Redaktion

KOMMENTAR - KREDITGENOSSEN
Wer spricht es zuerst aus? Marija Kolak hat es getan. Verklausuliert genug, um nicht mit dem Kartellrecht in Konflikt zu geraten - die Konditionengestaltung obliegt schließlich dem autonomen Vorstand jeder einzelnen Volks- oder Raiffeisenbank -, betätigt sich die BVR-Präsidentin als Überbringerin der bösen Botschaft für die Sparer: Waren Negativzinsen auf private Einlagen bisher die Ausnahme, werden sie bald die Regel sein. Dies umso mehr, wenn die EZB das geldpolitische Abenteuer erwartungsgemäß auf die nächste Eskalationsstufe befördert.

Dass Banken und Sparkassen den Strafzins im Mengengeschäft nicht unbegrenzt zulasten der eigenen Erfolgsrechnungen tragen wollen und können, ist nachvollziehbar. Die Möglichkeiten, durch Steigerung der Provisionserträge - eingedenk der regulatorischen Hindernisse für das Wertpapiergeschäft keine leichte Übung - oder durch Kosteneinsparungen gegenzusteuern, sind weithin ausgereizt. Aber für die Institute geht es mittelfristig ums Überleben. Also werden sie demnächst wohl oder übel großflächig zur Kasse bitten und die absehbare Verärgerung der ihrerseits längst notleidenden Sparer in Kauf nehmen. In der Kreditwirtschaft ist sogar davon die Rede, man könnte sich gezwungen sehen, bestimmte traditionelle Sparprodukte gar nicht mehr anzubieten. Ob die Kunden sich gelbe Westen überziehen und im Frankfurter Ostend aufmarschieren werden?

Nach jahrelangen Klagen des BVR und anderer Bankenverbände über die europäische Geldpolitik ist in der Zunft Resignation unverkennbar. Wer die Zinswende für fünf Jahre (!) abhakt, hat insoweit aufgegeben. Ganz so weit ist die Branche im Verhältnis zur Politik noch nicht, aber mindestens enormer Frust ist auch hier mit den Händen zu greifen. Dass die Regierungsbildung in Berlin diesmal etwas länger dauerte - sei's drum, auch wenn ein Mittelständler sich solche Phasen des Stillstands nicht ungestraft leisten könnte. Dass aber auch jetzt nur soziale Wohltaten verteilt werden, in der Regierungsarbeit inhaltlich aber nichts passiert, was die Wirtschaft nennenswert voranbringt - Stichwort Unternehmenssteuerreform -, dafür fehlt jedes Verständnis. Dass die Politik obendrein bei der jeder ökonomischen Vernunft hohnsprechenden Finanztransaktionssteuer parteiübergreifend die Ohren auf Durchzug stellt und sich Sachargumenten einfach nicht zugänglich zeigt, ist des Schlechten zu viel. In Summe scheint das Verhältnis zwischen Kreditgewerbe und Bundesregierung der Irreparabilität nicht mehr allzu fern zu sein.


Börsen-Zeitung, 12.07.2019, Autor Bernd Wittkowski, Nummer 131, Seite 1, 339 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019131002&titel=Des-Schlechten-zu-viel
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