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Redaktion

Digitale Quantensprünge halten die Stadt auf Trab

Was bis vor kurzem noch nahezu unmöglich für einen Kleinunternehmer oder für Bauern in Uganda war, ist heute mit einer App ganz einfach: einen Kredit aufnehmen. In Uganda profitieren mittlerweile etliche kleine Unternehmen und Bauern vom Know-how aus Frankfurt. Das neue Kapitel in Frankfurts Erfolgsgeschichte heißt Digitalisierung, und die Stadt rüstet in der Start-up-Szene auf - besonders bei den Finanztechnologien, den sogenannten Fintechs.

Awamo heißt das aus Frankfurt am Main stammende Fintech, das sich die Unterstützung kleiner Unternehmen und Bauern in Afrika aufs Banner geschrieben hat. "Information creates opportunity" lautet das Motto, das die Entwickler des Fintechs in einer App umgesetzt haben. Awamo, 2015 gegründet, bietet mobile, biometrisch gesicherte Software-as-a-Service (SAAS) für Mikrofinanzinstitute in Afrika. Mit seiner Online-Plattform erleichtert das Start-up die Mikrokreditvergabe und macht finanzielle Vorgänge transparent. Eine zuverlässige Möglichkeit, die Identität eines potenziellen Kreditnehmers und dessen Kreditwürdigkeit zu prüfen, gab es in Entwicklungsländern bislang kaum. Das funktioniert nun mit der App von Awamo - und minimiert das Risiko für Kreditgeber.

Awamo ist nur ein Beispiel für die unzähligen Fintechs, die seit einiger Zeit von sich reden machen. Wie entscheidend es ist, bei der Digitalisierung immer up to date zu sein, zeigen die Quantensprünge seit 1941. Damals trat der erste funktionsfähige Computer seinen Dienst an. Er nahm einen ganzen Raum ein und brachte ca. eine Tonne auf die Waage. Die Hochleistungsrechner sind längst handlich geworden: Mit Apps für das Smartphone - wichtiges Utensil der Fintech-Szene - lässt sich die Hausbank in die Tasche stecken.

Wie rasant sich die Fintechs noch entwickeln und wie sie das Finanzwesen prägen werden, lässt sich kaum vorhersagen. Doch eines ist sicher: Wer nicht mit der Digitalisierung Schritt hält, wird schnell abgehängt. Frankfurt am Main hat die ersten Schritte der Fintech-Szene zwar nicht verpasst, doch sind die erfolgreichsten deutschen Fintechs zurzeit überwiegend in Berlin und Hamburg zu Hause. Mittlerweile wurde Frankfurt am Main von München überholt und steht nun auf Platz 4 in der Rangliste der Fintech-Gründungen. Das dürfte auch daran liegen, dass die Investoren vergleichsweise wenig Wagniskapital in der Mainmetropole aufbrachten.

Comdirect berichtete, dass Frankfurter Start-ups in den Jahren 2017 und 2018 ein Wagniskapital von 36 Mill. Euro einsammelten, während München auf 174 Mill. Euro kam, Hamburg auf 236 Mill. Euro und Berlin sogar auf stolze 854 Mill. Euro. Doch der Finanzplatz Frankfurt hat starkes Potenzial, aufzuholen.

So bietet er als einer der zehn wichtigsten Finanzplätze der Welt mit über 200 Instituten aus dem In- und Ausland - von der Aareal Bank bis zur Ziraat Bank - einen reichen Schatz an Know-how. In Frankfurt am Main sind fachkundige Berater, potenzielle Investoren und technologische Vorteile gebündelt. Zudem haben die Institutionen erkannt, dass ein entscheidender Faktor für die Digitalisierung die Förderung des akademischen Nachwuchses ist, und zwar jener jungen Menschen mit IT-Kenntnissen, Ideenreichtum und mit Nähe zur immer wichtiger werdenden Kundengruppe der Digital Natives.

Inkubator für frische Ideen

In Sachen Förderprogramme und Stiftungen für Forschung und Weiterentwicklung des Finanzwesens hat die Goethe-Universität Frankfurt am Main gewaltig aufgeholt. Das House of Finance ist ein Kompetenzzentrum auf dem Campus Westend, das von über 100 Firmen und Vereinigungen gefördert wird, darunter die Börsen-Zeitung und das Bankhaus Metzler. Sowohl universitäre als auch private Forschungs- und Weiterbildungsinstitutionen sind dort angesiedelt.

Das E-Finance Lab, kurz EFL, ist eine öffentlich-private Kooperation des House of Finance mit der Technischen Universität Darmstadt, das bereits rege zum Thema Fintechs publiziert hat - unter anderem zu den Veränderungen, die die Fintechs in der Branche anstoßen werden. Zudem unterstützt das EFL Fintech-Start-ups. Bonpago ist so ein junges Unternehmen, das Banken und andere Institutionen bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle unterstützt. Erwähnenswert ist auch das Förderprogramm Unibator, das sich als "Brutstätte für Innovation" versteht und potenzielle Investoren für die geförderten Start-ups gewinnen will. Als Informationstool dient eine "Innovation Map", die über alle lokalen Fintech-Start-ups informiert.

Nicht zuletzt setzt die Universität auf internationalen Austausch, beispielsweise über eine Stiftungsgastprofessur des Bankhauses Metzler, das seit 1992 die Zusammenarbeit mit der Wharton Business School in Pennsylvania fördert - eine der renommiertesten Hochschulen für Wirtschaftswissenschaften weltweit.

Auch nach der Förderung des Nachwuchses behält Frankfurt seine Fintechs im Auge. Mit dem "Fintech Germany Award" zeichnen lokale Institutionen und Unternehmen - beispielsweise Frankfurt Main Finance, Business Angels Frankfurt RheinMain oder die Börsen-Zeitung - seit November 2016 zukunftsträchtige Fintechs aus. Zudem unterstützen Unternehmen wie Baker McKenzie, Ernst & Young und das Bankhaus Metzler den Award.

Auch viele Banken haben inzwischen speziell auf Digitalisierung ausgerichtete Abteilungen und Initiativen ins Leben gerufen, beispielsweise den "Main Incubator" der Commerzbank und die "Digitalfabrik" der Deutschen Bank. Beim Bankhaus Metzler koordiniert die "DigitalManufaktur" alle Digitalisierungsthemen. Der Name mag widersprüchlich klingen - die Ära der Manufakturen ist ja schon eine Weile passé. Doch zum Selbstverständnis von Metzler als Dienstleister gehören Attribute einer "Manufaktur" durchaus dazu - zum Beispiel individuell, passend und mit Sorgfalt gemacht.

Mittlerweile macht die Start-up-Szene in Deutschland auch international mehr und mehr von sich reden. Daher dürfte es ein großer Gewinn sein, dass 2018 die Silicon Valley Bank (SVB) in Frankfurt am Main eine Niederlassung eröffnet hat. Die SVB ist in den USA ein erster Ansprechpartner, wenn es um Start-up-Kredite geht: Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, innovative Unternehmen und deren Investoren finanziell zu unterstützen.

Die Weichen sind gestellt

Frankfurt als Standort für Start-ups attraktiver zu machen, ist Programm des Frankfurter TechQuartiers, eines Gründerzentrums für junge Finanztechnologie-Unternehmen. Ihr Ziel: Die Region Frankfurt Rhein-Main soll zum wichtigsten Fintech-Hub Kontinentaleuropas werden. In den kommenden fünf Jahren sind hierfür 20 Programme geplant: neue Praxisangebote an Hochschulen, internationale Austauschprogramme und Mentorenprogramme für Gründer, ebenso Netzwerk-Events und Start-up-Investorenkonferenzen, um Kooperationen zu fördern. Ein weiteres Ziel ist, den Zugang zu Finanzkapital zu verbessern.

Die Digitalisierung wirbelt alle Branchen durcheinander. Sektorgrenzen verwischen, und etablierte Geschäftsmodelle stehen auf dem Prüfstand - in der Automobilindustrie wie im Finanzsektor. Die Weichen für eine vielversprechende digitale Zukunft Frankfurts sind gestellt, denn der Finanzplatz und seine Akteure haben erkannt, dass sich die Herausforderung Digitalisierung mit Know-how, innovativen Köpfen und frischen Ideen meistern lässt.

Michael Klaus, Persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Metzler

Börsen-Zeitung, 06.03.2019, Autor Michael Klaus, Persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Metzler, Nummer 45, Seite B 2, 978 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019045802&titel=Mit-einer-App-aus-Frankfurt-Bruecken-bis-Uganda-spannen
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