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Redaktion

KOMMENTAR - HONGKONG
Befände sich Hongkong im syrischen Idlib, im Westjordanland oder in Burma, wären die europäischen Medien voll vom heldenhaften Kampf der Bevölkerung gegen die bösen Unterdrücker. Aber die ehemalige britische Kronkolonie ist Teil der Volksrepublik China, auf die man als Handelspartner dringend angewiesen ist - vor allem in Deutschland. Es sind hässliche Szenen, die über die Bildschirme flackern. Die Sicherheitskräfte der Peking ergebenen Lokalregierung gehen mit brachialer Gewalt gegen die Demokratiebewegung vor: Reizgas in der U-Bahn, Gummigeschosse aus nächster Nähe ins Gesicht. Doch in Europa will sich einfach keine Unterstützung einstellen. Dabei fordern die Demonstranten genau das, was sich die sonst so aktive internationale Gemeinschaft auf die Fahnen geschrieben hat: Demokratie und Selbstbestimmung.

Die Briten, von denen die Bevölkerung bei der Übergabe an den Nachfolgestaat des chinesischen Kaiserreichs im Stich gelassen wurde, regten immerhin an, die Proteste nicht gar zu brutal niederzutrampeln. In Peking sorgte das für Empörung. Von der ehemaligen Kolonialmacht lasse man sich gar nichts sagen. Die vor der Übergabe getroffenen Vereinbarungen gelten nur noch insofern, als es der Führung in Peking in den Kram passt. Die Machthaber im Partei-Hauptquartier Zhongnanhai und ihre Günstlinge brauchen Hongkong als dereguliertes Offshore-Zentrum. Sie wollen zwar die politische Kontrolle über das Territorium. Die rechtliche Trennung ist ihnen aber ebenso wichtig. Ein Land, zwei Systeme - das war nie ein Bekenntnis zum Erhalt individueller Freiheitsrechte, die man in Hongkong während der Kolonialzeit ohnehin nur in stark eingeschränktem Umfang genoss. Es war die Formel, die den Herrschenden in China Hongkong nach der Übergabe als Offshore-Zentrum erhielt - für Geldwäsche, Kapitalflucht und Steuervermeidung.

Das wird so weitergehen, nur mit deutlich weniger Freiheitsrechten. Chinas Nationalismus ist deshalb so aggressiv, weil er sich aus historischer Kränkung speist. Die Frage, ob man - wie Japan - die Beherrschung durch die Kolonialmächte hätte vermeiden können, wenn man etwas weniger dekadent und selbstzufrieden gewesen wäre, wird nicht gestellt. Die Demonstranten in Hongkong werden als ausländische Agenten dargestellt. Europa sollte sie mit offenen Armen empfangen: Refugees Welcome! Es kämen Menschen, die nicht nur gut ausgebildet sind, sondern auch die Demokratie zu schätzen wissen.


Börsen-Zeitung, 13.08.2019, Autor Andreas Hippin, Nummer 153, Seite 1, 340 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019153003&titel=Refugees-Welcome!
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