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Redaktion

Die rasante technologische Entwicklung prägt auch die Rechtsberatung
Dr. Sandra Thiel

Partner bei Clifford Chance Deutschland LLP

Markus Muhs

Partner bei Clifford Chance Deutschland LLP

Woran denken Sie bei "Digitalisierung"? An die vernetzte Welt des "Internet of Things", selbstfahrende Autos, selbstlernende Serviceroboter, Blockchain, Smart Contracts, Legaltech, Proptech und Fintech? Der technische und, konkret, der digitale Wandel entfaltet sich mit wachsender Geschwindigkeit und schafft eine Allgegenwart, die viele beflügelt und manchen verunsichert. Zuhause wissen wir schon heute kaum mehr, wie viele unserer Geräte mit dem Internet verbunden sind. Für unsere Kinder sind Smartphone, Social Media und digitale Vernetzung bereits so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen.

Die rasante technologische Entwicklung prägt auch die Rechtsberatung der Zukunft: Zum einen beeinflusst sie das Geschäft unserer Mandanten und den Bedarf an Rechtsberatung. Über alle Sparten hinweg ergeben sich völlig neue rechtliche Fragestellungen und Herausforderungen, die zu analysieren, zu denken und zu lösen sind: Neuer, anderer Beratungsbedarf entsteht in einer global vernetzen Wirtschaftswelt. Zum anderen unterstützt "Legaltech" Anwälte dabei, mit Mandanten besser zusammenzuarbeiten, große Informationsmengen schnell zu analysieren, repetitive Evaluierungsprozesse effizient zu bewältigen und so Raum zu schaffen für die rechtliche Erarbeitung von Lösungen für neue Herausforderungen. Industrie 4.0 ist da - und mit ihr veränderte Erwartungshaltungen und veränderte Beratungsangebote in der Beziehung zwischen Mandant und Anwalt. Die Anwendung von Legaltech-Tools wird immer seltener als reine Zukunftsmusik gesehen, sondern bahnt sich ihren Weg als Support für die Rechtsberatungspraxis. Legaltech-Tools bauen auf etablierten Anwendungen auf und werden künftig Schritt für Schritt Prozesse im Rahmen der Rechtsdienstleistung vereinfachen und standardisieren. Disruptiv ist dies nur für jene, die sich jetzt die Chancen entgehen lassen, die in den veränderten Anforderungen an Einsatz und Mitwirkung bei der Entwicklung technischer Hilfsmittel zur Erbringung optimaler Rechtsberatung liegen.

Aber: Ist das alles nur eine Frage der richtig eingesetzten Technik? Keinesfalls: Ausschlaggebend bleiben die richtigen Beraterpersönlichkeiten - offen für neue Anforderungen und Instrumente und bereit, die darin liegenden Chancen zu ergreifen und zu einem Gesamtprodukt rechtlicher Beratung zu verbinden.

Was bedeutet das konkret? Zunächst einmal, dass nicht der Einsatz der jeweils allerneuesten Software oder das Verfolgen von Technologie-Trends allein bereits Garant für Beratungserfolg sind. Wenn neu eingekaufte Technologie an alte Prozesse gekoppelt wird oder die nötige Offenheit und Affinität des Rechtsberaters fehlt, entsteht keine höhere Beratungsqualität. Legaltech ist kein schnell verfügbares Allheilmittel, sondern bedeutet schlicht den Einsatz von technischen Hilfsmitteln zur Unterstützung und Erbringung der Rechtsberatungsleistung, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Deshalb schauen wir als Rechtsanwälte auf das Ganze: Technologie muss verstanden, geprägt, gesteuert und gelebt sein, um über innovative Prozesse und Vorgehensweisen das Rechtsberatungsprodukt zu verbessern und effizienter zu gestalten, so dass für den Mandanten durch Einsatz digitaler Hilfsmittel ein Mehrwert in der Rechtsberatung generiert wird.

Im Mittelpunkt steht für uns deshalb der konkrete Nutzen für Mandant und Mandat - welches Element im Beratungsprozess beherrscht die Maschine besser als der Mensch? Wie genau verbessern sich nachvollziehbar Effizienz, Qualität, Geschwindigkeit und Innovationskraft unserer Beratung? In dieser Hinsicht unterscheidet sich Legaltech nicht von früheren Innovationen wie etwa Office-Programmen, IT-gestützten Kollaborationsplattformen und dergleichen - alle ließen uns zu ihrer Zeit den Rechtsberatungsprozess neu denken und weiterentwickeln.

Inzwischen gibt es in der Legaltech-Welt eine schwer überschaubare Menge an Ideen, Anwendungen und Anbietern. Wir bei Clifford Chance beobachten und testen in der Praxis die Entwicklungen innovativer Tech-Anbieter, optimieren unsere Rechtsberatungsprozesse mit zunehmend technikgeschultem Blick und schaffen Freiräume und Möglichkeiten für die Entwicklung neuer Rechtsberatungsprodukte und -formen. Im Zweifel probieren wir die verschiedenen Ansätze aus - ohne Neugier auf Neues und den Mut zum Scheitern gibt es auch in der Rechtsberatung keinen Fortschritt.

Die derzeit verfügbaren Legaltech-Systeme lassen sich in drei Kategorien unterteilen:

- Programme, die rechtlich relevante Informationen aus Dokumenten extrahieren, zusammenführen (und sich im Idealfall aufgrund selbstlernender Strukturen wie künstlicher Intelligenz laufend verbessern) und damit die Basis für eine fundierte juristische Beurteilung liefern

- Systeme, die Abläufe in der Beratungspraxis strukturieren, revisionssicher machen und (logische) Entscheidungen verschriftlichen

- Programme, die nach Vorgaben des Rechtsberaters Dokumente weitgehend automatisiert erstellen

Entscheidend für den Erfolg von Legaltech-Produkten ist die nahtlose Integration in und Unterordnung unter die Mandatsarbeit. Die wichtigste Schnittstelle und der entscheidende Erfolgsfaktor in der Rechtsberatung bleibt auch bei Einsatz von Legaltech-, Proptech- und Fintech-Instrumenten die Beraterpersönlichkeit - der Mensch.

Im Ergebnis werden sich künftig die weniger wertbildenden, aber notwendigen Bestandteile der Beratung unserer Mandanten effizienter abbilden lassen. Legaltech assistiert, so dass wir unsere rechtliche Kompetenz und Kreativität auf die eigentliche Aufgabe verwenden können: das Erfassen komplexer Situationen und Erarbeiten bestmöglicher Lösungen und die Entwicklung neuer Beratungsprodukte für unsere Mandanten.

Legaltech, Fintech und Proptech sind hilfreiche Werkzeuge, deren Einsatzmöglichkeiten erkannt werden müssen. Am Puls dieser Entwicklung ...

- ... haben wir eine weltweite "Tech Group" gebildet, in der aus allen Fach- und Industriebereichen rechtliche Expertise zu Technologie und Digitalisierung gebündelt und entwickelt wird. Unsere Mandanten profitieren davon durch die vernetzte Expertise zu allen rechtlichen Fragen von Einsatz, Entwicklung oder Handel mit neuen Technologien, neuen Handelsformen und ihren jeweiligen rechtlichen Herausforderungen und auf die Anforderungen der Welt der Industrie 4.0 zugeschnittenem Rechtsrat auf Augenhöhe.

- ... entwickeln wir in einer "Tech Academy" als Ergänzung zu unserer vielfach ausgezeichneten "Clifford Chance Academy" Schulungen zu Technologiethemen für unsere Mitarbeiter.

- ... unterstützen wir studentische Initiativen wie das Legaltech Lab an der Frankfurter Goethe-Universität und MLTech an den Münchener Universitäten, damit junge Anwälte das notwendige digitale Rüstzeug für den Start ins Berufsleben erhalten.

Technologie und Digitalisierung stehen für Clifford Chance weit oben auf der Agenda: Wir beraten heute zum gesamten rechtlichen Spektrum von Technologie und Digitalisierung - von Datenschutz, Compliance, Data Mining, digitalem Wettbewerb und Schutz geistigen Eigentums im Digitalzeitalter bis hin zu rechtlicher Beratung großer Tech-Unternehmen, bei Daten- und Automatisierungsprojekten und in Transaktionen oder Auseinandersetzungen um digitale Themen und Strategien.

Bei allem Fortschritt auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, insbesondere des maschinellen Lernens, behalten wir dabei stets die rechtlichen An- und Herausforderungen im Blick und entwickeln dafür Lösungen. Denn KI bedeutet nicht nur wirtschaftliches Potenzial, sondern auch Verantwortung - rechtlich und gesellschaftlich.

Auch beim Einsatz technischer und digitaler Tools streben wir daher nicht an, die Größten, sondern die Smartesten zu sein. Unser Ziel für unsere Mandanten ist die selbstverständliche Integration von rechtlicher Tech-Kompetenz und Legaltech-Instrumenten in unsere Rechtsberatung sowie intelligente Prozesse und innovative Technologie als smarte Unterstützung unserer Dienstleistung.

Börsen-Zeitung, 01.12.2018, Autor Dr. Sandra Thiel, Partner bei Clifford Chance Deutschland LLP und Markus Muhs, Partner bei Clifford Chance Deutschland LLP, Nummer 232, Seite B 12, 1000 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018232804&titel=So-gelingt-digitaler-Wandel
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