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Redaktion

KOMMENTAR - HUAWEI
Die "große Zufriedenheit" mit der Entwicklung der chinesisch-amerikanischen Handelsbeziehungen, die US-Präsident Donald Trump in einem Interview bekundete - unmittelbar nachdem er Huawei mit einem weitreichenden geschäftlichen Bann belegt hatte -, erinnert an eine geradezu kindische Freude, mit dem Werfen eines Schneeballs eine Lawine ausgelöst zu haben. Nachdem diese zunächst große US-Geschäftspartner des chinesischen Technologieriesen wie Intel, Qualcomm oder Google überrollt hat, gewinnt sie auch im Rest der Welt an Breite und erfasst weitere zentrale Zulieferer wie den britischen Chipdesigner ARM oder den japanischen Elektronikkonzern Panasonic.

Auch diese Unternehmen werden zu erklärtermaßen unfreiwilligen Handlangern der US-Sanktionspolitik gegen Huawei, weil ihre Produkte und Services teilweise die Verwendung von US-Komponenten oder auch -Lizenzen erfordern und sie deshalb zur Beachtung der US-Exportkontrollmaßnahmen gezwungen sind. Die Gewalt der Lawine entwickelt sich aus der globalen Verflechtung von Technologieunternehmen aus verschiedenen Ländern, die alle jeweils eine Führungsposition aufgrund eines Alleinstellungsmerkmals in einem Bereich haben, sei es bei Chips, Chipdesign, Systemsoftware oder sonstigen Bauteilen. Indes ist kaum anzunehmen, dass die Lawine Huawei und den von China formulierten Führungsanspruch bei Zukunftstechnologien unter sich begraben wird. Sollte der Druck auf den weltgrößten Netzwerkausrüster und global zweitgrößten Smartphone-Hersteller kurzfristig zu groß werden, können die Chinesen ihrerseits mit wirkungsvollen Schneebällen werfen. So hält Huawei beispielsweise die zweitgrößte Zahl von 5G-Patenten weltweit. Auf diese sind auch Konkurrenten wie Nokia, Ericsson oder auch Cisco angewiesen, wenn sie Netze bauen - etwa in den USA. Auch direkte staatliche Repressalien gegen die stark von China abhängigen Chip-Riesen Qualcomm oder Intel sind nicht undenkbar.

Die allzu durchsichtige Motivation von Trumps Maßnahmen, den Aufstieg Chinas zu einer Technologiesupermacht zu verhindern, wird nach Einschätzung zahlreicher Beobachter dessen Anstrengungen nur beflügeln. Insbesondere dürfte Peking alles daransetzen, die Abhängigkeit bei Schlüsselprodukten in Hard- und Software zu verringern. Dafür ergreifen die Chinesen bekanntermaßen oft "Fördermaßnahmen", die die Wettbewerbsfähigkeit ausländischer Firmen beeinträchtigen. Der Technologiebranche droht ein enormer Kollateralschaden.


Börsen-Zeitung, 24.05.2019, Autor Heidi Rohde, Nummer 99, Seite 1, 304 Wörter

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