Dax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 10.813,50-0,65% TecDax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 2.503,50-1,40% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.073,50-0,81% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 24.090,00-1,95% Gold: 1.236,97-0,01% EUR/USD: 1,1307+0,02%
Redaktion

Digitale Revolution in Verbindung mit der Energiewende wird den bisherigen Strukturwandel in den Schatten stellen - Mehr Lust auf Gründungen machen

Nordrhein-Westfalen (NRW) hat sich auf den Weg gemacht. Wir wollen der modernste und klimafreundlichste Industriestandort Europas werden. Zum einen treibt uns ein hoher Veränderungsdruck, zum anderen treibt uns die Aussicht auf einen gewaltigen Innovationsschub. Anders formuliert: Wir müssen, aber wir wollen und wir können auch. Denn mit der Digitalisierung eröffnen sich Chancen, zur Avantgarde einer intelligenten, vernetzten, klimaneutralen Produktion zu werden und damit schneller zu wachsen und weniger energieintensiv zu produzieren.

Diese Ambition unterstützen wir mit der Strategie für das digitale Nordrhein-Westfalen, die wir derzeit mit Bürgern, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft überall im Land diskutieren. Die gesamte Landesregierung mit all ihren Ministerien stimmt in dieser Strategie ihre Ideen und Projekte aufeinander ab, mit denen wir die Digitalisierung in den Dienst der Gesellschaft stellen möchten. Unter den Zielen in vorderster Reihe stehen Wohlstand, zukunftssichere Arbeitsplätze, saubere Umwelt und Klimaschutz. Sie sind allesamt ohne eine starke, moderne Industrie nicht zu erreichen.

Auf Erneuerungskurs

Das sich derzeit öffnende Gelegenheitsfenster für den Umbau der Industrie wird nicht ewig offenstehen. Denn was Tempo und Intensität angeht, wird die digitale Revolution in Kombination mit der Energiewende den bisherigen Strukturwandel in den Schatten stellen. Die großen Unternehmen - in Nordrhein-Westfalen haben 10 von 30 Dax-Konzernen ihren Stammsitz, hinzu kommen zahlreiche mittelständische Weltmarktführer - haben das erkannt. Sie sind auf Erneuerungskurs.

Bislang hat die Industrie in Nordrhein-Westfalen zu wenig in Forschung und Entwicklung investiert; die geringe Innovationsquote ist eine der größten Wachstumsbremsen. Diese Zurückhaltung kann sich die Industrie nicht länger leisten, auch weil Energie zu teuer wird und der Klimaschutz zu wichtig. Daher ist es mehr als nur ein Symbol, wenn wenige Wochen bevor im Dezember dieses Jahres in Bottrop die letzte nordrhein-westfälische Zeche schließt, sich zum ersten Mal die Initiative IN4climate.NRW trifft.

Dort werden Unternehmen wie Air Liquide, Covestro, Currenta, Lanxess, Thyssenkrupp und Trimet gemeinsam mit den besten Wissenschaftlern Nordrhein-Westfalens an Ideen für klimaneutrale Produktion arbeiten und Forschungsbedarfe identifizieren. In der Stahlproduktion etwa könnte die Kokskohle bald ersetzt werden durch Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Bis 2050, so die Vision der Initiative, soll die NRW-Industrie weitgehend treibhausgasneutral produzieren.

Auch große Tanker der nordrhein-westfälischen Unternehmenslandschaft stellen bei der Suche nach künftigen Geschäftsfeldern hohe Beweglichkeit unter Beweis. Die zwei führenden Energiekonzerne Eon und RWE stellen sich derzeit komplett neu auf. RWE möchte zu einem der größten Ökostromproduzenten Europas aufsteigen und verschreibt sich als Produzent einem breiten Energiemix. Eon hingegen will sich als Lieferant auf den Betrieb der Stromnetze konzentrieren. Als Zukunftsmärkte gelten Ladestationen für Elektroautos, Smart-Home-Lösungen oder die Steigerung der Energieeffizienz durch mit Echtzeitdaten kombinierte Verteilernetze.

Nicht nur die Energiekonzerne profitieren von der enormen Innovationskraft der Start-ups. Mit Hilfe der Erfindungen aus diesen jungen Unternehmen entwickeln sich das Rheinland Valley, Ruhrvalley und Ostwestfalen zu führenden deutschen Innovationszentren für Indus-trial Tech. Fertigungstechnologien wie der 3-D-Druck könnten innerhalb der kommenden zehn Jahre 30 bis 50 % aller Produkte energiesparender, billiger und in höherer Qualität entstehen lassen, erwarten Experten. Viele Start-ups im Rheinland arbeiten an solchen Lösungen, und die etablierten Unternehmen sind dankbare Abnehmer und Anwender.

Diese Beispiele illustrieren die Offenheit und Veränderungsbereitschaft der Industrie. Komplett aus eigener Kraft allerdings kann sie sich nicht modernisieren. Sie braucht digitale Infrastruktur. Sie braucht exzellente Wissenschaftler und Forscher in ihrem direkten Umfeld. Sie braucht gut ausgebildete Nachwuchskräfte. Und sie braucht einen Gründergeist in ihrer Region, der die klügsten Jungunternehmer anzieht, um hier ihre Geschäftsidee zu verwirklichen.

Start-ups als Hefe im Teig

An all diesen Punkten setzt unsere Digitalstrategie an. Wir wollen insbesondere mehr Lust auf Gründungen machen, weil die Start-ups den digitalen Wandel treiben. Sie sind die Hefe im Teig einer modernen Unternehmenslandschaft. Deshalb gibt es mittlerweile in ganz Nordrhein-Westfalen regionale und themenspezifische Plattformen für die digitale Wirtschaft. Diese sogenannten Digital Hubs bringen Wirtschaft, Wissenschaft und junge Kreative zusammen. Sie sind quasi der Marktplatz, auf dem Start-ups mit etablierten Unternehmen in Kontakt treten.

Außerdem investiert das Land einen zweistelligen Millionenbetrag, um Ausgründungen aus unseren exzellenten Hochschulen zu fördern. In der frühen Phase einer Unternehmensgründung helfen unsere Gründerstipendien, sich auszuprobieren und seiner Idee eine Chance zu geben.

Für den Aufbau neuer, junger Unternehmen braucht es aber vor allem Wagniskapital. Wir wollen Nordrhein-Westfalen Schritt für Schritt attraktiver machen für Venture Capital und Business Angels. In einem ersten wichtigen Schritt hat die NRW.Bank ihr Engagement für Wagniskapital deutlich ausgeweitet. Hierfür stehen 214 Mill. Euro zur Verfügung - dies entspricht nahezu einer Verdoppelung der bisherigen Mittel. Diese Gelder mobilisieren in erheblichem Umfang privates Kapital, da auf jeden investierten Euro der NRW.Bank bis zu vier Euro privates Kapital kommt. Um allerdings gegenüber Investitionszentren wie Berlin aufzuholen, hoffen wir auch auf eine höhere Bereitschaft der Industrie, eine lebendige Start-up-Szene direkt vor ihrer Haustür zu unterstützen.

Bezahlbare Flächen

Noch befindet sich Nordrhein-Westfalen auf der Aufholjagd, aber es spricht mehr dafür als dagegen, dass wir sie erfolgreich gestalten. Nirgendwo sonst gibt es so viele Top-Unternehmen, starke Mittelständler, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und MINT-Studierende auf so engem Raum, der trotzdem noch freie und bezahlbare Flächen bietet. Die Landesregierung wird die Rahmenbedingungen nach Kräften weiter verbessern: Überall im Land sollen Breitbandnetze den Zugang zum Internet in Gigabit-Geschwindigkeit ermöglichen; Mobilfunknetze (5G) werden ausgebaut; Entfesselungspakete der Landesregierung bauen systematisch überflüssige gesetzliche Hindernisse für die digitale Wirtschaft ab.

Die erste Digitalisierungswelle hat die gesamte Welt erfasst, und in Bewegung gesetzt wurde sie im Silicon Valley. Die Konsumentenmärkte sind mittlerweile weitgehend revolutioniert; Wertschöpfung hat sich auf softwarebasierte Plattformen verlagert. Vor einer solchen Verlagerung ist industrielle Produktion nicht gefeit. Die zweite Welle der Digitalisierung richtet sich auf die B2B-Branchen und damit auf jene Wirtschaftszweige, die den europäischen Wohlstand tragen. Neue Konzepte von Tesla und Apple etwa greifen die Automobilindustrie an, den in Deutschland bedeutendsten Industriezweig.

Von dieser nächsten Welle sollten wir nicht erfasst werden, wir sollten sie selbst in Bewegung setzen. Darum hat die Landesregierung ein Programm aufgelegt, um alle Wissenschaftler, die an künstlicher Intelligenz (KI) forschen, in einem Netzwerk zusammenzubringen. Wir wollen zusätzliche Spitzenforscher ins Land locken und den Transfer von Know-how aus der Wissenschaft in die Unternehmen beschleunigen und systematisieren.

Warum sollte die digitale Plattform, auf der Maschinen und Industrieanlagen miteinander kommunizieren, nicht aus Aachen, Jülich, Bochum und Paderborn kommen? Wenn das Facebook im Silicon Valley erfunden wurde, kann das Machinebook nicht aus Ostwestfalen oder dem Rheinland Valley kommen? Und könnte die Metropole Ruhr nicht künftig jene Technologien in die ganze Welt exportieren, welche die Produktionsstätten mit dem ehemals höchsten Energiebedarf klimaneutral machen?

Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

Börsen-Zeitung, 12.10.2018, Autor Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Nummer 196, Seite B 1, 1046 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018196800&titel=Auf-dem-Weg-zu-einer-starken,-modernen-Industrie
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook



Serien zu Banken & Finanzen
Themendossiers zu Banken & Finanzen


Termine des Tages
Montag, 17.12.2018

Ergebnisse
Hennes  &  Mauritz: Umsatz 4. Quartal
Oracle: 2. Quartal
Red Hat: 3. Quartal




























21

0.101979 s