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Redaktion

rendite - Anlagemagazin Ausgabe Dezember 2018
IM PORTRÄT
Groß, aber begrenzt sei der Markt für digitale Vermögensverwalter, sagt die Gründerin von Whitebox. Nur wenige Anleger ziehen bereits mit.
Von Jan Schrader

Wunder wirke die Digitalisierung in der Vermögensverwaltung nicht, sagt Salome Preiswerk. Aktien und Fonds seien als Alternative zum Sparbuch bekannt, doch ein Großteil der Menschen steuere nicht um - auch wenn eine selbstbestimmte Geldanlage über das Internet möglich sei. "Ein Geschäftsmodell auf dem frommen Wunsch aufzubauen, die große Masse an Nichtanlegern von heute auf morgen zu überzeugen, reicht nicht", sagt die Co-Geschäftsführerin des Online-Vermögensverwalters Whitebox, den sie mit ihrer Kollegin Birte Rothkopf 2014 auf den Weg gebracht hat. Seit Anfang 2016 ist die Gesellschaft am Markt.

Dabei sind die Möglichkeiten einer digitalen Geldanlage groß: Eine individuelle Vermögensverwaltung können sich bisher nur Wohlhabende leisten, die mindestens ein sechsstelliges Vermögen brauchen, damit sich die Dienstleistung lohnt. Für Kleinsparer bieten sich Investmentsfonds an, die sich seit den Fünfzigerjahren in der Bundesrepublik bewährt haben, allerdings nur Anlagestrategien von der Stange bieten. Die Chance einer digitalen Vermögensverwaltung, so sagen Branchenbeobachter, liegt in der Individualisierung der Geldanlage auch bei kleinen Beträgen.

Träge Anleger

Doch die Angebote sind aus Sicht der Managerin oft noch nicht ausgereift. Die Lösungen sogenannter Robo-Advisors seien oft noch rudimentär und statisch, auch wenn sich einige Konkurrenten hier schon etwas bewegt hätten. "Digitale Vermögensverwalter sind allein wegen ihrer Bezeichnung noch keine Heilsbringer", kritisiert Preiswerk. Interessant seien Robo-Advisors für eine kleine Kundengruppe, die "anlageaffin und digitalaffin" sei. Das trifft aus ihrer Sicht nur auf eine Minderheit zu. "Am Verhalten der Anleger wird sich - zumindest kurzfristig - nicht viel ändern." Allenfalls auf lange Sicht sei eine Verschiebung etablierter Gewohnheiten denkbar. Vorerst werde also der Fonds- und Wertpapiervertrieb von den bereits etablierten Vertriebswegen dominiert.

Eine Geldanlage bietet Whitebox für einen Betrag ab 5 000 Euro - im Durchschnitt bringen die Kunden des Freiburger Vermögensverwalters mehr als 35 000 Euro mit. Der Vermögensverwalter investiert das Geld wie einige andere Konkurrenten auch in börsengehandelte Indexfonds (ETF). Da es technisch mittlerweile möglich ist, beliebig kleine Anteile an den Fonds zu erwerben, kann Whitebox auch kleine Geldbeträge auf etliche Anlageklassen streuen - etwa auf ETFs für große und kleine Aktientitel aus verschiedenen Regionen und Branchen, auf Fonds für unterschiedliche Staats- und Unternehmensanleihen, auf Immobilientitel und auf Finanzinstrumente, die den Goldpreis abbilden. Trotz Einsatz der Fonds, die lediglich einen Index nachzeichnen und daher als "passiv" gelten, sieht sich Whitebox als aktiver Vermögensverwalter. Die Gesellschaft passt die Portfolios der Anleger regelmäßig an. Als digitale Adresse muss sich Whitebox etwa gegen Vaamo, Liqid und Scalable Capital behaupten.

Mit Kennzahlen des Datendienstes Morningstar schätzt die Gesellschaft, ob einzelne Branchen und Sektoren derzeit günstig bewertet sind. Preiswerks Anlagephilosophie besagt, dass hohe und dauerhafte Kursverluste unwahrscheinlich sind, wenn die Aktien in dem Segment nicht allzu teuer sind. "Günstig bewertete Anlageklassen und Sektoren haben ein geringeres Risiko", sagt sie. Die ehemalige Volleyballerin grenzt sich vom Münchener Konkurrenten Scalable Capital ab, der sich an aktuellen Marktschwankungen orientiert und betont, dass sich sowohl ruhige als auch turbulente Phasen an den Börsen erkennen lassen. Nach Darstellung von Preiswerk kann eine solche Ausrichtung dazu führen, dass ein Portfolio besonders oft umgeschichtet wird, was Kosten verursacht.

Der Wettbewerb ist hart. Scalable Capital hat mit großem Aufwand auf sich aufmerksam gemacht und kooperiert mit der Direktbank ING. Mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 1 Mrd. Euro sind die Münchener den Konkurrenten voraus. Die Frankfurter Vaamo, die bereits 2014 im Markt gestartet war, wird derweil vom britischen Konkurrenten Moneyfarm übernommen. Growney setzt auf Partnerschaften, etwa mit dem Versicherer Signal Iduna und der Anlegerinnen-Initiative Finmarie. Die Direktbank Comdirect hat mit Cominvest einen eigenen Online-Vermögensverwalter gegründet. Whitebox kooperiert unter anderem mit dem Finanzdienstleister von Volkswagen, um auf Volumen zu kommen. Die Schwelle von 100 Mill. Euro hat die Gesellschaft schon hinter sich gelassen, genaue Zahlen nennt sie nicht. Für die Vermögensverwaltung berechnet die Gesellschaft 0,95% für kleinere Beträge unter 30 000 Euro und senkt die Quote schrittweise auf 0,35% für Volumen jenseits der 500 000 Euro. Die Kosten für ETFs kommen noch hinzu.

Online-Vermögensverwalter sind häufig günstiger als gewöhnliche Mischfonds, allerdings entfällt im Online-Geschäft auch eine persönliche Betreuung durch einen Bankberater. Auch im klassischen Fondsvertrieb seien weitere digitale Instrumente denkbar, doch wirklich besser werde die Geldanlage dadurch nicht, kritisiert Preiswerk. Denn beim Verkauf von Fonds fallen üblicherweise Provisionen für Bank oder Vermittler an, die der Anleger über die Fondskosten begleichen muss. Unabhängig sei die Beratung vor diesem Hintergrund nicht, sagt Preiswerk. "Solange die Interessenkonflikte fortbestehen, ist die Digitalisierung nur Kosmetik", sagt sie. "Die Leute merken das auch."

"Der Kuchen ist groß genug"

Digitale Vermögensverwalter leben von dem Ruf, dass nicht nur die Beratung, sondern auch die Verwaltung der Mittel selbst vollkommen automatisch geschieht. Volkswagen bewirbt Whitebox als "Autopiloten", dabei legt oft noch ein Mensch die Hand ans Steuer. Bisher sei Ermessungspielraum für einen Vermögensverwalter unerlässlich, vollständig automatisierte Ansätze funktionierten noch nicht, sagt Preiswerk. Ziel von Whitebox sei es, reine Bauchentscheidungen zu vermeiden. "Das subjektive Moment wie Emotionen, Meinungen und Szenarien ausschließen, nicht das menschliche Moment Vernunft", lautet ihr Motto. Das Anlagekonzept hat Whitebox in einem 45-seitigen Positionspapier dargelegt - viel Holz für Sparer, die doch eigentlich schnell und bequem Geld anlegen wollen. Die Zielgruppe der digitalen Anbieter sei aber groß genug, weil der deutsche Markt insgesamt so umfangreich sei, sagt Preiswerk. "Die Branche steht am Anfang. Der Kuchen ist groß genug für alle."

5 000 Euro

ist der Mindestwert, den Anleger beim Online-Vermögensverwalter Whitebox einbringen müssen. Die Freiburger Gesellschaft setzt die Portfolios der Anleger aus verschiedenen börsengehandelten Fonds (ETF) und verwandten Produkten zusammen und kann das Vermögen so auf verschiedene Anlageklassen aufteilen. Insgesamt verwaltet das Haus nach eigenen Angaben einen dreistelligen Millionenbetrag.

Börsen-Zeitung, 04.12.2018, Autor Jan Schrader, Nummer 70, Seite B 62, 905 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2018233842&titel=Noch-keine-Heilsbringer
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