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Redaktion

Mit Indexfonds lassen sich sehr unterschiedliche Portfolios zusammenstellen - Aktive ebenso wie passive Strategien möglich

Seit etwa fünf Jahren gibt es Robo-Advisors in Deutschland - mittlerweile etwas mehr als 20. Auf den ersten Blick fällt auf, dass die Mehrzahl der Anbieter mit Exchange Traded Funds (ETFs) arbeitet. Manchen verleitet dies zur Annahme, dass die Angebote austauschbar wären. Doch dem ist nicht so. Mit ETFs lassen sich ganz verschiedenartige Portfolios kostengünstig und transparent aufbauen.

Zunächst drängt sich die Frage auf, warum die meisten Robo-Advisors überhaupt mit ETFs arbeiten. Zumindest in ihrer ursprünglichen Ausprägung sind die "jungen Wilden" angetreten, einige Dinge in der Geldanlage - insbesondere für den Kunden - endlich besser zu machen. Die Losung war einfach: Gut, günstig, fair und transparent sollte die digitale Geldanlage der Zukunft sein. Gut heißt vor allem, dass ohne die sonst branchentypischen Interessenkonflikte das Portfolio nicht einfach die - für die Bank - ertragsstärksten Produkte vereint. Nein, ein "gutes" Portfolio sollte global und über viele Anlageklassen diversifiziert sein. Wenn sich dazu der Anspruch gesellt, nicht nur das Kernklientel einer Privatbank anzusprechen, funktioniert auf der Produktseite eigentlich nur die Abbildung über Fonds. Denn Einzeltitel ergeben erst ab einer stattlichen Anlagesumme Sinn.

Und hier kommt das zweite Versprechen der Robos ins Spiel: die niedrigen Kosten. ETFs drängen sich in dieser Hinsicht sozusagen auf. Denn sie sind gegenüber aktiv gemanagten Fonds deutlich günstiger. Hinzu kommt, dass aktive Fondsmanager nachhaltig das eigentliche Leistungsversprechen verfehlen: Etliche Studien belegen, dass die überwiegende Mehrzahl ihrer Fonds die Benchmark nicht erreichen. Auch das aktuelle Aktiv-Passiv-Barometer von Morningstar bestätigt das. Laut der Erhebung spielen ETFs ihre Stärke vor allem auf lange Sicht aus. Doch auch bei dieser Frage spielen wiederum die - höheren - Kosten der aktiven Fonds eine große Rolle. Denn wie John Bogle es einmal in Worte fasste: "Kosten sind ein Handicap auf dem Pferd. Wenn der Jockey viele Pfunde mehr mit sich herumträgt, ist es für das Pferd schwierig, das Rennen zu gewinnen." Hinzu kommt eine weitere Schwierigkeit: Wer ein Portfolio mit aktiv gemanagten Fonds bauen will, muss auch die in diesen enthaltene und noch dazu von Dritten verantwortete aktive Komponente in der Portfoliozusammensetzung berücksichtigen.

Transparent und einfach

Die weiteren Vorzüge von ETFs und ihre daraus resultierende Beliebtheit bei Robos liegen auf der Hand: Klassische ETFs sind einfach in der Handhabe. Sie bilden einen Index eins zu eins ab. Dadurch sind sie transparent. Sie erlauben zudem einen einfachen Marktzugang, indem sie Privatanlegern ermöglichen, auch in sonst schwer zugängliche Anlagekategorien oder Märkte wie zum Beispiel Schwellenländer zu investieren. Schließlich sind sie hochliquide: Sie können aufgrund dieser Eigenschaft so flexibel gehandelt werden wie eine Aktie. Das heißt, sie können an der Börse genauso schnell ge- und verkauft werden.

Womit wir beim Thema wären: ETFs werden oft als "langweilig" und "etwas für Anfänger" gesehen. Zu Unrecht, wie ich finde, denn mit ETFs lassen sich ganz unterschiedliche Portfolios zusammenstellen. Ja, gewiss, es gibt natürlich die Einsteigervariante, sich einfach fünf ETFs auf große Indizes nehmen und gut ist. Doch geht es auch etwas anspruchsvoller. Und vor allem muss es nicht statisch sein. Mit ETFs kann man verschiedenartige Anlagestrategien umsetzen, auch sehr handelsintensive bis hin zum anderen Extrem im Sinne von irgendwelchen "Blitzhandelsstrategien". Insbesondere institutionelle Anleger nutzten ETFs daher verstärkt wegen ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Und der Markt wächst: Nach Angaben des Fondsanalysehauses Morningstar lag der ETF-Anteil am europäischen Gesamtfondsmarkt im vergangenen Jahr bereits bei 16,7 %. 2017 waren es noch 15,6 %.

Was generell gilt, gilt auch bei den digitalen Vermögensverwaltern: Es bestehen fundamentale Unterschiede in der Nutzung von ETFs. Und diese rühren vor allem von vollkommen unterschiedlichen Ansätzen auf der Ebene der Asset-Allokation. Der Ebene also, die über Zusammensetzung und Gewichtung der einzelnen Anlagebausteine - und damit auch hauptsächlich über Erfolg und Misserfolg bei der Geldanlage - entscheidet. Und genau deshalb muss man sich das Portfoliomanagement der "Robos" ganz genau anschauen. Denn diese können einander diametral entgegenstehen. Die Möglichkeiten reichen von vollkommen statischen Musterportfolios bis hin zu sehr aktiven Handelsstrategien.

Am gängigsten sind - was zugleich mit einem weiteren Mythos aufräumt - statische Modelle. Ja, genau: Bei vielen Robos passiert nämlich in Sachen "Robo", jedenfalls im Kerngeschäft, gar nichts. Da werden zum Beispiel einfache 60/40-Portfolios angeboten, deren Soll-Allokation zu 60 % aus Aktien und zu 40 % aus Anleihen besteht. An dieser Zusammensetzung ändert sich über Jahr und Tag nichts. Nur über ein - ebenfalls sehr einfaches - Rebalancing wird gegebenenfalls einmal im Jahr die durch Marktbewegungen veränderte tatsächliche Allokation wieder auf die Soll-Allokation zurückgesetzt. Diese starren Ansätze stammen aus der Welt der Mischfonds und werden von Robo-Advisors nicht selten zu ähnlichen Gebührenstruktur wie von ihren aktiveren Mitbewerbern feilgeboten.

Demgegenüber stehen sehr unterschiedliche aktive Strategien: Einige Robo-Advisors arbeiten mit kurzfristigen Risikomanagementmodellen, bei denen sie mit Hilfe mathematischer Berechnungen versuchen, kurz- und mittelfristige Trends zu identifizieren und diese über entsprechende Investitionen auszunutzen. Das klingt gerade für den geneigten Laien auf den ersten Blick gut: Im richtigen Moment rein und raus. Der Haken: Das versuchen ganz viele Marktteilnehmer weltweit - und scheitern mit Regelmäßigkeit kläglich. Kurzfristiges Risikomanagement bei einem eigentlich doch langfristigen Anlagehorizont? Das passt nicht zusammen, doch das wäre ein anderes Thema. Diese Modelle sind jedenfalls typischerweise sehr handelsintensiv, die jährlichen Portfolioumschläge liegen gut und gerne im dreistelligen Prozentbereich. Damit platziert man sich gegenüber den statischen Mitbewerbern am anderen Ende der Anbieteraktivitätsskala. Mit ETFs kein Problem - unabhängig von der berechtigten Frage, ob ETFs per se geeignete Instrumente für derlei Strategien sind.

ETFs auch für Value-Ansatz

Wie in der traditionellen Welt auch gibt es bei Robos - ganz "traditionelle" - Ansätze, die auf Basis von Prognosen versuchen, kurzfristige Entwicklungen der Märkte vorherzusagen. Grundlage für die Investitionen sind in diesem Fall Szenarioannahmen zu verschiedenen Wirtschaftsereignissen und -entwicklungen auf Monats-, Quartals- oder Jahressicht. Ob strategische Anpassung oder taktische Spielerei - ein solches Modell lässt sich problemlos mit ETFs umsetzen.

Auch ein Value-Ansatz lässt sich mit ETFs umsetzen. Value-Investing wurde durch Warren Buffett bekannt, der vor allem in vielversprechende Einzelanlagen investiert. Doch das geht auch auf der Ebene von Anlageklassen, Regionen und Sektoren. Wie klassische Value-Investoren geht auch der digitale Vermögensverwalter Whitebox davon aus, dass der Marktpreis von Anlagen mitunter deutlich von ihrem tatsächlichen Wert abweicht, langfristig jedoch wieder zu ihrem sogenannten fairen oder inneren Wert zurückkehrt. Aus über 300 Anlagebausteinen sucht Whitebox deshalb nach denjenigen, deren aktuelles Bewertungsniveau möglichst weit unter ihrem fairen Wert liegt. Zusätzlich zum Risikomanagement auf der Ebene des Gesamtportfolios erhalten die Portfolios damit einen weiteren Risikopuffer, weil die Preise unterbewerteter Anlagen in Baissephasen erfahrungsgemäß weniger stark fallen. Langfristig soll ein zusätzliches Renditepotenzial erschlossen werden. Um dieses zu heben, ist Geduld gefragt. Oder, um es mit Buffetts Worten zu beschreiben: "Die Börse ist eine Einrichtung für die Übertragung von Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen." Die Annäherungen des Preises einer unterbewerteten Anlage an ihren fairen Wert kann ähnlich wie ein typischer Marktzyklus einige Jahre dauern. Die Strategie ist also aktiv, jedoch niemals aktionistisch. Der Portfolioumsatz liegt durchschnittlich bei circa 15 % pro Jahr.

Bereits diese Übersicht zeigt: Die Vielseitigkeit von ETFs ermöglicht das Realisieren unterschiedlichster Anlagestrategien. Robo-Advisors arbeiten daher nicht nach einem Einheitsrezept, ihre Angebote sind vielfältiger als bisher in der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Salome Preiswerk, Whitebox-Gründerin

Börsen-Zeitung, 16.02.2019, Autor Salome Preiswerk, Whitebox-Gründerin, Nummer 33, Seite B 6, 1158 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019033808&titel=Robo-Advisors:-Alles-ETFs---alles-dasselbe?
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