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Redaktion

Der Münchener Assetmanager Assenagon sieht das Bankensystem des Landes geschwächt
Die Turbulenzen an den Finanzmärkten gefährden die italienische Kreditwirtschaft. Nicht nur notorische Krisenbanken wie Monte dei Paschi und Carige stehen unter Druck, sondern auch Musterknaben wie Unicredit und Intesa Sanpaolo. Der Münchener Assetmanager Assenagon warnt vor möglichen Pleiten.

bl Mailand - Die Situation in Italien spitzt sich zu. Eine Pleite einiger Banken wird immer wahrscheinlicher, ausländische Investoren halten sich zunehmend zurück. "Italien schickt sich an, uninvestierbar zu werden", warnt Michael Hünseler, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon Asset Management im Gespräch mit der Börsen-Zeitung.

Nach der Vorlage des Haushalts in den nächsten Tagen wird die EU-Kommission das Budget bewerten. "Brüssel kann diesem Haushalt nicht zustimmen", meint Hünseler. Die Konflikte zwischen Brüssel und der Regierungskoalition aus rechtsgerichteter Lega und der Fünf-Sterne-Bewegung in Rom verschärfen sich derzeit eher. Der Zinsabstand zwischen deutschen und italienischen Zehnjahresanleihen ist auf mehr als 300 Basispunkte gestiegen, die Börsenkurse vor allem der Banken sind eingebrochen. Und Ende des Monats bewerten die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's das Land. Zwar werde Italien den Investment Grade behalten und damit formal ein solider Schuldner bleiben, sagt er. "Der Verlust des Investment-Grades wäre eine Katastrophe." Eine Herabstufung sei aber wahrscheinlich.

Stress auch für solide Banken

Die Schäden vor allem für das Banksystem sind seinen Worten nach schon jetzt immens. Selbst stabile Banken wie Unicredit, die ihren Bestand an faulen Krediten stark reduziert haben, tragen mit dem hohen Bestand an Staatsanleihen eine schwere Last. Nach jüngsten Zahlen der italienischen Zentralbank sind die Banken mit 364 Mrd. Euro in staatlichen Anleihen investiert. Der massive Spread-Anstieg drückt deshalb die Kernkapitalquoten. Bei Unicredit, die besonders viele Bonds im Portfolio hat, ist die Kernkapitalquote schon im zweiten Quartal um 50 Basispunkte gedrückt worden. Eine Schieflage drohe dem Bankwesen auch wegen steigender Refinanzierungskosten. Selbst die sehr stabile Intesa Sanpaolo konnte im Mai eine unbesicherte Anleihe nur mit einem hohen Risikoaufschlag im Markt platzieren. "Durch den Anstieg der Refinanzierungskosten, die stark an den Spread gekoppelt sind, verlieren die Banken massiv an Wettbewerbsfähigkeit", urteilt Hünseler. "Vor allem Banken, denen es schon schlecht geht und die stark auf den italienischen Markt konzentriert sind, werden ächzen, weil sie nicht in der Lage sind, sich anderswo günstig Kapital zu besorgen."

Hünseler denkt dabei insbesondere an die Problembank Monte dei Paschi di Siena (MPS) und die Genueser Sparkasse Carige, die nach seiner Ansicht am Abgrund steht. "Wenn Carige jetzt von der EZB eine Verlängerung der Deadline für die Verbesserung der Eigenkapitalausstattung verlangt, wird das auch nichts bringen." Die Ratingagentur Fitch hat gerade das Rating des Instituts herabgestuft und glaubt nicht, dass sich die Bank das notwendige Kapital beschaffen kann. Eine Abwicklung sei gut möglich (siehe nebenstehender Bericht).

Bei der Monte dei Paschi hält er es für vorstellbar, dass die geplante Privatisierung nicht kommen wird. Zuletzt gab es Spekulationen, die Sieneser Bank könne die Mindestkapitalanforderungen nicht mehr erfüllen und brauche, wie schon 2017, erneut eine staatliche Kapitalspritze in Milliardenhöhe.

Hünseler ist besorgt über das starke Engagement von Italiens Banken in Staatspapieren. "Es hat uns alarmiert, dass die Banken ihr Exposure in italienischen Staatsanleihen erhöht haben." Er glaubt aber, dass Rettungsaktionen wie das Auffangen der venezianischen Institute der Vergangenheit angehören. "Die Bereitschaft der Banken, ihren Kopf für angeschlagene Institute hinzuhalten, ist massiv gesunken." Das gelte auch für die EZB. Die Regierung glaube an staatliche Lösungen und suche möglicherweise den Konflikt mit Brüssel. "Es ist unwahrscheinlich, dass sie eine regional sehr bedeutende Bank wie Carige fallen lassen wird." Hünseler zeigt sich überrascht, dass es "bisher gelungen ist, das Problem Italien regional einzugrenzen" und Ansteckungseffekte weitgehend ausgeblieben sind.

 
Börsen-Zeitung, 12.10.2018, Autor Gerhard Bläske, Mailand, Nummer 196, Seite 4, 577 Wörter

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