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Redaktion

Value-Investoren nutzen volatile Märkte für günstige Investitionen
Uwe Furkert

Geschäftsführer bei Furkert & Schneider Private Asset Management KG

2018 kehrte die Volatilität an die Börse zurück. Zuvor kannten die Aktienmärkte der Industrieländer über Jahre trotz mancher politischen Sperrfeuer nur einen stetigen Weg nach oben. Doch spätestens im dritten Quartal 2018 wurde die Geduld vieler Investoren überstrapaziert und die überfällige Korrektur eingeleitet.

Auslöser war letztlich der Mix aus nachlassender Wirtschaftsdynamik, offenen Handelskonflikten, den festgefahrenen Brexit-Verhandlungen, italienischen Schuldenbergen sowie diversen anderen regionalen und branchenspezifischen Problemen - wie etwa in der Automobilbranche. Als zuletzt auch noch Zinsängste hinzukamen, lief das Fass über.

In den USA liegen die Zinsen für mittelfristige Staatsanleihen bereits bei rund 3 % p. a. und werden damit zunehmend als Konkurrenz zu Aktien wahrgenommen. Die in den USA drohende inverse Zinsstrukturkurve, bei der die kurzfristigen Zinsen die langfristigen übersteigen, verstärkt dies noch. Auch wenn die EZB den Leitzins noch unangetastet lässt, ist die Rücknahme der ultralockeren Geldpolitik im Euroraum ebenfalls bereits in vollem Gange. So endet das Quantitative Easing, der massenhafte Aufkauf von Anleihen durch die Zentralbank, zum Ende des Jahres.

Während der Dax bereits seit dem ersten Quartal 2018 den positiven Trend der vergangenen zwei Jahre nicht mehr fortführen konnte, zeigte der Dow Jones im dritten Quartal noch einmal einen Aufwärtstrend, bevor er Anfang Oktober mehr als 3 % an einem einzigen Tag nachgab. Synonym für die Märkte reagierte US-Präsident Trump nervös und kritisierte die Fed, "verrückt geworden" zu sein und einen zu straffen geldpolitischen Kurs zu fahren. Mit den US-amerikanischen Börsen ging auch der europäische Aktienmarkt auf Talfahrt.

Diese kurze Zusammenfassung erklärt die bisherige Entwicklung des Jahres. Und viele insbesondere private Anleger wollen nun wissen, wie es unmittelbar weitergeht. Doch uns als Value-Investoren interessiert diese Frage gar nicht so sehr. Derart kurzfristige Prognosen zum Marktverhalten fließen kaum in unsere Investitionsentscheidungen ein. Denn der beste Schutz vor hohen Schwankungen ist bei hinreichend langem Anlagehorizont die Werthaltigkeit unserer Investments.

Entscheidend ist der innere Wert der einzelnen Aktiengesellschaft, der auf den künftigen Gewinnen des Unternehmens basiert, im Verhältnis zum Kurs, also dem Preis, der heute für einen Anteil des Unternehmens verlangt wird. Für Value-Investoren sind die Bewertungen der Zielinvestments daher wichtiger als etwaige kurzfristige Schwankungen. Diese nutzen wir, um in Phasen fallender Kurse solide Investments günstig zu erwerben.

Die Basis eines valueorientierten Portfolios bilden Unternehmen mit einem robusten und möglichst dauerhaften Geschäftsmodell. Sie werden durch hohe Markteintrittsbarrieren geschützt, zeichnen sich durch eine hohe Marktmacht hinsichtlich Produkt- und Preisgestaltung aus und verfolgen eine Wachstumsstrategie. Maßgebliche Branchen sind unter anderem Internet, Energieversorgung, Konsumgüter, Mobilität oder auch Finanzdienstleistungen. Darüber hinaus gibt es Mega-Trends, welche die kommenden Jahrzehnte prägen werden, und Innovationen, deren Potenzial wir noch gar nicht umfassen können.

Chancen bieten beispielsweise Energieversorger, die ihre Geschäftsmodelle der Energiewende anpassen. Der Energiebedarf wird weiter massiv steigen. Neue Technologien wie Blockchain gehen mit einem immensen Energieverbrauch einher. So verbrauchen die weltweiten Transaktionen der Kryptowährung Bitcoin bereits heute mehr Strom als ganze Volkswirtschaften.

Ein Trend-Thema, das von vielen technischen Innovationen geprägt ist und ebenfalls einen immensen, sich verändernden Energiebedarf mit sich bringt, ist die E-Mobilität. Neben den Energieversorgern werden hiervon insbesondere Unternehmen der Automobilindustrie profitieren, die nun mit Nachdruck und großen Ressourcen das Thema vorantreiben werden. Mit den Stückzahlen und Produktionskosten großer Automobilkonzerne kann so schnell kein Tesla mithalten.

Der Mega-Trend unserer Zeit ist die Digitalisierung mit ihren erheblichen Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, aber insbesondere auf die Branchen Netzwerktechnologie, Infrastruktur und Telekommunikation. Die Digitalisierung wird auch in den kommenden Jahren weitere Innovationen, disruptive Geschäftsmodelle und auch langfristig orientierte Investitionschancen hervorbringen. Viele dieser Innovationen und Geschäftsmodelle haben jedoch noch nicht die für Value-Investoren notwendige wirtschaftliche Reife. Hier ist gesunde Skepsis und Geduld angebracht. Darüber hinaus beobachten wir auch technologische Entwicklungen wie den 3-D-Druck, deren Anwendungsmöglichkeiten und wirtschaftliches Potenzial sich erst noch entfalten.

Gutes Potenzial sehen wir aber auch bei Banken, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und nun das Tal der Tränen hinter sich lassen. Von der langsamen Rücknahme der lockeren Geldpolitik und der kommenden Zinswende dürften diese profitieren.

Unabhängig von Trend oder Branche ist unser Ansatz als Value-Investoren immer gleich: Uns interessiert beispielsweise, ob in fünf oder zehn Jahren noch Eier gegessen werden und wie sich dieser Markt entwickeln könnte. Ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Menschheit langfristig Eier ist, schauen wir, wie viel Geld sich damit verdienen lässt. Dabei stützen wir uns auf eigene Erfahrungen und unser Verhalten. Gleiches gilt für andere Nahrungsmittel, Güter des täglichen Bedarfs, langfristige Wirtschaftsgüter, Energie etc. Finden wir Geschäftszweige mit guten und langfristigen Verdienstmöglichkeiten, prüfen wir, ob diese Geschäfte wachsen können und welchen Risiken diese Geschäfte durch Wettbewerb, Regulierung und technologischen Wandel ausgesetzt sind. Dann schauen wir uns die Geschäftszahlen, die Geschäftsführung, deren Werdegang, Äußerungen und Führungsverhalten an. Im letzten Schritt gleichen wir die Wachstumschancen des Geschäfts mit unseren eigenen Renditevorstellungen ab und versuchen für Anteile an dem so identifizierten Unternehmen möglichst wenig zu bezahlen - indem wir auf schwächere Marktphasen warten.

Diese Herangehensweise des Value Investing ist viel sicherer und anhand von Geschäftszahlen auch viel besser nachzuvollziehen und zu kontrollieren, als das kurz- und mittelfristige, meist irrationale Verhalten der Marktmasse an den Börsen richtig vorherzusagen. Value-Investoren müssen mitunter sehr ausdauernd sein. Jeder Einzelentscheidung kommt ein hohes Gewicht zu. Sie werden erst nach gründlicher Recherche, sorgfältiger Analyse und sachlicher Bewertung getroffen. Für Emotionen und schnelles "Traden" ist da kein Platz.

Gleichwohl arbeiten wir mit flexiblen Cash-Quoten, Edelmetallen und gelegentlich auch Derivaten. Durch den gezielten, aber geringfügigen Einsatz von Optionen erhalten wir das Wert­entwicklungspotenzial in einigen sorgfältig ausgesuchten Positionen und gleichzeitig wichtige Cash-Positionen, um günstige Kaufzeitpunkte optimal nutzen zu können. Mit diesem flexiblen Exposure sind sinnvolle Zusatzrenditen möglich. Das A und O aber sind die langfristigen Investitionen in werthaltige Unternehmen mit zukunftsfähigen Geschäftsmodellen.

Börsen-Zeitung, 07.11.2018, Autor Uwe Furkert, Geschäftsführer bei Furkert & Schneider Private Asset Management KG, Nummer 214, Seite B 6, 923 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018214801&titel=Crash-Gefahr-oder-Einkaufschance?
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