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Redaktion

Eine gute Idee zur Marktreife zu bringen, passiert nicht von heute auf morgen - Ausdauer und ausreichend Kapital erforderlich - Innovative Start-ups unterstützen

Von der Schüleridee zum eigenen Start-up - viele potenzielle Gründer haben diesen Traum. Für Tanja Nickel und Katharina Obladen ist er längst wahr geworden. Während ihrer Schulzeit kam den beiden Frauen die Idee zu einem Entkeimungsmodul für Handläufe von Treppen. Auslöser dafür waren die Schweinegrippe, die seinerzeit in Deutschland grassierte, und ein Wirtschaftswettbewerb. Sie überlegten, wie sich Krankheitserreger im öffentlichen Raum wirksam bekämpfen ließen, und fanden die Lösung in UV-Licht, das Keime abtöten kann.

Wenige Jahre später stehen die beiden Gründerinnen nun in ihrem eigenen Unternehmen - der UVIS GmbH. Möglich wurde die Gründung durch eine Finanzierung der NRW.Bank, und zwar mit Hilfe des Förderprogramms "NRW.SeedCap Digitale Wirtschaft". Mit diesem Produkt beteiligt sich die Förderbank für Nordrhein-Westfalen (NRW) an jungen, innovativen Unternehmen im Umfeld der digitalen Wirtschaft und stellt häufig die erste Finanzierung in Form von Eigenkapital und mit Beteiligung eines Business Angels zur Verfügung.

Besonders innovativen Jungunternehmen mit digitalen Geschäftsideen mangelt es gerade in der Entwicklungs- und frühen Startphase an Mitteln für Gründungs- und Wachstumsinvestitionen, wie zum Beispiel Investitionen in Forschung und Entwicklung, Personal oder Marketing. Ein Start-up auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, ist jedoch unabdingbar, um nicht zu scheitern. Wichtig dabei ist genügend Eigenkapital. Gleichzeitig ist das häufig ein "Knackpunkt", da viele Gründer zwar gute Geschäftsideen haben, aber zunächst weder Sicherheiten noch Gewinne vorweisen können.

Genügend Eigenkapital ist jedoch die Voraussetzung, um überhaupt Kredite zu erhalten. Damit signalisiert der Unternehmer Kreditwürdigkeit. Zu wenig Eigenkapital vergrößert dagegen das unternehmerische Risiko und engt Finanzierungsspielräume und folglich auch die Möglichkeit für Entwicklung und Wachstum des Start-ups ein.

Wer nicht über ausreichende Eigenmittel verfügt, muss deshalb für sein Vorhaben finanzielle Unterstützung mobilisieren. In den USA gibt es eine lange Tradition der Finanzierung junger Unternehmen mithilfe von Venture Capital (VC). Dort haben die sieben wertvollsten Unternehmen der Welt ihren Sitz. Ihre Entstehung und ihr Wachstum wären ohne Wagniskapital nicht möglich gewesen.

In Deutschland gibt es dagegen insgesamt noch immer zu wenig privates Kapital, um aus innovativen Geschäftsmodellen erfolgreiche Unternehmen zu etablieren, wie eine im Sommer veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, der Internet Economy Foundation (IE.F) und dem Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) belegt. Eine weitere Erkenntnis dieser Studie ist, dass sich der Venture-Capital-Markt hierzulande aber belebt hat - unter anderem durch die Schaffung und Weiterentwicklung öffentlicher Förderprogramme. Denn neben dem eigentlichen Hauptgeschäft, Förderkredite zu vergeben, gehört es zu den Aufgaben von Förderbanken, da zu unterstützen, wo Bedarf besteht.

Im Venture-Capital-Segment steht beispielsweise Nordrhein-Westfalen im Bundesländervergleich weit oben, aber auch hier tut sich eine Schere zwischen Finanzierungsangebot und -nachfrage auf. Um diese Lücke zu schließen, engagiert sich die NRW.Bank mit Unterstützung der Landesregierung und stockte Ende 2017 ihr Venture-Capital-Volumen um 85 % auf 465 Mill. Euro auf. Damit finanziert sie über ihre eigene Seed-Fonds-Initiative und den "NRW.Bank.Venture Fonds" sowohl innovative Start-ups in der Entwicklungs- oder frühen Startphase als auch junge Unternehmen beim Wachstum.

Daneben investiert die Förderbank als Ankerinvestor in private Venture- Capital-Fonds. Ein Beispiel ist hier der Gründerfonds Ruhr. Er wurde gemeinsam von dem Initiativkreis Ruhr und der NRW.Bank initiiert und ist der erste durch regionale Industrie- und Finanzunternehmen finanzierte, privatwirtschaftliche Frühphasenfonds des Ruhrgebiets. Der Fonds beteiligt sich an innovativen und technologieorientierten Unternehmen aus den Branchen Life Sciences & Gesundheit, Digitale Wirtschaft, Chemie und Werkstoffe, Energie und Industrie sowie Logistik und Handel. Innerhalb kürzester Zeit konnten bereits erste Investments getätigt werden.

Bis heute hat die Bank rund 45 digitale Start-ups mit dem NRW.SeedCap Digitale Wirtschaft finanziert. Eine beachtliche Zahl dieser jungen Unternehmen hat es bereits geschafft, Zweitrunden-Finanzierungen einzuwerben. Die Erfahrungen zeigen, dass die Beteiligung einer Förderbank als Ankerinvestor für das nötige Vertrauen bei privaten Investoren sorgt. Da jeder Euro staatlicher Förderung oft bis zu viereinhalb Euro an privatem Kapital aktiviert, bewegt die NRW.Bank damit fast eineinhalb Mrd. Euro an Wagniskapital - ein großer "Hebeleffekt".

Eine Finanzierung über externes Beteiligungskapital lohnt sich für beide Seiten: Der private Kapitalgeber profitiert neben der Wertsteigerung und Veräußerungsgewinnen vom Zugang zu Innovationen, neuen Produkten und Geschäftsmodellen. Zudem bietet sich für einen institutionellen Investor die Möglichkeit, neue, ertragsstabilisierende und zukunftsfähige Geschäftsfelder auszutesten. Für junge Unternehmen ist die Verbindung mit einem branchenverbundenen Kapitalgeber über die Finanzierung hinaus vorteilhaft, da sie durch die Beteiligung Expertisen des Investors nutzen können und dieser auch beim Organisationsaufbau unterstützen kann. Studien zeigen, dass durch Venture Capital finanzierte Unternehmen deutlich schneller wachsen als vergleichbare Unternehmen - was Umsätze und Gewinne angeht, aber auch hinsichtlich der Mitarbeiterzahlen.

Die Verfügbarkeit von Venture Capital ist zudem ein Anreiz für Start-ups und Jungunternehmen, sich in einer Region niederzulassen. Ein Beispiel dafür ist das im Jahr 2012 gegründete Start-up Novihum. 2015 stieg die NRW.Bank mit einer Beteiligung durch den Venture Fonds ein und hat dieses innovative Unternehmen bei der Geschäftsentwicklung unterstützt. Novihum produziert ein Dauerhumusgranulat für die Landwirtschaft, mit dem die Erde ertragreicher gemacht wird. Die Beteiligung durch die Landesförderbank war ein Grund, weshalb die erste industrielle Produktionsanlage in Dortmund steht. Bis 2020 will das Start-up seine Produktionskapazitäten verzehnfachen.

Wagniskapital fließt vor allem in Neugründungen mit innovativen Ideen und mit hohem Wachstumspotenzial sowie häufig mit digitalen und forschungsintensiven Geschäftsmodellen. Dadurch treibt Venture Capital die Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und die Erschließung neuer Märkte voran. Mit der Bereitstellung von Venture Capital gehen Wagniskapitalgeber ein hohes Risiko ein, da sie in neu gegründete Unternehmen investieren, die noch keine Gewinne erzielen. Damit diesem Risiko die Chance auf eine angemessene Rendite gegenübersteht, wählen öffentliche und private Investoren die von ihnen finanzierten Unternehmen sehr sorgfältig aus.

Die Unterstützung von Existenzgründern hört nicht bei der Konzeption der geeigneten Finanzierungsmodelle auf. Beratungsleistungen zählen zu den immer wichtiger werdenden Angeboten auch von staatlichen Förderbanken. Hier ist die Bandbreite groß. Das NRW.Bank.Venture Center bündelt für technologieorientierte Gründungswillige aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen ebenso wie für alle innovativen Start-ups die Beratung zum Thema Finanzierung und Beratung. Hier sind Forscher- und Entwicklerteams an der richtigen Stelle. Als Finanzierungsmöglichkeit kommt Venture Capital aus dem NRW.Bank Kreativwirtschaftsfonds oder dem NRW.Bank Venture Fonds für junge Unternehmen infrage.

Zum Erfolg verhelfen

Darüber hinaus spielt die win NRW.Bank Business Angels Initiative in der Förderung junger, technologieorientierter Unternehmen eine wichtige Rolle. Sie greift auf rund 250 Privatinvestoren zurück und vernetzt diese mit qualifizierten, Kapital suchenden Start-ups. Der Zusammenschluss gilt als stärkstes Netzwerk von privaten Kapitalgebern in Nordrhein-Westfalen.

Ob durch Kapitalbereitstellung, Coaching oder Beratung - die NRW.Bank bietet ein breites Spektrum an, um Unternehmen mit guten Ideen zum Erfolg zu verhelfen und um Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten.

Christoph Büth, Bereichsleiter Eigenkapitalfinanzierungen bei der NRW.Bank

Börsen-Zeitung, 27.11.2018, Autor Christoph Büth, Bereichsleiter Eigenkapitalfinanzierungen bei der NRW.Bank, Nummer 228, Seite B 3, 1043 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018228805&titel=Mit-Venture-Capital-gruenden-und-gesund-wachsen
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