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Redaktion

Künftig wird es viel stärker individualisierten Versicherungsschutz geben - Gemeinsam mehr Lebensqualität schaffen - Digitalisierung ist heute Chefsache

Wir leben in einer Welt des immer schnelleren Wandels. Technologische Sprünge sorgen dafür, dass sich das Leben der Menschen und damit auch das Umfeld für Unternehmen so rasch und grundlegend verändert, wie man es vor einer Generation noch nicht für möglich gehalten hätte. "Disrupt or be disrupted!" lautet das Motto dieses gewaltigen Transformationsprozesses, der von manchen als neues Zeitalter oder gar Revolution beschrieben wird.

Mit einer guten Idee oder einem neuen Geschäftsmodell eine ganze Industrie zu verändern - das gab es schon immer. Neu jedoch ist, dass sich mit der Digitalisierung die Geschwindigkeit der Umbrüche enorm erhöht hat. Nicht umsonst wurde "Disruption" schon vor drei Jahren zum Managerwort des Jahres erklärt.

Alle Branchen betroffen

Die digitale Transformation betrifft alle Branchen. Wer heute als Manager glaubt, dass sein Unternehmen von dieser Entwicklung nicht betroffen ist oder wer den digitalen Umbruch "aussitzen" will, ist entweder blind oder handelt unverantwortlich. Um es klar zu sagen: Digitalisierung ist heute Chefsache. Als Unternehmensführer muss man sich an die Spitze der Veränderung setzen und die digitale Transformation des Unternehmens gemeinsam mit Führungskräften und Mitarbeitern von oben treiben.

Allerdings: Aktionismus oder blinde Digital-Gläubigkeit sind in diesem Veränderungsprozess auch keine guten Ratgeber. Viel zu häufig lässt sich beobachten, dass die digitale Transformation an Äußerlichkeiten festgemacht wird - wenn das Topmanagement plötzlich mit offenem Hemdkragen und bunten Turnschuhen ins Silicon Valley reist - statt an den tatsächlichen Kundenwünschen. Nicht jede überdrehte neue Technologie, die von vollbärtigen Start-up-Gründern in Berliner Hinterhöfen als neue Zukunft bejubelt wird, orientiert sich an der tatsächlichen Lebenswelt der Kunden. Eine kluge Digitalstrategie muss deshalb einen Spagat schaffen: Sie gibt Mitarbeitern und externen Partnern den nötigen Freiraum, neue Technologien und dabei auch ausgefallene Lösungswege auszuprobieren. Gleichzeitig orientiert sie sich konsequent an den Wünschen und Anforderungen der Kunden.

Wie fast alle Branchen steht die Versicherungswirtschaft durch die Digitalisierung vor einem tiefgreifenden Wandel. Zwar kann heute niemand verlässlich vorhersagen, wie Versicherung in zehn oder zwanzig Jahren aussehen wird. Dennoch zeichnen sich Trends ab: Die Schlüsselworte heißen: datenbasiert, industrialisiert und kundenzentriert.

Maßgeschneiderte Tarife

Statt der heute noch üblichen Standardtarife und -module wird es künftig einen viel stärker individualisierten Versicherungsschutz geben. Dank moderner Datenanalysen wird es möglich sein, Produkte genau und unverwechselbar auf die Person des Kunden einzustellen - und das in einem automatisierten und skalierbaren Prozess. Maßgeschneiderte Tarife als Massenware. Auch der Vertrieb wird sich verändern: Selbstlernende Algorithmen werden künftig den Außendienstpartner bei seiner Beratungsarbeit unterstützen, indem sie auf Grundlage einer Vielzahl von Daten zur Umwelt, Lebenssituation, Verhalten sowie Schadenshistorie den individuellen Tarif für den Kunden zusammenstellen. Dabei gilt die Maxime: Digitalisierung muss stets dem Menschen dienen - und nicht umgekehrt.

Ebenso wird sich die Regulierung von Schadensfällen verändern. Die sogenannte Dunkelverarbeitung, also automatisierte Bearbeitung von Anfragen und Schäden, wird immer mehr zum Standard werden. Zum Teil ist diese schon heute im Einsatz, wenn beispielsweise Arztrechnungen automatisch vom Computer beglichen werden, ohne dass ein Sachbearbeiter noch einmal darüber schauen muss. Diese Systeme werden künftig immer besser werden.

Veränderung wird Normalität

Auch künstliche Intelligenz (KI) und Big Data werden dabei zum Einsatz kommen: Selbstlernende Systeme werden die Bedürfnisse der Kunden so nicht nur sehr viel besser als heute verstehen, sie werden in bestimmten Bereichen deren Wünsche sogar vorhersagen können. Im Idealfall muss sich der Kunde also gar nicht erst bei der Versicherung melden, weil diese auf Grundlage einer prädiktiven Analyse von sich aus schon aktiv geworden ist. Denkbar ist auch, dass smarte Geräte oder vernetzte Autos, ausgestattet mit Sensoren, autonom einen Schaden feststellen, die Reparatur beauftragen und die Regulierung mit dem Versicherer anstoßen. Ohne dass ein Mensch etwas tun oder eingreifen muss.

Nicht jede Zukunftsvision wird Realität werden. Dafür werden möglicherweise andere Entwicklungen, die wir heute noch nicht kennen, unsere Branche verändern. Um sich auf diese ungewisse Zukunft einzustellen, dürfen sich Unternehmen deshalb nicht an einem fertig ausgearbeiteten Digitalisierungsplan ausrichten. Dafür sind die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Veränderung zu groß. Wichtiger ist stattdessen, dass Unternehmen die Veränderung an sich annehmen und zum Bestandteil ihrer Unternehmenskultur machen. Die Fähigkeit, schnell und flexibel zu reagieren wird künftig zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Dazu gehört die Bereitschaft, kontinuierlich zu lernen. Veränderung wird zur neuen Normalität. Dabei ist wichtig, dass Führungskräfte den konstanten Umbruch nicht als Gefahr, sondern als Chance wahrnehmen.

Genau diesen Weg geht Signal Iduna. Anfang dieses Jahres haben wir das Transformationsprogramm Vision2023 gestartet. Dabei denken wir bewusst nicht von einer bestimmten Technologie aus, sondern vom Kunden. Als übergeordnetes Ziel haben wir eine neue Vision formuliert: "Gemeinsam mehr Lebensqualität schaffen!" Sie steht für eines der elementarsten Grundbedürfnisse unserer Kunden - nämlich den Wunsch nach Lebensqualität. Lebensqualität in Form von Gesundheit, weil man medizinisch optimal versorgt ist. Lebensqualität in Form von Ruhe und Gelassenheit, weil man finanziell abgesichert ist. Lebensqualität in Form von Zeit, weil man sich nicht mit komplizierten Anträgen herumschlagen muss oder am Telefon in der Warteschlange hängt. Dafür wollen wir als Signal Iduna stehen.

Kunde steht im Zentrum

Ein solches Ziel erreicht man nicht über Nacht. Mit Vision2023 haben wir ein mehrjähriges Veränderungsprogramm gestartet, das alle Bereiche des Unternehmens erfasst und für das wir uns ehrgeizige Ambitionen gesetzt haben. Natürlich werden wir dabei moderne Technologien und digitale Methoden einsetzen. Wir verändern auch die Art unseres Arbeitens: Agile Arbeitsmethoden und fachübergreifende Teams werden die bislang oft starren und hierarchischen Prozesse und Arbeitsabläufe unserer Branche ersetzen. Im Mittelpunkt - um den Bogen zum Anfang meiner Überlegungen zu schlagen - steht jedoch nicht die Technologie. Im Zentrum steht konsequent der Kunde.

Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der Signal Iduna Gruppe mit Sitz in Dortmund und Hamburg

Börsen-Zeitung, 12.10.2018, Autor Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der Signal Iduna Gruppe mit Sitz in Dortmund und Hamburg, Nummer 196, Seite B 7, 906 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018196809&titel=Wenn-das-Auto-sich-selbst-reparieren-laesst
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