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Redaktion

IM BLICKFELD
Von Bernd Neubacher, Frankfurt

Ganz schön groß muss sie sein, die Verzweiflung von Banken angesichts ihrer IT. Die Situation ist auch nicht schön: Schlank strukturierte Fintechs und große Technologiekonzerne greifen die alteingesessenen Institute mit Neuerungen an, und die Platzhirsche können sich kaum wehren, weil sie auf einem Berg veralteter Informationstechnik sitzen, deren Erhalt den Löwenanteil der entsprechenden Investitionen verschlingt.

Im Markt wird deshalb eine verwegene Idee ventiliert: Wenn die IT die Bank derart bremst - baue einfach eine neue Bank. Eine Bank zu gründen, nur um sich nicht mehr mit IT-Altlasten herumschlagen zu müssen, klingt absurd. Doch es hat etwas für sich. Denn IT nach dem Spaghetti-System mit Elementen, die teils in die siebziger Jahre zurückreichen, wie sie vielerorts anzutreffen sind, ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Angesagt sind modulare Systeme, die sich dank Schnittstellen ohne weiteres isoliert verändern oder austauschen lassen sowie nach Bedarf abrufbare Cloud-Kapazitäten zur Speicherung und Verarbeitung von Daten. Vorteile für neue Anbieter bringt auch mit sich, dass die Kosten für Mikroprozessoren und Rechnerleistung in den vergangenen zehn Jahren um über 99 % gefallen sind, wie in der Branche vorgerechnet wird. Was liegt da näher, als ein paar IT-, Produkt- sowie Compliance-Spezialisten zu versammeln und mit dem erforderlichen Eigenkapital auf der grünen Wiese einfach eine "Greenfield Bank" zu bauen, die einfach schneller ist als die althergebrachte "Brown Bank", wie es im Berater-Sprech heißt. Anschließend lassen sich Innovationen der neuen Bank auf die alte übertragen - oder aber man überträgt gleich die Kunden auf den neuen Apparat, macht damit die alte Struktur sowie einen großen Teil der bisherigen Mitarbeiter überflüssig und spart auf diese Weise immense Kosten, wie argumentiert wird. Dabei wird auch die Frage in den Raum gestellt, ob sich die Erneuerung der IT einer Bank mit denselben Kräften meistern lässt, welche die Jahrzehnte lang gewachsene Struktur hegen und pflegen. Mit dem Aufstieg der Direktbanken hat die Branche vor Jahren schon einmal erlebt, wie neue Spieler dank eines schlanken Apparats und mangels Filialen Kostenvorteile nutzen können.

"Dramatische Senkungen"

"Wir haben durch die Digitalisierung dramatische Senkungen der IT-Betriebs- und IT-Veränderungskosten", sagt Gerold Grasshoff, Leiter der Praxisgruppe Financial Institutions in Deutschland und Österreich sowie des weltweiten Bereichs Risikomanagement, Regulierung und Compliance der Boston Consulting Group (BCG). "Natürlich gilt es, diese in bestehenden Banken, aber auch durch einen Greenfield-Ansatz zu nutzen." So weit, gleich eine ganz neue Bank zu bauen, ist noch kein Kreditinstitut gegangen. Allerdings häufen sich die Meldungen, die in eben diese Richtung laufen. Dabei ist sonnenklar, dass kein Management solche Überlegungen aus freien Stücken an die große Glocke hängt. Vielerorts sind die Mitarbeiter ohnedies schon zur Genüge verunsichert. So sorgte Anfang September die britische Zeitung "The Telegraph" denn auch für eine mächtige Bugwelle mit einem Artikel, demzufolge HSBC unter dem Namen "Project Iceberg" an einer digitalen Bank arbeitet, um der Konkurrenz von Online-Startups zu begegnen. Tatsächlich geht es einstweilen "nur" um das kommerzielle Bankgeschäft abseits des Investment Banking, konkret ums Angebot im britischen Firmenkundengeschäft. "Wir erkunden ständig neue Wege, um das Commercial Banking für unsere Kunden schneller, leichter und bequemer zu machen", erklärt ein Sprecher. "Technology verändert radikal das Umfeld in unserem Geschäft, also wollen wir Neuerungen einführen, wo diese uns befähigen, unseren Kunden einen besseren Service zu bieten."

Dem Vernehmen nach beschäftigt sich mit dem Konzept auch Santander. Spaniens Großbank hat etwa im Juni vergangenen Jahres in ihrem Heimatmarkt "Openbank" lanciert, eine "volldigitale Bankenplattform mit einer cloudbasierten IT-Infrastruktur sowie mobiler App und Website in völlig neuem Design". Man rechne damit, das Angebot irgendwann auch außerhalb des Heimatmarktes zu starten, teilt eine Sprecherin mit. Openbank diene auch als Testfeld für "Technologie, die in der Hauptbank eingeführt werden dürfte". BCG-Manager Grasshoff sagt: "Wir sehen die Entwicklung, dass Teile des Bankgeschäfts in die Cloud verlagert werden und dies deutliche Vorteile für die Kunden und für die Flexibilität von Geschäftsmodellen bringt."

Deutschlands Banken schauen sich diese Entwicklung noch von der Seitenlinie an. Die Deutsche Bank hat allerdings noch fürs Schlussquartal eine Digital-Plattform fürs Privatkundengeschäft angekündigt, nachdem sie Pläne für eine Digitalbank noch vor zwei Jahren begraben hatte. Offen sind freilich noch Tragweite und Stoßrichtung dieses Projekts. Die Plattform werde als "Wettbewerbsmodell" neben der Privat- und Firmenkundenbank etabliert, hat Privatkundenvorstand Frank Strauß angekündigt. Die Commerzbank wiederum hat mit "Copernikus" eben erst ihren über längere Zeit verfolgten Plan einer europäischen Online-Bank aufgegeben, nachdem dafür dem Vernehmen nach bereits erste Leute ihren Arbeitsplatz gewechselt hatten. Sie will ihre Ressourcen zunächst einmal auf die ins Stocken geratene Neukundenakquise im Zuge ihrer Strategie konzentrieren. Sechs bis sieben Jahre hätte es gedauert, bis die Online-Bank in den schwarzen Zahlen gelandet wäre, heißt es in der Bank.

Gar nicht so einfach

Es sind nicht nur die Investitionen, die Banken davor zurückschrecken lassen, auf der grünen Wiese neue Institute zu errichten. Eine komplett neue Bank zu bauen und die alte abzuschalten, sei in der Praxis gar nicht so einfach, heißt es im Vorstand eines großen Hauses. Zudem würde erhebliche Zeit ins Land gehen, bis eine Neugründung die Größe und Reichweite der "Brown Bank" erreichen und den bisherigen Apparat ersetzen könnte, wird andernorts argumentiert. Die Reputation einer Bank, ihre Marke sowie das Vertrauen der Kunden seien weitere Faktoren, die berechtigten Anlass gäben, bei solchen Entscheidungen Vorsicht walten zu lassen.

Börsen-Zeitung, 03.10.2018, Autor Bernd Neubacher, Frankfurt, Nummer 190, Seite 6, 860 Wörter

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