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Redaktion

Die EU-Kommission schreibt Nachhaltigkeit ins Pflichtenheft Institutioneller - ESG-Investments werden zur nächsten Herausforderung für deutsche Investoren

Um das Ansehen der Europäischen Union (EU) ist es mitunter nicht zum Besten gestellt. Mit dem im März verabschiedeten "Aktionsplan: Finanzierung nachhaltigen Wachstums" hat sie jedoch unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage ist, auf zentrale Herausforderungen zu reagieren. Bereits seit geraumer Zeit sind die Gefahren des Klimawandels für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft bekannt. Mit der Annahme des Pariser Klimaschutzübereinkommens und der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung haben sich daher Regierungen aus der ganzen Welt entschieden, künftig einen nachhaltigeren Weg zu beschreiten, um die Erderwärmung unter zwei Grad zu begrenzen.

Das Pariser Klimaabkommen gilt als wegweisend, bedarf jedoch der Umsetzung durch konkrete Maßnahmen auf supranationaler und nationaler Ebene. Die Zeit drängt. Denn nach Auffassung renommierter Wissenschaftler ist die Welt vom angestrebten Klimaziel noch ein gutes Stück entfernt. So warnte erst kürzlich der deutsche Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber vor einer Erwärmung um drei bis vier Grad, falls nicht schnell gehandelt werde.

Mit ihrem Aktionsplan hat die EU-Kommission, vielleicht zur Überraschung mancher Beobachter, genau dies getan. Bereits Ende 2016 hatte sie mit der sogenannten High Level Expert Group eine hochrangige Sachverständigengruppe. Am 31. Januar 2018 veröffentlichte diese Gruppe ihren Abschlussbericht. Nur zwei Monate später ging die Kommission mit ihrem Aktionsplan an die Öffentlichkeit. Dieser geht von der vernünftigen Grundannahme aus, dass der für die Begrenzung der Erderwärmung notwendige nachhaltige Umbau der Ökonomie ohne die Finanzwirtschaft nicht zu stemmen ist. Die erforderlichen Finanzmittel sind immens.

Um die EU-Klima- und Energieziele bis 2030 zu verwirklichen, muss Europa nach Angaben der EU-Kommission einen jährlichen Investitionsrückstand von fast 180 Mrd. Euro aufholen. Dazu braucht es privates Kapital. Vor diesem Hintergrund zielt der Aktionsplan darauf ab, die Kapitalflüsse stärker auf nachhaltige Investitionen umzulenken und so ein nachhaltiges und zukunftssicheres Wachstum zu ermöglichen.

Die Politik macht Druck

Was bedeutet dies nun für institutionelle Investoren? Diese Frage lässt sich sehr konkret beantworten. Die EU-Kommission wirkt darauf hin, dass alle Großanleger ihre treuhänderische Verpflichtung künftig auch unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit definieren. Und sie belässt es nicht bei Appellen. Innerhalb der nächsten Monate wird sie konkrete Regelungen vorlegen, um die diesbezüglichen Pflichten institutioneller Anleger zu konkretisieren.

Diese werden die Investoren ausdrücklich dazu anhalten, Nachhaltigkeitsaspekte in den Entscheidungsprozess für ihre Investitionen einzubeziehen. Zudem werden alle institutionellen Investoren verpflichtet, Transparenz darüber zu schaffen, wie genau sie diese Nachhaltigkeitsaspekte in der Kapitalanlage berücksichtigen. Die Zeit der uneingeschränkten Freiwilligkeit scheint mit diesem Regulierungsvorhaben zu Ende zu gehen. Ebenso die Zeiten, in denen mancher Investor sich mit minimalem Aufwand einen grünen Anstrich geben konnte.

Blick hinter die Kulissen

Die angestrebte Transparenz dürfte jedenfalls dafür sorgen, dass künftig ein genauerer Blick hinter die Kulissen möglich sein wird. Manch einen Investor mag dies nicht schrecken. Denn die Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien wird von vielen Anlegern bereits praktiziert, wenngleich auch in sehr unterschiedlichem Maße. Allerdings sind längst noch nicht alle Investoren schon auf den Zug aufgesprungen. Gerade im Vergleich mit dem europäischen Aus-land ist das systematische ESG-Engagement (ESG - Environmental, Social, Governance) deutscher Großanleger deutlich geringer ausgeprägt. Für diese dürften die Brüsseler Pläne daher eine besondere Herausforderung darstellen.

Eine stärkere Befassung mit ESG-Investments sollte allerdings nicht allein wegen des zunehmenden regulatorischen Drucks erfolgen. Sie liegt darüber hinaus im ureigenen Interesse der Investoren selbst. Denn der Transformationsprozess der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz hat signifikante Auswirkungen auch auf die Kapitalanlage. Hier entstehen neue Risiken und Chancen. Divestments und sogenannte Strandes Assets sind nur einige Stichworte, wenn es um die Risikoseite geht. Auf der anderen Seite bieten neue umweltrelevante Produktionstechniken, Produkte und Services die Möglichkeit, an der Entwicklung aufstrebender und innovativer Unternehmen teilzuhaben. Zukunftsmärkte können so für die Kapitalanlage erschlossen werden. In diesem Sinne könnte Nachhaltigkeit sich durchaus als neuer und langfristiger Investmenttrend mit Renditepotenzial erweisen.

Was ist zu tun?

Für Investoren hierzulande gibt es also gute Gründe, sich jetzt eingehender mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Renditenachteile müssen sie dabei nicht befürchten. Inzwischen haben zahlreiche Studien nachgewiesen, dass dies in der Regel nicht der Fall ist. Im Gegenteil: portfoliotechnisch ist die Berücksichtigung nachhaltiger Investmentkriterien nach überwiegender Auffassung vielmehr geeignet, das Risiko/Rendite-Profil der Anlage zu verbessern.

Natürlich bedeutet die systematische Integration von ESG-Aspekten einen zusätzlichen Aufwand. Und das in Zeiten, in denen sich institutionelle Investoren ohnehin einer Vielzahl an neuen Herausforderungen gegenübersehen, sei es von Seiten der Regulatorik, der Märkte oder der Implementierung neuer Investmentansätze. Will man nicht ins Hintertreffen geraten oder von der dynamischen Entwicklung überrollt werden, muss die Aufgabe gleichwohl angegangen werden. Was aber können Anleger tun, um sich auf die künftigen Heraus- und Anforderungen vorzubereiten? Unabhängig vom Einzelfall empfehlen sich hier grundsätzlich drei Maßnahmen:

Nachhaltigkeit kann nicht mehr einfach nur mitlaufen, sondern sollte Bestandteil der strategischen Ausrichtung des Investors werden. Hierzu muss das Thema, dort wo noch nicht geschehen, auf höchster Managementebene sowie in den Anlagegrundsätzen und Anlagerichtlinien der Investoren verankert werden.

Wichtig ist darüber hinaus eine umfassende Bestandsaufnahme darüber, wo das Unternehmen in Sachen nachhaltiger Kapitalanlage steht, verknüpft mit einer Perspektive über die zukünftige Weiterentwicklung.

Es scheint, als habe der Regulierungszug gerade erst Fahrt aufgenommen. Um zu wissen, in welche Richtung er fährt und welche die nächsten Stationen sein werden, ist es angeraten, den Fortgang der Regulierungsbemühungen sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene genauestens im Auge zu behalten. Hier empfiehlt sich die Einrichtung einer unternehmensinternen Arbeitsgruppe, die die weitere Entwicklung beobachten und Handlungsempfehlungen aussprechen kann.

Methodisch vorgehen

Fazit - "Nice to have", diese Haltung scheint mit Blick auf die nachhaltige Kapitalanlage zunehmend obsolet geworden. Nicht nur der Regulierungsdruck zwingt Investoren, sich über die Implementierung einer erweiterten Investmentstrategie Gedanken zu machen. Vor allem ein methodisches Vorgehen ist hierbei wichtig. Vor diesem Hintergrund hat die PRI zu Beginn des Jahres einen Leitfaden erarbeitet, der es Investoren erleichtern soll, ihre Kapitalanlage systematisch unter Einbeziehung von ESG-Kriterien zukunftsfähig zu machen. Darin werden ausführlich die wichtigsten Schritte aufgezeigt und detailliert beschrieben.

Fiona Reynolds, CEO der Principles for Responsible Investment (PRI)

Börsen-Zeitung, 27.10.2018, Autor Fiona Reynolds, CEO der Principles for Responsible Investment (PRI), Nummer 207, Seite B 7, 955 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018207809&titel=Kapitalanlage-zukunftsfaehig-gestalten
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