Redaktion

Investmentfonds für semiinstitutionelle Investoren dürfen keine Wundertüte sein
Alexander Etterer

Partner, Leiter Vermögens-Reporting/-Controlling von Rödl & Partner

Investmentfonds, die wirklich für Stiftungen und andere semiinstitutionelle Investoren, wie beispielsweise Kommunen, Stiftungen, Kirchen und Verbände, geeignet sind, sind Mangelware. Dabei liegt es nicht daran, dass nicht genügend Fonds beispielsweise den Duktus "Stiftung" im Namen führen, sondern dass zu wenige diese Anlegergruppen in der von den zuständigen Aufsichtsbehörden geforderten Umsetzung einer regelmäßigen "Kontrolle und Überwachung" unterstützen.

Beispielsweise fordert das Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen zur Gewährleistung einer ordnungsgemäßen Haushaltswirtschaft von den Gemeinden und Gemeindeverbänden eine sachgerechte Kontrolle und Überwachung der Anlage von Kapital sowie auch der Tätigkeit beauftragter Dritter. Die Kontrolle und Überwachung soll angepasst an die örtlichen Verhältnisse bestimmt und durchgeführt werden. Es ist dabei nicht ausreichend, die Kontrolle und Überwachung nur einmal jährlich vorzunehmen.

Insofern sind Investmentfonds, die über eine umfassende, glaubwürdige, verständliche und zeitnahe Informationspolitik richtig greifbar und begreifbar für Stiftung, Kommune & Co. sind, Mangelware. Aber es gibt Alternativen. Semiinstitutionelle Investoren haben ja nicht das Problem, dass ihnen nicht genügend Anlagealternativen angeboten werden. Schwierig wird es vielmehr dann, wenn eine Entscheidung für einen Fonds unter Unsicherheit getroffen wird. Bei "normalen" Fonds fehlen dem Stiftungsvorstand oder dem Stadtkämmerer die Informationen darüber, was im Fonds en detail mit dem treuhänderisch investierten Kapital passiert.

Hierzu zählen beispielsweise Informationen darüber, ob die Anlagerichtlinien eingehalten wurden, ob die Qualität und Funktionsfähigkeit der eingesetzten Produkte stimmt, ob Wertuntergrenzen eingehalten wurden, wie Nachhaltigkeitskriterien umgesetzt und die Aktien- und Rentenquote gesteuert werden. Nicht nur, weil die Aufsichtsbehörden eine regelmäßige und sachgerechte Kontrolle und Überwachung der Anlage von Kapital sowie auch der Tätigkeit beauftragter Dritter fordern. Diese Informationsdefizite können bei den Verantwortlichen plötzlich auch arbeits-, zivil- und strafrechtliche Haftungsthemen hervorrufen, die letztendlich dazu führen können, sich gegen das Investment zu entscheiden.

Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter, die das Problem der semiinstitutionellen Anlegergruppen erkannt haben und die benötigten Informationen liefern, setzen genau an diesem Punkt an. Eine Anlageentscheidung, die einen solchen Fonds berücksichtigt, ist eine, die unter hohem Verständnis, einer bewussteren Wahrnehmung und Einordnung von Risiken und grundsätzlich mehr Sicherheit getroffen wird. Zudem entlastet dies den Verantwortlichen von möglichen Risiken, die er heute noch nicht absehen kann.

Transparenzzertifizierte Fonds sind damit keine Wundertüten mehr, gleichzeitig jedoch auch nicht die eierlegende Wollmilchsau. Sie sind schlichtweg diejenigen Fonds, die sich für ihre Zielgruppe durchschaubar und begreifbar machen. Was heißt das? Sie lassen tief blicken. Dort, wo Factsheet, Verkaufsprospekt, Jahres- und Halbjahresbericht und die wesentlichen Anlegerinformationen (KIID) an ihre Grenzen stoßen, liefert der Transparenzbericht die benötigten Informationen.

Er gibt schlichtweg ein umfassendes Bild des jeweiligen Fonds ab. Keine Information bleibt im Verborgenen, kein Risiko unerkannt. Und in vielen Fonds schlummern eine Menge Informationslücken, die eine geforderte sachgerechte Kontrolle und Überwachung für semiinstitutionelle Anlegergruppen nicht möglich machen. Wenn etwa ein reiner Rentenfonds aufgrund von "Alternativlosigkeit" in immer schlechter eingestufte Anleihen investiert, diese sich aber in den "Top-Ten-Werten" im Factsheet hinter den sicheren Bundesanleihen verstecken, dann ist der Transparenzbericht für den Finanzchef einer Stiftung oder den Leiter Finanzen eines Verbandes eine wertvolle Hilfe. Anders ausgedrückt: Der Transparenzbericht ermöglicht beim gesamten Fondsportfolio den Blick hinter die Steckdose, macht jedes Risiko sichtbar und liefert umfassende Informationen - insbesondere für diejenigen, die treuhänderisch "fremde" Gelder bewirtschaften müssen und bei negativen Entwicklungen mit Haftungsfragen konfrontiert sind.

Aktuell umfasst die sogenannte "Transparenz-Community", also die Gruppe der Fonds, die sich ihre Informationstransparenz zertifizieren lassen, 25 Fonds. Die beiden ersten Häuser, die ihre Fonds mit dem Transparenzbericht ausgestattet haben, waren Merck Finck & Co. Privatbankiers mit dem Merck Finck Stiftungsfonds, der im Übrigen 1990 aufgelegt wurde und damit der Stiftungsfonds mit der längsten Historie ist, und die Bethmann Bank AG mit dem Bethmann Stiftungsfonds im Oktober 2012. Weitere Fondsgesellschaften sind gerade in Überlegungen, ausgewählte Fonds mit einem Transparenzbericht ausstatten zu lassen, so dass sich die Anzahl transparenzzertifizierter Investmentfonds fortlaufend erhöht. Die erstmalige Verleihung des "Transparenten Bullen" im November 2018 durch den Finanzenverlag verschafft der anlegergerechten Informations- und Transparenzpolitik dieser Fonds eine eigene Marktpositionierung.

Fazit: Die Entwicklung zeigt, dass sich vor allem Privatbanken und die absolut führenden Kapitalverwaltungsgesellschaften um größere Transparenz in ihren Flaggschifffonds für semiinstitutionelle Anlegergruppen bemühen. Der Nutzen für den Anleger wird dabei schnell deutlich: Die Informationspolitik gewährt ein hohes Maß an Einsicht in das Fondsmanagement, ferner werden mögliche Informationsdefizite durch eine verständliche Aufbereitung von vorhandenen Informationen ausgeglichen. Transparenz bedeutet hier also vor allem mehr Sicherheit in der Anlageentscheidung, was wiederum Qualität bedeutet. Letztlich ist das nichts anderes als die Basis für Vertrauen und trifft mit dem Gedanken den modernen Zeitgeist, der von Information und Transparenz geprägt ist.

Börsen-Zeitung, 07.11.2018, Autor Alexander Etterer, Partner, Leiter Vermögens-Reporting/-Controlling von Rödl & Partner, Nummer 214, Seite B 8, 735 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018214802&titel=Der-Transparenzbericht-verbessert-die-Informationspolitik
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