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Redaktion

Gehören Security Tokens die Zukunft?
Didier Goepfert

Head of Product der wevest Digital AG

Die Blockchain-Technologie wird den Finanzsektor revolutionieren. Dessen sind sich die meisten Experten bewusst. Dabei werden Security Tokens als Finanzierungsmöglichkeit für Unternehmen eine entscheidende Rolle spielen. Auch Anlegern eröffnen sich neue Möglichkeiten.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich eine bemerkenswerte Entwicklung im Markt für Unternehmensfinanzierungen abgezeichnet. Sogenannte Initial Token Offerings, kurz ICOs, haben einen heftigen, wenn auch nur kurzlebigen Hype erlebt.

Für Start-ups aus dem Blockchain-Kosmos waren sie der Finanzierungsmotor. Verschiedenste Blockchain-Projekte generierten und verkauften digitale Tokens ("Gutscheine") oder Coins über Handelsplätze für Kryptowährungen. So konnten sie ihre Projekte ohne den mühsamen und bürokratischen Weg über den klassischen Kapitalmarkt finanzieren. Auch der Gang zu traditionellen Venture-Capital-Gesellschaften blieb ihnen erspart.

Im ersten Halbjahr 2018 waren 13 von etwa 200 Start-up-Finanzierungen in Deutschland ICOs. Weltweit haben ICO-Emittenten im Jahr 2018 über 12 Mrd. US-Dollar eingesammelt. Der starke Preisanstieg von Bitcoin, Ether und Co. hat den ICO-Markt weiter angeheizt. Viele Investoren versprachen sich von den unterschiedlichen Blockchain-Projekten hohe Renditen.

Ende vergangenen Jahres begann der Umschwung. Die US-amerikanische Börsenaufsicht Security and Exchange Commission (SEC) warnte erstmals scharf vor dem spekulativen Charakter von ICOs und den damit verbundenen Risiken für Anleger. Auch die deutsche Finanzmarktaufsichtsbehörde BaFin machte auf die hohen Risiken aufmerksam. Der Mangel an gesetzlichen Vorgaben und Transparenzvorschriften öffnet Betrügern und Geldwäschern Tür und Tor.

Es wundert daher nicht, dass das monatliche ICO-Finanzierungsvolumen von Januar bis Dezember 2018 um etwa 90% geschrumpft ist. Dies weist auf eine handfeste Krise im ICO-Sektor hin, daran besteht wenig Zweifel. Das Problem: ein fehlender rechtlicher Rahmen und ein großer Vertrauensverlust. Der größte Kritikpunkt seitens Regulierungsbehörden in Bezug auf ICOs ist, dass die Tokens an keine Sicherheiten gebunden sind. Die meisten Tokens sind sogenannte Utility Tokens. Diese können unterschiedlichste Funktionen annehmen, wie zum Beispiel die Nutzung eines Services im Rahmen des finanzierten Projekts oder als Währung für Transaktionsgebühren. Damit sind sie vergleichbar mit Gutscheinen.

Security Tokens hingegen unterscheiden sich in einer Hinsicht klar von Utility Tokens. Während Utility Tokens lediglich an das Versprechen geknüpft sind, dass sie möglicherweise in der Zukunft nützlich oder wertvoll sein werden, verhalten sich Security Tokens wie klassische Wertpapiere. Sie sind direkt an Gewinn- oder Umsatzversprechen gekoppelt und lassen sich in dieser Funktion mit Aktien vergleichen. Dadurch unterliegen sie auch geltenden Wertpapiervorschriften. Die wesentlichen Eigenschaften von Wertpapieren - insbesondere die Verbriefung von Rechten (bspw. Mitbestimmung, Gewinnausschüttungen etc.) - werden in Security Tokens mithilfe von Smart Contracts abgebildet und sind damit programmierbar. Man kann daher auch von Smart Securities sprechen.

Im Vergleich zum ICO bietet ein STO damit eine deutlich größere Rechtssicherheit und stärkeren Anlegerschutz. Es werden reale Vermögensgegenstände gehandelt, und keine Versprechen. Sichere Renditen sind damit zwar keineswegs garantiert - jedoch verringert sich die Wahrscheinlichkeit, Opfer von Krypto-Scams zu werden, deutlich.

Mit der Entwicklung vom ICO zum STO findet eine sinnvolle, aber auch notwendige Professionalisierung von tokenbasierten Unternehmensfinanzierungen statt. Die Blockchain-Szene hat erkannt, dass die Einordnung in einen regulatorischen Rahmen nicht nur hinderlich ist, sondern ein entscheidendes Qualitätssignal im Hinblick auf die Wahrung von Investorenrechten und des Anlegerschutzes darstellt. Security Tokens besitzen damit das Potenzial, Unternehmenstransaktionen und Sachwertinvestments in der Zukunft deutlich schneller, effizienter und kostengünstiger abzubilden. Entscheidend hierfür wird jedoch sein, dass ein verlässlicher und klarer rechtlicher Rahmen für Security Tokens etabliert wird.

Mit der erstmaligen Genehmigung eines Wertpapierprospektes für einen STO am 30.1.2019 hat die BaFin einen ersten Schritt gewagt. Vielmehr als die Aufsichtsbehörden ist hierbei jedoch der Gesetzgeber gefragt. In Deutschland sind neben dem Bundestag insbesondere das Bundesfinanzministerium und der Finanzausschuss aufgefordert einen sicheren rechtlichen Rahmen zu schaffen. Hierbei geht es insbesondere auch um die Frage der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit des Finanzstandorts Deutschlands.

Im Europäischen und internationalen Ausland, insbesondere in den USA, der Schweiz und Liechtenstein wird bereits mit großem Nachdruck an einem solchen rechtlichen Rahmen gearbeitet. Kürzlich hat die Bundesregierung zumindest die Ausarbeitung einer eigenen Blockchain-Strategie angekündigt und möchte sich auf europäischer und internationaler Ebene für die Schaffung eines angemessenen Regulierungsrahmens für Kryptowährungen und Token einsetzen. Ein längst überfälliger Schritt.

An der öffentlichen Konsultation zur deutschen Blockchain-Strategie werden wir von wevest uns aktiv beteiligen und einbringen. Denn wir sehen in Blockchain-Technologie das große Potential, Unternehmenstransaktionen und Sachwertinvestments zukünftig deutlich schneller, effizienter und kostengünstiger abzubilden.

Börsen-Zeitung, 07.03.2019, Autor Didier Goepfert, Head of Product der wevest Digital AG, Nummer 46, Seite B 4, 681 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019046800&titel=Der-ICO-Hype-ist-vorbei
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