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Redaktion

KOMMENTAR - BREXIT
Boris Johnson hat es geschafft, mehr als ein Drittel der Unterhausabgeordneten der konservativen Partei hinter sich zu bringen. Bei der ersten Abstimmung im langen Rennen um Theresa Mays Nachfolge lag er uneinholbar vorn. Eine Mehrheit der Parteimitglieder, die weit konservativer sind als die Wähler der Tories, unterstützt ihn ohnehin. Für sie ist der ehemalige Londoner Bürgermeister der Mann, der Nigel Farages Brexit-Partei und Oppositionschef Jeremy Corbyn gleichermaßen Einhalt gebieten kann. Eine aktuelle Umfrage gibt ihnen recht. Ihr zufolge kämen die Tories unter der Führung von Johnson auf eine Mehrheit von 140 Sitzen im Unterhaus.

Der Auftakt seiner Kampagne wurde von Kommentatoren, die sich noch an die US-Popsängerin Madonna erinnern können, als Beginn einer Blond-Ambition-Tour verspottet. Mittlerweile ist klar, dass ihm keiner der Herausforderer das Wasser reichen kann. Jeremy Hunt, sein Nachfolger im Außenministerium, kam zwar auf Platz 2, hatte aber weit weniger Stimmen.

So ganz steht damit zwar noch nicht fest, wer die beiden Kandidaten sind, die sich am Ende dem Votum der Mitglieder stellen müssen. Manche hätten damit gerechnet, dass es Umweltminister Michael Gove bis in die letzte Runde schafft. Der hatte sich allerdings mit dem Geständnis, vor mehr als zwanzig Jahren Kokain genommen zu haben, selbst aus dem Rennen genommen. Man mag die Empörung darüber für Heuchelei halten. Aber zum einen war er kein Teenager mehr. Zum anderen geht es bei den Bandenkriegen, die auf Londons Straßen ausgefochten werden, um Absatzmärkte für die Droge, die sich in gehobenen Kreisen auch heute noch großer Beliebtheit erfreut.

Folgt Johnson auf May, könnte er umgehend Neuwahlen ansetzen, um einem Misstrauensvotum der Opposition zuvorzukommen. Labour-Führer Corbyn wäre sicher nicht abgeneigt. Schließlich ist er davon überzeugt, dass er danach in der Downing Street einziehen würde. In einer Hinsicht würde Johnson auf jeden Fall gewinnen: Von den Brexit-Gegnern in seiner Partei kämen nicht mehr viele nach Westminster zurück. Einem EU-Austritt zum 31. Oktober stünde nichts mehr im Weg - ob mit oder ohne Deal. Denn Johnson ließe sich nicht so einfach wie May von Whitehalls Karrierebeamten steuern.

Hat der mitunter schüchtern wirkende Blonde aber wirklich so große Ambitionen? Wenn ihn noch jemand stoppen kann, dann er selbst. Wie Gove hat er das Talent, sich selbst ins Knie zu schießen.


Börsen-Zeitung, 14.06.2019, Autor Andreas Hippin, Nummer 112, Seite 1, 362 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019112004&titel=Blond-Ambition
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