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Redaktion

KOMMENTAR - BMW
Der erste Quartalsverlust der Kernsparte von BMW seit zehn Jahren weckt Erinnerungen an Anfang 2009, als der Münchner Autohersteller ebenfalls in seinem größten Konzernbereich tiefrote Zahlen geschrieben hatte. Während aber damals ein dramatischer Absatzrückgang infolge der Finanzmarktkrise für einen operativen Fehlbetrag sorgte, schlägt zum Auftakt dieses Jahres vor allem eine Rückstellung von 1,4 Mrd. Euro für eine drohende EU-Kartellstrafe ins Kontor.

In den Jahren dazwischen hat der Dax-Konzern eine beeindruckende Rekordfahrt hingelegt, die ihn in höhere Dimensionen brachte. Die wachsenden Kosten der technologischen Transformation zeigen dem erfolgsverwöhnten Vorzeigeunternehmen aber zunehmend seine eigenen Grenzen in Bezug auf die Profitabilität auf. Zur Vorlage der Zahlen für Januar bis März versuchte Finanzvorstand Nicolas Peter die Investoren mit dem Hinweis zu besänftigen, dass ohne die Milliardenrückstellung die Autosparte eine operative Umsatzrendite von 5,6 % erreicht hätte.

Das ist jedoch ein schwacher Trost, wenn man bedenkt, dass BMW eigentlich für sich eine Margenbandbreite auf lange Sicht von 8 bis 10 % beansprucht. Davon ist der Konzern aber weit entfernt. Nach einem Rückgang um 2 Prozentpunkte auf 7,2 % im vergangenen Jahr sind ohne die Rückstellung 2019 nur noch 6 bis 8 % möglich, wie der Vorstand bekräftigte.

Das hat Folgen für die Aktionäre des Unternehmens, die sich auf eine abermalige Dividendenkürzung einstellen müssen. Das hat aber auch Folgen für die allgemeine Markterwartung. Analysten müssen nach den schwachen Quartalszahlen vermutlich ihre Ergebnisschätzungen für BMW erneut nach unten revidieren. Die wachsenden Ausgaben für Zukunftstechnologien wie Elektroantriebe und exogen bedingte Mehrkosten (Stichwort Handelskonflikt zwischen China und den USA) dämpfen derweil nicht nur die Ertragskraft von BMW, sondern drücken auch die Erwartungshaltung der Anleger. Während die BMW-Stammaktie auf dem Niveau zu Jahresanfang verharrt, legte der deutsche Leitindex seither um 13 % zu.

Zweifellos kann Konzernchef Harald Krüger Asse vorweisen. Ohne das gut laufende China-Geschäft sähe es operativ bei BMW noch trüber aus. Im Rahmen des selbst verordneten Sparprogramms hat BMW noch genügend Spielraum, um unter anderem im Einkauf Kosten zu drücken. Diese Gegenmaßnahmen können aber die Dürreperiode in den Ergebnissen nicht rasch beenden. Die fetten Jahre sind bei BMW vorerst vorbei.


Börsen-Zeitung, 08.05.2019, Autor Stefan Kroneck, Nummer 87, Seite 1, 341 Wörter

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