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Redaktion

Anspruch der Sparkassen ist passgenaue Beratung - Austarierte Präsenz erfordert kontinuierliche Weiterentwicklung, vielfältige Innovation sowie Risikobereitschaft

Die Digitalisierung ist ein zentraler Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit. Auch die Kreditwirtschaft bekommt dies seit Jahren sehr stark zu spüren. Fintechs versuchen zunehmend, einzelne Geschäftsfelder für sich zu erobern beziehungsweise mit Kreditinstituten Kooperationen einzugehen. Die Kreditinstitute sehen sich weiterhin vor der Herausforderung, sowohl ihre eigenen Prozesse zu digitalisieren als auch für die Kundinnen und Kunden attraktive Angebote zur Verfügung zu stellen. Somit ist es wichtig, das Thema Digitalisierung aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Denn es braucht eine breite gesellschaftliche Akzeptanz.

Die Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) "Gemeinsam in die digitale Zukunft: Land startet Online-Beteiligung zur Strategie für das digitale Nordrhein-Westfalen" sieht beispielsweise Digitalisierung als gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe, die das Land grundlegend verändere. Richtig angegangen, biete sie große Chancen, Wirtschaft und Gesellschaft zu modernisieren und den Menschen durch Teilhabe an diesem Prozess neue Möglichkeiten zu eröffnen.

Verändertes Kundenverhalten

Doch was bedeuten die Herausforderungen der Digitalisierung nun konkret für die Banken und ganz speziell die Sparkassen?

Das Verhalten der Kundinnen und Kunden verändert sich rasant. Nur einige wenige Zahlen zur Verdeutlichung: Ende 2017 waren insgesamt 54,0 % der Privatgirokonten und 74,0 % der Geschäftsgirokonten bei Sparkassen im Rheinland für den Online-Zugriff freigeschaltet. Vor zehn Jahren waren es noch 35,7 % bei Privatgirokonten und 57,6 % bei Firmengirokonten. Die Nutzung des Online Banking nimmt rapide zu. Im Gegenzug wird die Sparkassenfiliale für die "normalen Servicegeschäfte", wie zum Beispiel Geldein- und -auszahlung, Überweisungen tätigen etc., deutlich weniger besucht.

Kleine und mittlere Unternehmen, die für die Wirtschaft in Nordrhein- Westfalen von zentraler Bedeutung sind, fordern die Beratungskompetenz ihrer Kreditinstitute gerade bezogen auf den Bereich der Digitalisierung. Insbesondere für diese Unternehmen ist es nicht einfach, sich neben dem fordernden Alltagsgeschäft mit der Digitalisierung und ihren Folgen auseinanderzusetzen. Daher findet sich dieses Thema zwischenzeitlich auch explizit im Sparkassenfinanzkonzept, dem zentralen Medium der Sparkassen-Finanzgruppe für eine fundierte Analyse der Ausgangssituation des gewerblichen Kunden. Dieses Analysetool steht den Sparkassen zudem ab November 2018 auch digital zur gemeinsamen Nutzung durch Kunde und Berater am Bildschirm zur Verfügung - stationär in der Sparkasse oder mobil beim Kunden vor Ort in seinem Unternehmen.

Nicht umsonst hat Nordrhein-Westfalen zur Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) das schon vorhandene Förderprogramm "Mittelstand.innovativ" um eine ergänzende Förderung für digitale Beratungsleistungen erweitert. Darin kommt auch dem Aspekt der IT-Sicherheit eine entsprechende Bedeutung zu.

Über die landeseigene NRW.Bank werden Finanzierungsmöglichkeiten für Digitalisierungsvorhaben bereitgestellt. Dies geschieht im Zusammenwirken mit Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken. Die Beraterinnen und Berater in den einzelnen Instituten weisen ihre Kundinnen und Kunden auf die passende Fördermöglichkeit hin und stellen Kontakte her. Somit sind diese sowohl bei aktuellen Finanzierungsfragen als auch bei Hinweisen auf mögliche Unterstützung wichtige Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in puncto Digitalisierung.

Durch selbstlernende Systeme, Entwicklungen, wie das Internet der Dinge und künstliche Intelligenz, Big Data und Cloud Computing sind ganz andere Möglichkeiten entstanden, Kundendaten zu erheben und zu speichern und diese für geschäftliche Zwecke - siehe die Anstrengungen der großen Internet-Player - gezielt zu nutzen. Deshalb ist das Thema Sicherheit so wichtig.

Für die Sparkassen steht der gewonnene Datenschatz nicht im Widerspruch zu Datenschutz. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Kundinnen und Kunden sichere Anwendungen zur Verfügung zu stellen und mit den Daten der Kunden verantwortungsbewusst umzugehen. Jeder Einzelne muss unter Kenntnis aller Rahmenbedingungen entscheiden können, wem er was zugänglich machen will.

Für die Sparkassen als Marktführer bedeutet digitale Kompetenz zudem, dass ihre Anwendungen und Produkte beim Markteintritt theoretisch für rund 50 Millionen Kundinnen und Kunden funktionieren und deren Akzeptanz finden müssen. Die Menschen erwarten von ihren Sparkassen zu Recht, dass sie ihnen schnelle und sichere Möglichkeiten bieten, ihre Finanztransaktionen zu erledigen. Apps und Anwendungen sollen leicht handhabbar sein und den neuesten Designstandards entsprechen. Dies ist in vielen Bereichen gut gelungen und hat mit dazu beigetragen, dass die Marke Sparkasse von Experten zur beliebtesten Finanzmarke im Internet gekürt worden ist.

Testsieger Sparkassen-App

Den Kundinnen und Kunden der Sparkassen steht eine breite Palette digitaler Dienstleistungen zur Verfügung: Mit der Internetfiliale haben die Sparkassen es früh geschafft, den Kundinnen und Kunden ein an den neuen Bedürfnissen ausgerichtetes Produkt bereitzustellen. Dauerhaft ist dieses Produkt um die neuesten technischen Möglichkeiten erweitert worden.

Von einer Zeitschrift sind kürzlich 38 Banking Apps für Android und iOS getestet worden. Die multibankenfähige Sparkassen-App ist bei beiden Betriebssystemen Testsieger geworden. Die von Sparkassen ausgegebenen Karten werden konsequent mit Chips ausgestattet, die kontaktloses Bezahlen ermöglichen: Ende 2018 werden ca. 4,9 Millionen Kundinnen und Kunden im Rheinland im Besitz einer SparkassenCard oder einer Sparkassen-Kreditkarte mit Kontaktlosfunktion sein, bei denen zudem bis zu Beträgen von 25 Euro eine Bezahlung ohne PIN möglich ist.

Seit August 2018 können die Kundinnen und Kunden der Sparkassen darüber hinaus jederzeit und einfach mit dem Android-Smartphone an der Kasse kontaktlos bezahlen. Individuelle "Echtzeit-Überweisungen" (Instant Payment) können von einer Sparkasse an jede andere beliebige Sparkasse und einige Banken getätigt werden. Die Anzahl der Nutzerinnen und Nutzer der Handy-zu-Handy-Überweisung "Kwitt", mit inzwischen bundesweit rund 1,1 Millionen Kundinnen und Kunden der Sparkassen-Finanzgruppe und der Volks- und Raiffeisenbanken, steigt stetig. Es finden wöchentlich fast 80 000 Transaktionen statt. Im Sinne der Erzielung einer großen Kundenreichweite ist "Kwitt" offen für weitere Kooperationspartner. Aber auch abseits des klassischen Zahlungsverkehrs hat die Sparkasse digitale Angebote, so zukünftig den elektronischen Safe, der quasi ein digitales Sparkassenschließfach ist.

Im Firmenkundensegment vereinfachen mobile Anwendungen für Smartphone und Tablet den Arbeitsalltag der Geschäftsführenden. So bietet die "Finanzcockpit"-App der Sparkassen stets einen Überblick über alle wichtigen Finanzkennzahlen des Unternehmens und die Möglichkeit des Liquiditätsmanagements. Über Veränderungen wird automatisch via Push-Nachricht informiert. Welche Daten angezeigt werden, kann individuell festlegt werden.

Auch die Kommunen in Deutschland werden mit "GiroCheckout", einem Produkt der Sparkassen-Finanzgruppe bei ihrem Zahlungsverkehr unterstützt. Rund 1 100 Kommunen nutzen das Produkt bereits. Bürgerinnen und Bürger erhalten die Möglichkeit, Gebühren oder Leistungen mit allen gängigen Online-Bezahlverfahren wie Kreditkarten, Lastschriftverfahren, der Online-Überweisung "Giropay" oder "Paydirekt" zu bezahlen. Der Verwaltungsaufwand wird so reduziert.

Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, da das E-Government-Gesetz NRW vorsieht, Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen künftig in die Lage zu versetzen, ihre Behördengänge auch elektronisch abzuwickeln. "GiroCheckout" kann schnell, unkompliziert und sicher in Bürgerportale und Online-Verwaltungsprozesse integriert werden.

Zur gewollten breiten Akzeptanz des digitalen Fortschritts gehört aber auch, dass man diejenigen nicht aus dem Blick verliert, die diesen Weg nur eingeschränkt mitgehen wollen oder können. Außerdem gilt es, genau zu erkennen, wo der "analoge" persönliche Kontakt weiterhin unabdingbar ist.

Die Filiale bleibt wichtig

Deshalb ist auch im Zeitalter der Digitalisierung die Nähe zu Kundinnen und Kunden entscheidend. Sie bestimmen, wo und wie sie ihre Bankgeschäfte tätigen wollen. Der Anspruch der Sparkassen ist, dass jeder eine passgenaue Beratung bekommt - auf dem Kanal, den er oder sie gerade wünscht und der zum jeweiligen Beratungsbedürfnis passt. Das heißt auch: Die Filiale ist und bleibt wichtig - aber vor allem unter dem Gesichtspunkt einer optimalen Beratung. Denn für die Kundinnen und Kunden steht auch heute die persönliche qualifizierte Beratung für Bankgeschäfte - gegebenenfalls auch nach einer vorab durchgeführten Internetrecherche - im Vordergrund. Diese fein austarierte Präsenz zu bewältigen, erfordert kontinuierliche Weiterentwicklung, vielfältige Innovation sowie Risikobereitschaft. Dann ist auch digitaler Fortschritt einfach.

Michael Breuer, Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes

Börsen-Zeitung, 12.10.2018, Autor Michael Breuer, Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes, Nummer 196, Seite B 9, 1154 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018196813&titel=Digitalisierung---die-gemeinsame-Zukunftsaufgabe
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