Dax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 11.578,50+0,08% TecDax Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 2.652,500,00% Euro Stoxx 50 Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 3.220,00+0,33% US/Dow Jones Deutsche-Bank-Realtime-Indikation: 25.498,00+0,30% Gold: 1.226,01+0,02% EUR/USD: 1,1512+0,50%
Redaktion

Das westliche Bundesland schafft die Voraussetzungen für eine wirtschaftlich und ökologisch erfolgreiche Zukunft

Zugegeben: Grün mag nicht das Erste sein, woran man erinnert wird, wenn man an Nordrhein-Westfalen (NRW) denkt. Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern oder Bayern gelten wohl eher als die grünen Zentren Deutschlands. Das Landschaftsbild an Rhein und Ruhr ist dagegen an vielen Stellen durch die starke deutsche Industrie geprägt. In Sachen Sustainable Finance hat NRW allerdings die Nase vorne. Als bislang einziges Bundesland hat NRW die Wichtigkeit von grünen Finanzierungen erkannt und Nachhaltigkeitsanleihen auf dem Markt platziert. 2018 begab das westliche Bundesland bereits die vierte Anleihe dieser Art. Sie ist mit über 2 Mrd. Euro die bislang größte Nachhaltigkeitsanleihe, die in Deutschland je begeben worden ist.

Mit dem Geld aus den Anleihen werden neben ökologischen Projekten auch Projekte aus den Bereichen Soziales und Bildung gefördert. So investiert das Land das Geld etwa in den Aufbau von Master-Studienplätzen oder die Verringerung von Armut. In puncto CO2-Ausstoß hat sich das Bundesland klare Ziele gesetzt: Bis 2020 sollen die in NRW emittierten Treibhausgase um mindestens 25 % reduziert werden - bis 2050 um 80 % (im Vergleich zum Jahr 1990).

Der Weg hin zu einer CO2-effizienten und nachhaltigen Zukunft ist entscheidend für den Standort NRW, der lange vor allem für seine rauchenden Hochöfen bekannt war. Denn: Der Kampf gegen den Klimawandel ist für Regierungen und Institutionen weltweit nicht erst seit dem diesjährigen Jahrhundertsommer ein Thema von hoher Relevanz. Bereits 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft mit dem Pariser Klimaabkommen auf eine Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur. Demnach ist eine Erwärmung der Mitteltemperatur bis 2050 auf unter zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau beabsichtigt.

Ein solches Ziel lässt sich nur mit einer drastischen Senkung des CO2-Ausstoßes und Milliardeninvestitionen erreichen. 100 Bill. Dollar müssen nach Schätzungen der OECD weltweit bis 2030 alleine für Investitionen in die Infrastruktur bereitgestellt werden. In Europa müssten bis 2030 jährlich rund 180 Mrd. Euro klimafreundlich investiert werden, so die Schätzung der EU-Kommission. Ohne die Mitwirkung von privaten Investoren wird die Aufgabe nicht zu stemmen sein. Beim Übergang zu einer umweltfreundlichen Zukunft kommt Sustainable Finance eine bedeutende Rolle zu - NRW hat das erkannt.

Auf dem grünen Weg

Die NRW.Bank unterstützt das Land auf seinem grünen Weg. Als einzige größere deutsche Förderbank neben der KfW hat sie sich am Green-Bond-Markt positioniert und unterstützt damit umweltfreundliche Projekte in NRW. Erst im Juni emittierte die Förderbank ihre bereits sechste grüne Anleihe mit einem Volumen von 500 Mill. Euro. Für das industrielle Herz Deutschlands genau die richtige Entscheidung. Immerhin: Die Emission von Treibhausgasen in NRW lag 2017 bei knapp 280 Millionen Tonnen CO2.

Die durch die grünen Anleihen der Förderbank finanzierten Projekte helfen dabei, den CO2-Ausstoß zu senken. Ein Beispiel: Durch über 80 neue Windenergieanlagen, acht neue Straßenbahnen und die Emscher-Renaturierung des Ruhrgebiets, die durch die letztjährige Anleihe finanziert werden, können jährlich allein 400 000 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Über die Laufzeit von zehn Jahren spart die Anleihe also gut 4 Millionen Tonnen CO2 ein.

Starke Industrie notwendig

Die Transformation hin zu einer CO2-armen Wirtschaft ist für die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Denn die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg ist die starke Industrie. Sie macht immerhin knapp 30% am Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Bundeslandes aus. Wenn es aber um CO2 geht, ist sie besonders anfällig. Nehmen wir als Beispiel die großen Energieriesen. Um das in Paris beschlossene Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, dürfte bis 2050 nur noch ein Drittel der fossilen Energiereserven verbrannt werden, so die Ergebnisse einer Studie der Universität London. Rund 50 % der bekannten Ölreserven müssten unter der Erde bleiben. Gleiches droht auch für 90% der Kohlereserven, sollte kein effizientes CO2-Filterverfahren entwickelt werden.

In Forschung investieren

Oder schauen wir uns die Automobilbranche an. Ein Drittel aller Automobilzulieferer in Deutschland ist in NRW ansässig. Um auch künftig den Erfolg dieser Unternehmen zu sichern, müssen sie zunehmend in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte investieren. Nur so können sie im Zeitalter der Elektromobilität punkten. Das verdeutlicht auch eine von Bloomberg beauftragte Untersuchung, die zu dem Ergebnis kommt, dass 70 % der Bestandteile eines Elektroautos nicht identisch mit denen eines kraftstoffgetriebenen Autos sind. Sollte das Elektroauto das Auto der Zukunft sein, droht Anbietern herkömmlicher Bestandteile ein langes Siechtum.

Und natürlich könnte auch eine Verknappung oder Verteuerung der CO2-Zertifikate zu einer erheblichen Belastung führen. Dass dies nicht bloß eine hypothetische Überlegung ist, konnten Unternehmen schon im August spüren, als der Preis für eine Tonne CO2 mit 21,15 Euro auf den höchsten Stand seit zehn Jahren stieg. Damit hat sich der CO2-Preis in den vergangenen zwölf Monaten verdreifacht. Nach Ansicht von Experten muss der Preis schon bis 2020 auf 40 bis 80 Dollar steigen, soll das Klimaziel 2050 erreicht werden.

Vorausschauend denken

Das heißt, will ein Unternehmen auch in Zukunft noch erfolgreich sein, muss es jetzt handeln - und profitiert damit zusätzlich von der positiven Signalwirkung. Ein Unter-nehmen, das in nachhaltige Projekte investiert, gibt Investoren, Zulieferern und Kunden damit das Zeichen, vorausschauend zu denken und sich langfristig für die Zukunft aufzustellen.

Uns Banken fällt beim Thema Klimawandel eine bedeutende Rolle zu: Der Finanzsektor hat den größten Hebel, die Wirtschaft in die grüne Zukunft zu führen. HSBC ist sich dieser Verantwortung bewusst. Als Bank mit einer einzigartigen weltweiten Expertise zum Thema Nachhaltigkeit begleiten wir unsere Kunden bei dem Transformationsprozess. Divestment - also Gelder aus den betroffenen Industrien abzuziehen - ist aus unserer Sicht der falsche Weg. Denn gerade Unternehmen mit hoher CO2-Intensität brauchen Finanzmittel, um sich für die Zukunft nachhaltig aufzustellen. Und hierzu brauchen sie einen kompetenten Bankpartner an ihrer Seite.

Corporate-Green-Bond gefragt

Bei der klaren Haltung des Bundeslandes in puncto Sustainable Finance überrascht es kaum noch, dass es ein Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen war, das den ersten und bislang einzigen Corporate-Green-Bond in Deutschland aufgelegt hat. Innogy hat mit der grünen Anleihe vier Offshore-Windparks in Deutschland und Großbritannien sowie einen Onshore-Windpark in den Niederlanden refinanziert. Die gesamte erwartete jährliche Stromproduktion dieser Windparks beträgt etwa 3 TWh. Sie erzeugen somit ausreichend CO2-freien Strom, um rund 830 000 Haushalte zu versorgen.

Die Anleihe traf auf großes Interesse bei den Anlegern und wurde mehrfach überzeichnet. Das Orderbuch erreichte 4 Mrd. Euro. Dabei war die Mehrheit der Investoren sogenannte grüne Investoren, zumeist Fondsmanager, die speziell in nachhaltige Investments anlegen. Das zeigt: Innogy liegt mit der grünen Anleihe voll im Trend. Und hat damit auch sehr gute Chancen bei Anlegern, denn die Nachfrage nach grünen Investitionsmöglichkeiten übersteigt derzeit das Angebot um ein Vielfaches.

Weltweit nimmt das Interesse von Emittenten und Investoren an klimabewussten Investments deutlich zu. Das belegt auch eine aktuelle Studie von HSBC. Laut der Untersuchungen verfolgen heute über 60 % der Investoren und knapp 50 % der Emittenten weltweit eine dezidierte Nachhaltigkeitsstrategie. Besonders entschlossen sind dabei die europäischen Investoren: fast 90% legen hier Nachhaltigkeitskriterien zugrunde.

Der Weg zu einer CO2-armen und nachhaltigen Wirtschaft ist angesichts des fortschreitenden Klimawandels keine Option, sondern eine Notwendigkeit. NRW schwingt sich in puncto Sustainable Finance zum Vorreiter in Deutschland auf. Dabei profitiert das Land auch von den immer attraktiver werdenden Finanzierungskonditionen. So aufgestellt schafft Nordrhein-Westfalen die Voraussetzungen für eine wirtschaftlich und ökologisch erfolgreiche Zukunft.

Carola von Schmettow, Vorstandssprecherin von HSBC Deutschland

Börsen-Zeitung, 12.10.2018, Autor Carola von Schmettow, Vorstandssprecherin von HSBC Deutschland, Nummer 196, Seite B 4, 1153 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018196805&titel=Nordrhein-Westfalen---der-gruene-Hotspot-Deutschlands
BZ Artikel twitternLinkedInXingFacebook



Serien zu Banken & Finanzen
Themendossiers zu Banken & Finanzen


Termine des Tages
Montag, 22.10.2018

Ergebnisse
Halliburton: 3. Quartal
Hasbro: 3. Quartal
Kimberly-Clark: 3. Quartal
Mensch und Maschine: 3. Quartal
Philips: 3. Quartal
Ryanair: 2. Quartal

Sonstiges
Rückversicherertreffen, Baden-Baden: Munich Re und Hannover Rück geben Ausblick




























21

0.126686 s