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Redaktion

CORPORATE FINANCE AWARDS: DIE GEWINNER (5)
Konsumgüterhersteller ist Pionier in Deutschland - An der Fazilität waren 15 Banken beteiligt - Ganz junger Markt auf dem Vormarsch
Henkel hat mit einer syndizierten Kreditlinie über 1,5 Mrd. Euro in Deutschland Neuland betreten. Denn nicht nur die Bonität, sondern auch die Nachhaltigkeit des Unternehmens schlägt sich in den Konditionen nieder.

Von Antje Kullrich, Düsseldorf

Grün ist die aktuelle Modefarbe der Finanzindustrie, Green Finance der Trend der Stunde. Henkel hat im Dezember als erstes deutsches Unternehmen eine grüne Kreditlinie vereinbart. Auch in der Branche der Konsumgüterhersteller war das eine Premiere.

Es geht eine revolvierende Fazilität über 1,5 Mrd. Euro, die bei Henkel zwei bestehende Linien von 700 Mill. und 800 Mill. Euro ablöst. Die Zinskonditionen ändern sich, wenn die Nachhaltigkeitsbewertung von Henkel sich ändert. Ausschlaggebend ist ein Score, der sich aus den Ratings der drei Agenturen ISS-Oekom, Sustainalytics und Ecovadis zusammensetzt.

"Spürbare" Veränderung

Wird die Nachhaltigkeitseinstufung schlechter, muss Henkel mehr Zinsen zahlen, bei besserer Bewertung sinkt der Zinssatz. Wie groß der Korridor genau ist, gibt der Persil-Hersteller nicht bekannt. Henkel-CFO Carsten Knobel betont aber: "Die Veränderungen sind so gestaltet, dass sie spürbar sind. Das ist kein Marketinginstrument."

Wer mit Green-Finance-erfahrenen Banken spricht, erfährt, dass die potenziellen Veränderungen sich in Abhängigkeit von der Kreditbonität und den Nachhaltigkeitsmerkmalen in der Regel im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Basispunktebereich bewegen. Denn Unternehmen mit Investment Grade zahlten bereits generell niedrige Kreditmargen im zweistelligen Basispunktebereich, was den Spielraum nach unten naturgemäß einschränke, heißt es.

Bei Henkels Green Loan würde ein Basispunkt, sofern die Linie voll ausgeschöpft wird, direkt 150 000 Euro im Jahr ausmachen. Mit der grünen Linie, an der 15 Banken beteiligt sind, betritt der Düsseldorfer Dax-Konzern in Deutschland Neuland. "Innovative Finanzierungsinstrumente haben bei Henkel Tradition", sagt Knobel und verweist zum Beispiel auf den Hybrid-Bond, mit dem der Konzern vor Jahren seine Pensionsrückstellungen ausfinanzierte und sich damit ebenfalls deutlich von der Konkurrenz abhob. "Die Idee der Verbindung von Kreditkonditionen mit Nachhaltigkeitskriterien kam aus unserem Treasury-Team", skizziert der CFO die Entstehungsgeschichte. "Die genaue Ausgestaltung der Kriterien wurde dann mit unseren Nachhaltigkeitsexperten und den Konsortialbanken diskutiert."

Henkel hatte sich bereits im Jahr 2012 langfristige Nachhaltigkeitsziele für den Gesamtkonzern gesetzt und sie offensiv kommuniziert. Bis 2030 will der Konzern für die gleiche Produktionsmenge nur noch ein Drittel der bisher benötigten Ressourcen brauchen bzw. umgekehrt mit der gleichen Ressourcenmenge dreimal so viel produzieren.

Gute Nachhaltigkeitsratings

"Nachhaltigkeit wird bei Henkel großgeschrieben, und sie ist Bestandteil unserer Unternehmenswerte", resümiert Knobel. Davon zeugen auch externe Bewertungen. Bei ISS-Oekom und Ecovadis, zwei der drei Ratingagenturen, deren Bewertung für Henkels Green Loan relevant ist, rangiert der Düsseldorfer Persil-Hersteller weltweit auf Position eins in der Branche Haushalts- und Pflegeprodukte. Das aktuelle "B"-Rating bei ISS-Oekom ist auch branchenübergreifend ein sehr guter Wert, im Dax liegt Henkel damit im vorderen Feld.

Während Green Bonds mittlerweile ein etabliertes Instrument sind und das Volumenwachstum im vergangenen Jahr stark nachließ, sind grüne Kreditlinien auf dem Vormarsch. Das noch ganz junge Finanzierungsinstrument hat im vergangenen Jahr eine beachtliche Steigerung erzielt. 2017 zählte Bloomberg noch Green Loans über weniger als 5 Mrd. Dollar weltweit, 2018 waren es mit 36,4 Mrd. Dollar schon sieben Mal so viel.

In anderen europäischen Ländern haben im vergangenen Jahr wenige Monate vor Henkel zum Beispiel der spanische Versorger Iberdrola, der italienische Versicherungskonzern Generali oder die französische Hotelkette Accor ebenfalls grüne Kreditlinien im Milliardenumfang vereinbart. "Green Loans werden ein fester Bestandteil des Marktes werden", glaubt Matthew Smith, der die Syndizierung von Unternehmenskrediten in Westeuropa bei Unicredit leitet. Die Bank gehört zu den zwei Konsortialführern der Fazilität von Henkel. "Wir spüren eine starke Nachfrage und führen viele Gespräche." Laut Smith hat Unicredit mittlerweile ein weiteres Mandat für einen Green Loan in Deutschland erhalten, diesmal von einem mittelgroßen Unternehmen. Hier werde sich der grüne Faktor nicht an einem Nachhaltigkeitsrating orientieren, sondern an Kennzahlen wie Energie- oder Wasserverbrauch.

Noch keine Welle

Für die Banken bieten solche Finanzierungen die Möglichkeit, die eigenen Ambitionen in Sachen Nachhaltigkeit zu unterstreichen, das Thema Green Finance als weitere Gelegenheit zur Kundenansprache zu nutzen und sich in dem Markt zu positionieren. Banco Santander hat die Henkel-Kreditlinie als zweite führende Bank begleitet. Uwe Steinmetz, Head Loan Capital Markets der Corporate und Investment-Banking-Sparte, sieht die Marktchancen der Green Loans noch etwas eingeengt. Zwar gebe es bereits einige Finanzierungen in Europa, die der von Henkel ähnelten. "Allerdings sehen wir noch keine Welle dieser Art, was auch daran liegt, dass es bisher keine regulatorische Unterstützung im Sinne einer Entlastung der Banken bei der Kapitalunterlegung dieser Finanzierungsform gibt." Das sei auch deshalb ein Problem, weil dieser Typ von Finanzierungen kaum die Kapitalkosten der Banken decke. Ähnliches gelte auch für die zweite Sorte von Green Loans, die eine spezifische umweltrelevante Investition zum Gegenstand haben.

Börsen-Zeitung, 12.03.2019, Autor Antje Kullrich, Düsseldorf, Nummer 49, Seite 9, 745 Wörter

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