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Redaktion

Der hohe Internationalisierungsgrad ist eine Herausforderung
Dr. Michael H. Wiedmann

Vorsitzender des Vorstands der IKB Deutsche Industriebank AG

Für den international orientierten deutschen Mittelstand stellen die aktuellen handelspolitischen Unsicherheiten eine besondere Herausforderung dar. Risiken wie der Brexit, unsichere globale Handelsbeziehungen oder die mögliche Instabilität des chinesischen Wachstums belasten die Stimmung. Frühindikatoren wie Auftragseingänge deuten zudem darauf hin, dass die Produktion des deutschen verarbeitenden Gewerbes auch in den kommenden Monaten durchaus volatil bleiben könnte und dementsprechend die aktuelle Lage und die Geschäftsperspektiven dämpft.

Während der hohe Internationalisierungsgrad des industriellen Mittelstands über viele Jahre ein Garant für wirtschaftlichen Erfolg war, stellt sich die Situation derzeit anders dar. Die inländische Nachfrage stabilisiert die deutsche Wirtschaft. Den deutschen Konsumenten stören die globalen Risiken weniger. Dementsprechend zeigen sich diejenigen Branchen nahezu unbeeindruckt, die auf den inländischen Markt ausgerichtet sind, sowie baunahe Branchen, wie beispielsweise Glas/Keramik und Holz. Diese werden auch im laufenden Jahr ihre relativ stabile Entwicklung fortsetzen.

Stark exportabhängige Investitionsgüterbranchen wie der Maschinenbau und Teile der Elektroindustrie, die 2018 insgesamt ein noch solides Produktionsplus erzielten, sind mit einem niedrigen Produktionsniveau in das Jahr 2019 gestartet und dürften daher trotz erwarteter Belebung ab Mitte des Jahres ein deutlich niedrigeres Produktionslevel im Vergleich zum Vorjahr aufweisen. Zusammen mit der Automobilindustrie sind diese Branchen wichtige Abnehmer für die Metallbearbeitung, die damit stark durch die Nachfrageschwäche belastet wird.

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen stellen die mittelständischen Unternehmen vor komplexe Investitionsentscheidungen. Dies umso mehr, als die Umbrüche sich bei detaillierter Betrachtung oft gravierender darstellen, als dies eine Gesamtstatistik vermitteln kann. Blickt man zum Beispiel auf die Exporte nordrhein-westfälischer Unternehmen nach Großbritannien, so sind diese bereits im Jahr 2018 um 8 % zurückgegangen. Auf Unternehmensebene können die internationalen Herausforderungen fundamentale Neuorientierungen mit sich bringen.

Parallel dazu verlieren die grundlegenden strukturellen Themen für Industrieunternehmen nicht an Bedeutung. Die große Offenheit der deutschen Industrie zeigt, dass sie sich laufend dem globalen Wettbewerb stellen muss. Die Dynamik der technologischen Entwicklungen und Anwendungsgebiete erzeugt eine erhebliche Unsicherheit in den Business-Plänen, man denke nur an die Diskussion um die Antriebskonzepte im Automobilbau, die auf unternehmerischer Seite langfristige Festlegungen auf bestimmte Forschungsschwerpunkte und Produktionslinien erfordert.

Zudem müssen existierende Geschäftsmodelle angesichts der Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung durch Digitalisierung und Industrie 4.0 auf den Prüfstand gestellt werden. Dabei geht es im Einzelfall um die intelligente Nutzung der Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung. Die neuen Technologien an sich sind nicht die Herausforderung, sondern vielmehr das Realisieren von Vorteilen durch aktives Management der Digitalisierung im Unternehmen.

Auch im aktuellen Umfeld setzen die deutschen Unternehmen auf ihre traditionellen Tugenden wie Dynamik und Innovationskraft. Nach einer kurzfristigen Stagnation legen die Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland derzeit wieder leicht zu.

Die konjunkturelle Eintrübung lässt sich in den Bilanzen der Banken bereits ablesen. Ausgehend von den historisch niedrigen Niveaus der vergangenen Jahre, ist ein Anstieg der Risikokosten zu beobachten. Diese Entwicklung gibt noch keinen Anlass zu Besorgnis. Sie ist vielmehr ein Fingerzeig, dass die Banken im harten Wettbewerb um die attraktive Zielgruppe der gehobenen mittelständischen Unternehmen mögliche Risiken angemessen bepreisen müssen.

Die Finanzierungssituation für den Mittelstand bleibt komfortabel. Die unternehmerischen Erfolge der vergangenen Jahre haben den Spielraum des industriellen Mittelstands zur Finanzierung seiner Investitionen erweitert. Viele Unternehmen konnten ihre Eigenkapital-Ausstattung kontinuierlich steigern und sind damit in der Lage, ihre Investitionen gänzlich mit Eigenmitteln darzustellen oder sich einen besseren Zugang zu Fremdmitteln von Banken und dem Kapitalmarkt zu sichern.

Eine zusätzliche Erweiterung des Finanzierungsspielraums stellen für deutsche Unternehmen zudem öffentliche Fördermittel dar. Anbieter sind die öffentlichen Förderbanken des Bundes, der Länder und europäische Förderinstitute. Am Bankenstandort Düsseldorf hat die NRW.Bank ihre Produktpalette Mitte 2018 um das Thema Digitalisierung erweitert. Weitere Förderziele sind Investitionen in F&E-Aktivitäten oder Umweltschutz. Förderdarlehen können bei Investitionen mit langfristiger Finanzierung die Zinsbelastung spürbar verringern und darüber hinaus den Finanzierungsaufwand in vielen Fällen mit öffentlichen Zuschüssen reduzieren. Die Beratung zur Einbindung von Fördermitteln ist dabei ein wichtiger Baustein in der Begleitung von Investitionen durch die Banken.

Der persönliche Kontakt und das über konjunkturelle Zyklen hinweg gewachsene Vertrauen zwischen Unternehmen und Bank ermöglichen es, gemeinsam individuell zugeschnittene Lösungen zu erarbeiten. Die langfristige Tragfähigkeit der Finanzierungslösung gewinnt zusätzlich, wenn der Berater mit den Prozessen in den Unternehmen vertraut ist und als kompetenter Sparringspartner für Mittelstandsthemen, Märkte und Wettbewerbsumfeld auftreten kann.

Der Bankenstandort Düsseldorf hat für den industriellen Mittelstand seit vielen Jahrzehnten eine herausragende Bedeutung. Als eine industrielle Kernregion ist Nordrhein-Westfalen die Heimat vieler international erfolgreicher Mittelständler, die einen wesentlichen Anteil am Erfolg der deutschen Wirtschaft im globalen Wettbewerb haben und zahlreiche Arbeitsplätze schaffen. In der Kombination aus strategischem Dialog und maßgeschneiderten Finanzierungskonzepten leisten die Banken ihren Beitrag, damit dies auch in Zukunft so bleibt.

Börsen-Zeitung, 12.06.2019, Autor Michael H. Wiedmann, Vorsitzender des Vorstands der IKB Deutsche Industriebank AG, Nummer 110, Seite B 6, 745 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019110801&titel=Mittelstandsfinanzierung-in-konjunkturell-herausfordernden-Zeiten
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