Redaktion

3D-Druck hat das Potenzial, viele industrielle Prozesse zu revolutionieren
Josef Dantscher

Innovationsmanager bei der Fiducia & GAD IT AG

Wer es sieht, staunt jedes Mal aufs Neue: Im 3D-Drucker wächst Schicht um Schicht ein hochkomplexes Objekt aus Kunststoff, Keramik oder Metall. Schier unermesslich scheint die Formenvielfalt. Und auch bei der Gestaltung filigran durchbrochener Oberflächen sind der Fantasie offenbar keine Grenzen mehr gesetzt.

Kein Wunder, dass die additive Fertigungsmethode Designer und Produktgestalter fasziniert. Aber der 3D-Druck hat auch das Potenzial, viele industrielle Prozesse zu revolutionieren. So lässt sich zum Beispiel ein spezielles Pumpenventil ohne aufwändige Gussformzurichtung in wenigen Stunden produzieren. Denn das additive Verfahren ermöglicht eine grundlegend andere Art der Herstellung: Hochindividualisierte Produkte lassen sich schnell und unkompliziert selbst in kleinster Stückzahl herstellen. Und zwar dort, wo sie benötigt werden, sodass Transportwege entfallen und Logistikkosten schrumpfen. Die 3D-Druck-Technologie fördert somit die Regionalisierung.

Marktforscher bescheinigen der additiven Fertigung ein enormes Potenzial mit exponentiellen Wachstumsraten. So soll dem Online-Portal Statista zufolge der weltweite Umsatz in diesem Segment bis 2020 auf rund 22 Mrd. US-Dollar steigen. Das neue Verfahren sorgt aber nicht nur innerhalb etablierter Wertschöpfungsketten für höhere Effizienz und Flexibilität, sondern ermöglicht zudem gänzlich neue Geschäftsmodelle - etwa durch eine direkte Online-Einbindung der Kunden in die Produktentwicklung. Durch die neue Art der Fertigung wird der Weg frei für eine komplett personalisierte Produktion. Um schnellere Produktzyklen zu erreichen, kombiniert beispielsweise der Sportartikelhersteller Adidas den 3D-Druck mit anderen Fertigungsverfahren. Auf diese Weise sollen sich Entwicklungs- und Produktionsprozesse, die bislang ein bis anderthalb Jahre dauerten, auf wenige Wochen und später sogar auf Stunden verkürzen.

Um die Chancen der neuen Technologie tatsächlich in einen Wettbewerbsvorteil umzumünzen, müssen Unternehmen ihre gesamte Wertschöpfung vom Produktdesign bis zur Vermarktung von Grund auf überdenken. Viele Firmen suchen hierzu händeringend professionelle Beratung und passende Finanzierungsmodelle: Die Volks- und Raiffeisenbanken sind geradezu prädestiniert, diese Nische zu besetzen und sich als strategischer Partner der regionalen Wirtschaft zu positionieren.

Der IT-Dienstleister der genossenschaftlichen FinanzGruppe unterstützt diese Ausweitung der Geschäftstätigkeit und hat in diesem Zusammenhang eine Community namens "Additive Fertigung" ins Leben gerufen: In engem Austausch mit der Praxis sollen hier Konzepte entstehen, mit denen Banken ihre Firmenkunden beim Aufbruch in die 3D-Druck-Ära bestmöglich begleiten können.

Ist der Markt tatsächlich reif für solche scheinbar bankfremden Angebote? Ja, er wartet sogar darauf: Laut der aktuellen VR-Mittelstandsumfrage wünschen sich fast zwei Drittel aller befragten Unternehmen neue Anstöße für Finanzentscheidungen; 34?% erwarten dabei auch Impulse mit geschäftsstrategischem Charakter.

Allerdings sollten Banken schnell handeln, da ihnen Konkurrenten sonst zuvorkommen: Durch eine weltweite Unternehmensbefragung hat zum Beispiel Siemens Financial Services herausgefunden, dass der Zugang zu Finanzmitteln, die Industrie-4.0-Investitionen in vollem Umfang abdecken, derzeit als eine der größten Herausforderungen gelten. Die Befragten waren sich einig darüber, dass ein Hersteller ohne Zugang zu einer nachhaltigen Drittfinanzierung nicht in der Lage sein würde, die erforderliche Technologie zu erwerben. Siemens selbst bietet inzwischen 3D-Technik in Kombination mit einem maßgeschneiderten Finanzierungspaket an - und tritt damit in einen direkten Wettbewerb zur etablierten Kreditwirtschaft.

Höchste Zeit also für Banken, eigene 3D-Druck-Angebote zu entwickeln. Dafür brauchen sie jedoch spezielles Know-how, um die Chancen und Risiken additiver Fertigungstechnologien valide einzuschätzen. Eben dies bildet einen Schwerpunkt der 3D-Druck-Initiative der Fiducia & GAD. Dabei geht es sowohl darum, hochkarätige Expertise in den eigenen Reihen aufzubauen als auch um einen breit gestreuten Wissenstransfer in Richtung der Mitgliedsbanken. Das Interesse dort ist überraschend groß, wie die Resonanz auf den ersten 3D-Druck-Workshop des genossenschaftlichen IT-Dienstleisters im Oktober vorigen Jahres zeigte.

Die im Münchener Innovationszentrum der Fiducia & GAD abgehaltene Veranstaltung drehte sich um die Frage, welchen spezifischen Mehrwert ein regional verwurzeltes Genossenschaftsinstitut per 3D-Druck dem innovationsfreudigen Mittelstand in seinem Einzugsgebiet bieten kann. Als Antwort entwarfen drei Teilnehmergruppen innerhalb von zwei Tagen jeweils ein Konzept für die gezielte Vermarktung, eine interaktive Online-Plattform sowie ein fachspezifisches Beratungsprogramm.

Frei nach dem Motto "Gemeinsam drucken wir die Zukunft" setzt das erarbeitete Vermarktungsmodell ganz klar auf eine Positionierung als strategischer Partner aller interessierten Firmenkunden. Charakteristisch für das ausbaufähige Konzept sind modulare Bausteine wie Expertenvermittlung oder individuelle Ist-Analyse. Die zweite Gruppe entwarf eine intuitiv nutzbare Webplattform, die einen Informationsaustausch in Gang setzen soll und ohne Registrierung auch eine Online-Vereinbarung von Beratungsterminen ermöglicht. Die dritte Gruppe entwickelte schließlich ein mehrstufiges Beratungskonzept, an deren Ende nicht zwangsläufig das Finanzierungspaket steht, sondern zum Beispiel auch eine Expertenvermittlung. Statt vom klassischen Finanzierungsgeschäft würden Banken hierbei von einer Provision für die Vermittlungsdienstleistung profitieren.

Am Ende des Workshops lag ein fertiges Geschäftsmodell vor, das die drei Aspekte zusammenfasst und aufzeigt, wie Banken zum Vorteil ihrer Kunden und im wohlverstandenen Eigeninteresse am Megatrend 3D-Druck partizipieren können.

Als besonders gelungen empfanden die Teilnehmer das kreative Miteinander in interdisziplinären Gruppen während des zweitägigen Events, bei dem unter anderem auch moderne Methoden wie Design Thinking zum Einsatz kamen. Viele der Workshop-Teilnehmer bestätigten im Nachhinein, dass es gerade die Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven war, die ihnen eine neue Herangehensweise an das Thema eröffnet habe. In solchen Situationen kommt es generell darauf an, die entfachte Dynamik aufrechtzuerhalten, damit die gewonnenen Erkenntnisse Eingang in den Geschäftsalltag der jeweiligen Bank finden.

Mit ihrer 3D-Druck-Initiative hilft die Fiducia & GAD den Volksbanken und Raiffeisenbanken, ihre Firmenkundenbeziehungen nachhaltig zu festigen. Die Banken stärken zugleich die Innovationskraft im ansässigen Mittelstand - und sichern so die wirtschaftliche Zukunft in ihrer Region.

Börsen-Zeitung, 07.03.2019, Autor Josef Dantscher, Innovationsmanager bei der Fiducia & GAD IT AG, Nummer 46, Seite B 12, 841 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019046804&titel=Chance-fuer-Genossenschaftsbanken
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