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Redaktion

Starkes und vitales Ruhrgebiet dient nicht nur dem wandlungsfähigen Ballungsraum, sondern auch Deutschland und Europa

In der wirtschaftsgeschichtlichen Betrachtung Deutschlands hat das Ruhrgebiet einen besonderen Stellenwert. Kaum eine Region hat einen vergleichbaren Beitrag zum Wohlstand der Bundesrepublik Deutschland geleistet wie das Land nördlich der namensgebenden Ruhr.

Das Ruhrgebiet wird im Wesentlichen von mehreren zusammengewachsenen Großstädten gebildet. Von den Ansiedlungen am mittleren Niederrhein geht die Städtelandschaft nach Westen nahtlos in den Rhein-Ruhr-Raum und nach Süden in die Rheinschiene über. Mit rund 5,1 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 4 435 Quadratkilometern ist es der größte Ballungsraum Deutschlands und der fünftgrößte Europas.

Soziale Härten abfedern

Aufgrund der ökonomischen Dominanz von Kohle und Stahl befindet sich das Ruhrgebiet seit Beginn der Kohlekrise im Jahr 1957 und, insbesondere seit dem Einsetzen der Stahlkrise 1973 und der nachfolgenden Wirtschaftskrise, in einer Phase des Strukturwandels. Um die damit verbundenen Anpassungsnotwendigkeiten und sozialen Härten abzufedern, gründeten Kardinal Franz Hengsbach, der Bankier Alfred Herrhausen, Rudolf von Bennigsen-Foerder als Vorstandsvorsitzender der damaligen VEBA AG sowie der langjährige Vorsitzende der IG Bergbau und Energie, Adolf Schmidt, 1989 den Initiativkreis Ruhr. Es war ein loser Zusammenschluss, weniger von formaljuristischen Strukturen als vielmehr von einem starken Konsens eines umfassenden gesellschaftlichen Engagements und der Erkenntnis getragen, dass der letztlich notwendige Strukturwandel nicht allein vom Staat und seinen Organen, sondern nur durch eine gemeinsame und nachhaltige Anstrengung aller geschultert zu werden vermag.

Zwischenzeitlich als eingetragener Verein in rechtliche Strukturen eingebettet, steht der Initiativkreis mit über 70 Unternehmen für einen Umsatz von 630 Mrd. Euro und 2,3 Millionen Beschäftigte. Er hält die Anteile an der gleichnamigen GmbH, die als Obergesellschaft zahlreicher Aktivitäten aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Kultur fungiert. Der Initiativkreis ist - bei aller Sachlichkeit - das größte branchenübergreifende europäische Wirtschaftsbündnis in Europa und eines der größten der Welt. Er wird getragen von den Persönlichen Mitgliedern, den jeweiligen Spitzenvertretern der Mitgliedsunternehmen.

Nachhaltiges Engagement

Trotz unterschiedlicher Herausforderungen, denen die Mitgliedsunternehmen in ihrem jeweils eigenen Umfeld ausgesetzt sind, prägen Loyalität und Verlässlichkeit gegenüber der Region ihr Verhältnis zum Initiativkreis. Dabei geht es weniger um finanzielle Beiträge als vielmehr um die charakterliche Prägung derer, die in großen und kleinen Unternehmen Verantwortung tragen. In einer Zeit, in der Misstrauen und Ablehnung gegenüber wirtschaftlichen Eliten unverändert hoch sind, bezieht der Initiativkreis klare Positionen und stellt mit einer nunmehr knapp 30-jährigen Tätigkeit ein in der Tat nachhaltiges Engagement unter Beweis. Es bringt ihm Sympathie und Anerkennung der Bürgerinnen und Bürger des Ruhrgebietes und darüber hinaus entgegen.

Während Hannelore Kraft als Ministerpräsidentin den Initiativkreis als "Musterbeispiel für Wirtschaft, die Verantwortung über-nimmt" bezeichnete, hat die Landesregierung unter Führung von Armin Laschet den Start der Ruhrkonferenz, ein zentraler Bestandteil des Koalitionsvertrages, in diesem Frühjahr vor der Vollversammlung des Initiativkreises Ruhr ausgerufen. Unter dem Dach der Ruhrkonferenz sollen Projekte mit Partnern aus Wirtschaft, Kommunen, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft zusammengeführt und in einem auf mehrere Jahre angelegten Prozess die Weiterentwicklung der Region nach dem Auslaufen der Steinkohlenförderung vorangetrieben werden.

Vorurteile tragen mitunter eine gewisse Hartnäckigkeit in sich. Das gilt auch für das Bild des Ruhrgebietes als "Kellerkind" oder "altindustrielle Region im steten Niedergang". Es ist jedoch ein Zerrbild, das den Tatsachen widerspricht. Wer ohne Vorbehalte und analytisch präzise auf diesen gleichermaßen traditionsreichen wie wandlungsfähigen Ballungsraum blickt, wird erkennen, dass es sich um einen Wirtschaftsstandort mit vielen Chancen und attraktiven Perspektiven handelt.

Gründerfonds Ruhr

Um diese Chancen zu nutzen, waren sich die Persönlichen Mitglieder in der Beurteilung einig, dass es einer stärkeren Unterstützung der Unternehmensgründer und ihrer Szene bedürfe. Anders als in anderen Regionen, in denen in vergleichbaren Fällen eher durch eine medial ansprechend inszenierte Kampagne für Gründungen geworben wird, haben sich die im Initiativkreis zusammengeschlossenen Persönlichen Mitglieder darauf verständigt, den Gründerfonds Ruhr zu gründen.

Im Juni vergangenen Jahres erfolgte das First Closing. Das für die Initiierung angestrebte Mindestvolumen von 30 Mill. Euro wurde durch die Beteiligung von insgesamt elf Investoren übertroffen. Zu ihnen zählen die National-Bank, die NRW.Bank, die RAG-Stiftung und Thyssenkrupp, um nur einige zu nennen. Investiert wird in wachstumsstarke technologieorientierte Unternehmen, die ihren Geschäftssitz oder zumindest einen signifikanten Teil ihrer Geschäftstätigkeit im Ruhrgebiet haben. Im Fokus stehen

- Chemie und neue Werkstoffe,

- Energie und Industrie,

- Life-Science und Gesundheit,

- Logistik und Handel sowie

- Digitale Wirtschaft.

Es sind Bereiche, in denen die im Ruhrgebiet vertretenen Unternehmen schon heute über starke Profilierungen verfügen. Kompetenzbasiert sollen diese weiter geschärft werden. Ein Beirat aus Vertretern der Investoren sichert eine exzellente Branchenexpertise. Zugleich entscheidet er über die einzelnen Investments. Über die Laufzeit können in summa bis zu 3,5 Mill. Euro in Unternehmen der Früh- und Wachstumsphase investiert werden.

Es überrascht deshalb nicht, dass die Anzahl der Unternehmensgründungen zunimmt. Längst hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Ruhrgebiet ein hervorragender Ort für Unternehmensgründungen ist. Dabei sind es weniger klassische Plattform-Modelle, wie sie überwiegend in Berlin oder mit Blick auf die Fintechs in Frankfurt anzutreffen sind, sondern innovative Konzepte, die unmittelbar an industriellen Produktions- und Wertschöpfungsketten ansetzen und damit integraler Bestandteil der Industrie 4.0 sind.

Ein Beispiel hierfür ist die talpasolutions GmbH, ein in Essen ansässiges Data-Science-Unternehmen. Für Bergwerksbetreiber und Bergbaumaschinenhersteller hat es eine Software mit datengetriebenen Entscheidungshilfen entwickelt. So können Maschinen vernetzt, Daten erfasst, Erkenntnisse zur Optimierung von Maschinenleistung erzeugt und Ausfallzeiten minimiert werden. Parallel dazu unterstützt das System bei der Einhaltung von Sicherheitsvorschriften. Es überrascht deshalb nicht, dass vor dem Hintergrund dieses und anderer Investments sowie eines erfreulichen Dealflow das Fondsvolumen zwischenzeitlich weiter erhöht werden konnte.

Neben der Bereitstellung von Kapital hat der Initiativkreis Ruhr durch die Berufung eines Gründerkoordinators eine zentrale Anlaufstelle für Gründer geschaffen. Der Gründerkoordinator Ruhr gibt den Gründeraktivitäten ein Gesicht und treibt den Ausbau des Start-up-Ökosystems mit dem Ziel voran, alle wesentlichen Informationen, Angebote und Aktivitäten für Gründer zu koordinieren. Eine zentrale Onlineplattform unterstützt die Transparenz des wachsenden Start-up-Ökosystems und gibt Gründern Orientierung und Hilfestellung. Darüber hinaus schreitet der Aufbau eines digitalen Data-Innovation-Hubs voran. Er soll Gründern umfassende Daten-Pakete aus Unternehmen und Institutionen des Ruhrgebietes der Branchen Energie, Mobilität, öffentliche Dienstleistungen und Gesundheit in der Absicht zur Verfügung stellen, bei der Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle zu helfen.

Flaggschiff RuhrSummit

Parallel dazu flankieren zahlreiche unterschiedliche, über das Ruhrgebiet verteilte Veranstaltungs- und Kommunikationsformate internationalen Rangs die Anstrengungen des Initiativkreises Ruhr zur Unterstützung der Gründer. "Aus der Szene für die Szene" hat sich zwischenzeitlich der RuhrSummit als das Flagg-schiff für Gründer und Investoren etabliert. Die Start-up-Konferenz, die in diesem Jahr in dritter Auflage in der Jahrhunderthalle in Bochum stattfinden wird, erwartet mehr als 1500 Teilnehmer aus 50 Nationen. Pitch-Events und Match-Makings mit dem Schwerpunkt auf den etablierten Unternehmen des Ruhrgebietes sollen nicht nur die Vernetzung weiter fördern, sondern Geschäfts- und Beteiligungsansätze systematisch identifizieren.

Besonders hervorzuheben ist schließlich eine weitere Initiative, in der es nicht um finanzielle oder kommunikative Maßnahmen, sondern um die persönliche Unterstützung von Gründern im Sinne eines Mentoring geht. Bei "Smart am Start" engagieren sich die jeweiligen Spitzenvertreter der Mitgliedsunternehmen persönlich und helfen ihnen damit auf eine privilegierte Art und Weise mit ihrem Know-how, ihrem Netzwerk und anderem mehr. Nicht zuletzt dadurch erhalten die Gründeraktivitäten des Initiativkreises Ruhr eine besondere Form der Glaubhaftigkeit.

Nach mehr als 250 Jahren findet der heimische Steinkohlenbergbau in wenigen Wochen sein geplantes Ende. Damit wird eine Ära schließen, die wirtschaftshistorisch zu den großen unserer Zivilisation gehören wird. Es wird eine Zäsur für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Selbstverständnis des Ruhrgebietes. Es symbolisiert aber auch einen Aufbruch - kraftvoll und optimistisch, denn das Ruhrgebiet ist eine Region mit vielen Chancen und einem großen Potenzial.

Neue Ideen entstehen

Aus den reichen und unschätzbaren Erfahrungen als industriellem Zentrum werden neue Ideen entstehen. Innovationskraft und Innovationsfreude junger und alter Unternehmen sowie wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen zeigen es schon heute. Und jüngste Erhebungen beweisen, dass das Ruhrgebiet aufholt. Beim Deutschen Start-up Monitor, der die Gründungsdynamik unterschiedlicher Regionen bundesweit abbildet, liegt die Rhein-Ruhr-Region zwischenzeitlich hinter Berlin auf Rang zwei - weit vor Hamburg, München und Stuttgart.

Der Initiativkreis Ruhr und seine Persönlichen Mitglieder sehen sich hierdurch in der Richtigkeit ihres Engagements bestätigt. Dem Anspruch "Gemeinsam für ein junges Ruhrgebiet" verpflichtet, werden sie auch weiterhin ihre Projekte nicht nur aus dem Bereich der Wirtschaft, sondern ebenso aus Bildung und Kultur mit dem Ziel voranbringen, das Ruhrgebiet stets aufs Neue als Kraftzentrum zu positionieren und damit einen Beitrag zum Wohlstand in unserer Gesellschaft zu leisten, denn im globalisierten Wettbewerb der Regionen dient ein starkes und vitales Ruhrgebiet nicht nur Nordrhein-Westfalen, sondern auch Deutschland und Europa.

Thomas A. Lange, Vorstandsvorsitzender der National-Bank AG und Co-Moderator des Initiativkreises Ruhr

Börsen-Zeitung, 12.10.2018, Autor Thomas A. Lange, Vorstandsvorsitzender der National-Bank AG und Co-Moderator des Initiativkreises Ruhr, Nummer 196, Seite B 5, 1357 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018196806&titel=Der-Initiativkreis-Ruhr-als-Kraftzentrum-von-NRW
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