat es nicht so mit der psychologischen Kriegsführung und gibt sich berechenbar. Die neuen Zölle werden zeitgleich mit Gegentarifen beantwortet, die allerdings maßvoller ausfallen - allein schon weil es gar nicht genügend US-Exporte nach China gibt, um exakt gleichziehen zu können. Der guten internationalen Freihandelsordnung halber wird erneut die Welthandelsorganisation WTO eingeschaltet, auch wenn dieser Weg nicht sonderlich vielversprechend ist. Darüber hinaus signalisiert man Washington weiterhin Verhandlungsbereitschaft, um den Konflikt über die Dialogschiene zu regeln, auch wenn entsprechende Hoffnungen immer weiter verfliegen.

So oder so kann China nicht darauf zählen, dass irgendwelche Konzessionen, die nach US-Vorstellungen auf eine weitgehende Abkehr vom staatsgelenkten Wirtschaftsmodell hinauslaufen, Trump tatsächlich dazu bewegen werden, Zölle wieder zurückzunehmen. Dies könnte wohl erst dann geschehen, wenn die US-Wirtschaft und auch die Wall Street vom Handelsstreit ernsthaft getroffen werden und sich verschärfter Unmut gegen Trump richtet.

China muss bei einer Vollanwendung von Strafzöllen mit Abstrichen beim Wirtschaftswachstum von 0,3 bis 0,7 Prozentpunkten rechnen. Allerdings erlaubt das staatsgelenkte Wirtschaftsmodell, mit gezielten Impulsen die Einbußen an der Außenhandelsfront wieder zu kompensieren. Das verschafft einen langen Atem. Chinas Aktienmarkt liegt unter dem Eindruck des Handelsstreits bereits am Boden, an der Wall Street hingegen gibt es eine beträchtliche Fallhöhe. So steht ein längerer Grabenkrieg an, bei dem die USA möglicherweise mehr zu verlieren haben.


Börsen-Zeitung, 19.09.2018, Autor Norbert Hellmann, Nummer 180, Seite 1, 323 Wörter

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