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Redaktion

rendite - Anlagemagazin Ausgabe März 2019
FONDS UND ETF
Durch den Schwenk der US-Notenbank haben sich die Chancen der günstig bewerteten Emerging Markets sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen klar verbessert. Als Investment bieten sich ausgewählte Fonds und ETFs an.

Von Werner Rüppel

Gerade an den Kapitalmärkten werden zu Jahresbeginn die Karten stets neu gemischt. Dabei findet keineswegs ein Blick in die Glaskugel statt, vielmehr zählen vor allem Fundamentaldaten. Strategen und Investoren analysieren genau, welche Assetklassen als besonders aussichtsreich für die kommenden Monate und Jahre einzustufen sind.

Ein Favorit sticht dabei hervor: Die Schwellenländer, auch Emerging Markets genannt, die nach einem miserablen 2018 jetzt wieder zurückkommen. Dies gilt sowohl auf der Aktien- als auch auf der Anleihenseite. "Aktuell liegt ein besonders guter Zeitpunkt vor, um in die Emerging Markets mittelfristig einzusteigen", sagt Sean Taylor, Fondsmanager, Chief Investment Officer (CIO) für Asien und Leiter Emerging Markets Aktien bei der DWS, im Interview mit rendite (vgl. Seite 38). Wie etliche andere Strategen verweist er u.a. auf eine günstige Bewertung, den Schwenk der US-Notenbank auf Hold bei den Leitzinsen, einen wahrscheinlichen Kompromiss im Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie auf überdurchschnittlich hohe Renditechancen. Taylor wörtlich: "Viele Investoren steigen gerade jetzt wieder ein."

In das neue Jahr sind die Schwellenländer sowohl bei Aktien wie auch bei Anleihen mit ansprechenden Kursgewinnen gestartet. Doch was hat sich eigentlich im Vergleich zum Vorjahr geändert, in dem die Emerging Markets enttäuschend abgeschnitten haben?

Verbessert hat sich vor allem das fundamentale Umfeld für die Schwellenländer: Die US-Notenbank hat einen Schwenk in der Geldpolitik vollzogen und dürfte ihre Leitzinsen kaum mehr anziehen. "Wir erwarten keine Zinserhöhung der Fed in 2019", erklärt Aaron Grehan, stellvertretender Leiter für Schwellenländeranleihen und Manager des Emerging Markets Bond Fund bei Aviva Investors. DWS-Mann Taylor geht hingegen von nur noch einem Zinsschritt der Fed in diesem Jahr aus.

Darüber hinaus geht der Schwenk der amerikanischen Notenbank einher mit einer Abschwächung des Dollar. Zumindest dürfte ein starker Dollar, der die Schwellenländermärkte stets trifft, jetzt erst einmal der Vergangenheit angehören.

Vom Risk-off- zum Risk-on-Modus

Somit hat sich das Umfeld für Investments in Schwellenländern grundlegend verbessert. Bis vor wenigen Monaten hatten noch

steigende US-Zinsen Gelder in die als sicherer Hafen geltenden amerikanische Assets gelenkt, während zugleich Kapital aus den Schwellenländern abfloss. Nun klettern die US-Zinsen nicht mehr, die Zinsen in Euroland und Japan dürften auf ihren extrem niedrigen Niveaus bleiben, und durch die Rückschläge im Vorjahr sind Anlagen in Schwellenländern noch attraktiver geworden. Die Fed hat praktisch den Boden dafür bereitet, dass die Kapitalmärkte wieder vom Risk-off- zurück zum Risk-on-Modus gedreht sind. Und vor allem institutionelle Investoren haben gerade begonnen, ihr Engagement in den Emerging Markets zu erhöhen.

An dieser Stelle gilt es auch auf zwei Tatsachen hinzuweisen: Zum einen sind über Aktien- oder Anleihefonds breit gestreute Invetsments auf lange Sicht sehr ertragreich und werfen mitunter überdurchschnittlich hohe Gewinne ab (vgl. hierzu den Chart des MSCI Emerging Markets Aktienindex oben sowie auch die Fondstabellen auf den Seiten 40 und 41). Vor diesem Hintergrund sollten Anleger die Schwellenländer nicht vernachlässigen. Zum anderen schwanken aber gerade Anlagen in den Emerging Markets in der Regel stärker als solche in den Industrieländern, und es kommt auch zu Abstürzen und extrem schwachen Jahren. Deshalb ist gerade bei den Schwellenländern ein guter Einstiegszeitpunkt extrem vorteilhaft. Dieser dürfte aktuell vorliegen.

Sowohl auf der Zins- wie auf der Aktienseite sind die Emerging Markets derzeit relativ günstig bewertet. So liegt zum Beispiel der Renditevorteil von Schwellenländeranleihen in Dollar gegenüber US-Treasuries bei etwa vier Prozentpunkten. In Euro rentieren Staatsanleihen von Schwellenländern mit etwa 4 bis 4,5 % pro Jahr, während die Rendite von Bundesanleihen nahe null liegt. Somit ergibt sich hier ein sattes Rendite-Pick-up von mehr als 400 Basispunkten. Vor diesem Hintergrund erklärt Aviva-Mann Grehan: "Die Bewertungen für Emerging-Markets-Schulden sind attraktiv, und die Renditen eröffnen Potenzial für attraktive langfristige Erträge." Darüber hinaus berichtet Grehan von Zuflüssen in Emerging-Marktes-Anleihen in Hartwährung (also in Dollar, Euro oder Yen) im bisherigen Jahresverlauf und erklärt: "Die Nachfragedynamik eröffnet zusätzlichen Rückenwind."

Und auch Aktien der Schwellenländer sind aufgrund der Rückschläge in 2018 preiswert. Laut DWS-Experte Taylor sind sie fast so günstig bewertet wir zur Zeiten der Finanzkrise. Vor allem würden jedoch in 2019 und 2020 deutlich steigende Unternehmensgewinne für eine Engagement in Aktien aus den Schwellenländern sprechen. Krishan Selva, Portfoliomanger bei Columbia Threadneedle, verweist auf interessante Gelegenheiten durch die Marktkorrektur und erklärt: "Da alle Fundamentaldaten weiterhin robust sind, finden wir nach wie vor Unternehmen, die positive Gewinnzahlen vorlegen und deren Wachstumsaussichten im Vergleich zu vielen ihrer Pendants in Industrieländern attraktiver geworden sind."

Viel stabiler geworden

Darüber hinaus spricht für die Emerging Markets, dass zahlreiche Schwellenländer in den vergangenen Jahren sehr viel stabiler geworden sind. Dies stellen auch Grehan und Taylor fest. Und Denise Simon, Portfoliomanagerin für Schwellenländeranleihen bei Lazard, sagt: "Einige Schwellenländer, die Anfang 2018 noch deutliche Verluste verbuchen mussten, haben in der Zwischenzeit politische Reformen angestoßen." Damit habe sich das spezifische Risiko dieser Anlageklasse um den Jahreswechsel herum reduziert.

Ein Risiko für Anlagen in Emerging Markets aber bleibt: der Handelsdisput zwischen den USA und China. Hintergrund ist, dass das Reich der Mitte eines der größten und wichtigsten Schwellenländer und zugleich auch für andere Emerging Markets als Handelspartner wichtig ist. Die meisten Beobachter gehen zwar von einer gewissen Entspannung oder einem Kompromiss im Handelskonflikt aus. Das mag das wahrscheinlichere Szenario sein. Auf der anderen Seite bleibt aber ein Restrisiko, falls sich der Handelskonflikt wider Erwarten nochmals deutlich verschärft. Obwohl viele Belastungsfaktoren bereits eingepreist erscheinen, dürften die Schwellenländer dann zumindest kurzfristig einen Rückschlag erleiden.

Diversifiziert über Fonds investieren

Wer nun aufgrund der insgesamt positiven Aussichten in die Schwellenländer investieren möchte, sollte nicht auf ein bestimmtes Land oder auf ein oder wenige Unternehmen setzen. Um Risiken in Grenzen zu halten, bieten sich breit diversifizierte Anlagen über Aktien- und Anleihefonds an. Wobei bei Fixed-Income-Fonds Produkte auf Hartwährungen weniger riskant sind als solche in lokalen Währungen.

Um in Aktien der Emerging Markets zu investieren, bieten sich eine Reihe von Morningstar mit den Top-Noten von vier oder fünf Sternen bewertete Fonds an, die in der Tabelle aufgeführt sind. Für institutionelle Anleger ist noch anzumerken, dass sie natürlich auf die mit niedrigeren laufenden Kosten belasteten Insti-Tranchen zurückgreifen können, die - aufgrund der geringeren Kosten - eine noch etwas

höhere Performance als die Retail-Tranchen erzielen.

Zu den erfolgreichen Fonds zählt u.a. auch der von Sean Taylor gemanagte, 780 Mill. Euro schwere

DWS Global Emerging Markets Equities, der in den vergangenen fünf Jahren eine satte Performance von 9,0 % pro Jahr erzielt hat. Darüber hinaus stellt auch der DekaLuxTeam - Emerging Markets ein Top-Produkt dar. Über fünf Jahre hat er einen Wertzuwachs von 8,6 % pro Jahr generiert und über zehn Jahre überzeugende 11,9 % pro Jahr.

Auf diese lange Frist wird er noch übertroffen vom 5,3 Mrd. Euro schweren Fidelity Emerging Markets Fund, der auf ein Plus von erstklassigen 12,3 % kommt.

Auch passive ETFs auf den MSCI-Emerging-Markets-Aktienindex haben ansprechende Wertzuwächse erzielt. So kommen die Indexfonds von iShares und Lyxor über drei Jahre jeweils auf ein Plus von 13,6 % p.a.

Anleihen mit niedrigen Volatilitäten

Wer nun in Fonds auf Emerging-Markets-Anleihen investieren möchte, dem steht ebenfalls eine breite Palette von aktiven und auch passiven Produkten zur Verfügung (vgl. Tabelle unten). Die Volatilitäten dieser Fonds liegen deutlich unter denen von Aktienfonds und zeigen, dass das Risiko dieser Sondervermögen nicht extrem hoch ist. Zudem fällt auf, dass diese Assetklasse wieder gefragt ist und in diesem Jahr deutliche Mittelzuflüsse und Wertzuwächse erzielt hat. Außerdem ist sie langfristig betrachtet durchaus lukrativ.

Der 1,3 Mrd. Euro schwere Aberdeen Select Emerging Markets Bond Fund legt vor allem in festverzinsliche auf Dollar lautende Industrie- und Staatsanleihen an; auf Sicht von zehn Jahren hat er eine überzeugende Performance von knapp 10 % pro Jahr erzielt. Auch der von Manager Grehan gelenkte 3 Mrd. Euro große Aviva Emerging Markets Bond Fund legt in Hartwährung an und steuert zusätzlich das Risiko über Derivate. Mit 8,2 % p.a. konnte dieser Fonds insbesondere auf Sicht von fünf Jahren deutlich zulegen. Ausgesprochen erfolgreich hat sich auch der Fidelity Emerging Markets Debt Fund geschlagen, der auf Sicht von fünf Jahren einen Wertzuwachs von 8,7 % p.a. erzielt hat und über zehn Jahre auf 10,0 % p.a. kommt.

Auch passive ETFs konnten bei den Anleihenfonds langfristig zum Teil deutlich zulegen. Dabei bildet das in der Tabelle aufgeführte bereits 7,5 Mrd. Euro schwere iShares-Produkt den J.P. Morgan Emerging Index ab, der in Dollar denominierte Anleihen von Staaten oder Staatsunternehmen aus Schwellenländern enthält. Hingegen spiegelt der 1,2 Mrd. Euro große Xtrackers ETF die Wertentwicklung des Deutsche Bank Emerging Markets Eurobond Euro Index wider. Die UBS und Vanguard haben jeweils ETFs im Angebot, die Staatsanleihen aus den Schwellenländern fokussieren.

Schnelleres Wachstum

Alles in allem ist der Zeitpunkt bei Aktien und Anleihen (in Hartwährung) tatsächlich günstig, um wieder in die Schwellenländer zu investieren. Genügend gute Fonds stehen dafür zur Verfügung. Doch nicht nur der Zeitpunkt, auch die langfristige Perspektive für die Schwellenländer stimmt. DWS-Mann Taylor betont: "Diese Länder haben eine junge Bevölkerung und wachsen weitaus schneller als die etablierten Märkte."

Börsen-Zeitung, 02.03.2019, Autor Werner Rüppel, Nummer 71, Seite B 36, 1470 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019043838&titel=Comeback-der-Schwellenlaender
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