Dax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 11.402,50-0,26% TecDax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 2.594,75-0,86% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.259,00-0,20% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 25.852,00-0,47% Gold: 1.332,20-0,63% EUR/USD: 1,1344-0,01%
Redaktion

NOTIERT IN WASHINGTON
Kaum war das verbissene Tauziehen um Richter Brett Kavanaugh abgeschlossen, schon drehte sich wieder das Personalkarussell um US-Präsident Donald Trump. Völlig überraschend gab Nikki Haley (46), Trumps Botschafterin bei den Vereinten Nationen bekannt, dass sie zum Jahresende ihr Amt niederlegen wird. Prompt hatte Haley beruhigende Worte für ihren Chef: "Ich werde 2020 nicht für die Präsidentschaft kandidieren", antwortete sie auf Gerüchte, wonach die beliebte, ehemalige Gouverneurin von South Carolina Trump womöglich in den Rücken fallen werde. Im Gegenteil, sie will seinen Wahlkampf sogar aktiv unterstützen.

Spekuliert wird aber nicht nur über die Beweggründe, sondern auch die Nachfolge der Diplomatin. Als Favoritin für den diplomatischen Posten in New York gilt die Investmentbankerin Dina Powell (45), die bereits einmal stellvertretende Sicherheitsberaterin unter Trump war. Gute Karten hätte Powell nicht zuletzt deswegen, weil sie gut mit der Präsidententochter Ivanka und dessen Ehemann Jared Kushner befreundet ist und diese nicht selten Einfluss auf wichtige Personalentscheidungen haben. Zudem spielte Powell während Trumps erstem Amtsjahr eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Nahostpolitik.

Denkbar ist aber auch, dass der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell (46), gern nach New York zurückgehen würde. Grenell ist in Berlin mehrfach angeeckt und könnte auch deswegen an seinen früheren Standort wechseln, weil er unter Präsident George W. Bush acht Jahre lang Kommunikationschef des amerikanischen UN-Botschafters war und entsprechende Erfahrung bei der Organisation hat.

Ganz gleich, wer nun ihre Nachfolge antritt, ist Haleys Rücktritt insofern einzigartig, als niemand ihn kommen sah. Der frühere Außenminister Rex Tillerson, Chefstratege Stephen Bannon und nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster zählten zu einer Liste einflussreicher Berater, die bei Trump längst in Ungnade gefallen waren. Haley hingegen meisterte das Kunststück, einerseits die harte Linie des Präsidenten gegenüber Iran und China ebenso wie der UN selbst zu vertreten. Die Vereinten Nationen hat Trump häufig als ineffektiven und verschwenderischen bürokratischen Apparat beschimpft, der den USA lediglich auf der Tasche liege.

Gleichzeitig wagte Haley es aber, dem Präsidenten Kontra zu geben, wenn sie mit ihm nicht auf einer Linie lag. Prominentestes Beispiel war ein Fernsehauftritt, bei dem sie neue Sanktionen gegen Russland wegen Moskaus Unterstützung des Regimes von Syriens Präsident Baschar al Assad verkündete. Trump soll vor Wut geschäumt und haben und ließ eine Erklärung veröffentlichen, wonach seine UN-Botschafterin "verwirrt" gewesen sei. Postwendend schoss Haley zurück, dass "ich niemals verwirrt bin". Schon damals gingen Gerüchte um, wonach ihre Tage als UN-Botschafterin gezählt seien.

Die frühere Gouverneurin hat den politischen Wirbelwind aber nicht nur souverän überstanden, sondern ist bei einem Präsidenten, der in ähnlichen Situationen andere längst gekippt hätte, sogar hoch im Kurs. Bei einem gemeinsamen Auftritt im Weißen Haus lobte ein strahlender Trump Haley als "fantastischen Menschen, der einen unglaublichen Job gemacht hat". Die gemeinsame "Photo Op" kam dem Präsidenten gerade im Gefolge des Medienspektakels um Kavanaugh sehr entgegen. Nachdem Trump scharf kritisiert wurde, weil er sich über Christine Blasey Ford mokiert hatte, die dem Richter versuchte Vergewaltigung vorwirft, bot ihm der Auftritt mit Haley die Gelegenheit, etwas Imagepflege in eigener Sache zu betreiben.

Über die Beweggründe der Botschafterin für ihren Rücktritt reißen Spekulationen nicht ab. Einige meinen, sie wolle als langjährige Politikerin, die privat relativ hoch verschuldet ist, in den Privatsektor wechseln, um mehr Geld zu verdienen. Andere glauben, konservative Hardliner wie Sicherheitsberater John Bolton und Außenminister Mike Pompeo hätten Haley aus dem Amt geekelt. Auch wenn sie übernächstes Jahr nicht antritt, gilt als sicher, dass die noch relativ junge Diplomatin früher oder später ihren Hut in den Ring werfen und sich ums höchste Amt im Lande bewerben wird. Ihr stehen Tür und Tor offen.


 
Börsen-Zeitung, 11.10.2018, Autor Peter De Thier, Nummer 195, Seite 6, 580 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018195041&titel=Ungewoehnlicher-Ruecktritt
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook

Artikel-PDF    




Serien zu Konjunktur & Politik
Themendossiers zu Konjunktur & Politik
Länderratings


Termine des Tages
Freitag, 22.02.2019

Ergebnisse
Dr. Hönle: 1. Quartal
Pearson: Jahreszahlen
Rhön-Klinikum: Jahreszahlen
RIB Software: Jahreszahlen
Sika: Jahreszahlen




























22

0.149975 s