Redaktion

KOMMENTAR - FONDSBRANCHE
Was ist nur mit den Sparern los? Die viel beklagte und fast pathologische Scheu vor Aktien schien doch schon teils überwunden. Deutsche Privatleute haben in den vergangenen Jahren rege in Fonds investiert, während die Kurse stiegen und die Zinsen fielen. Nun aber bricht das Neugeschäft der Assetmanager ein, der Verkauf der lange so beliebten Mischfonds verläuft schleppend, die Ratlosigkeit über die möglichen Ursachen ist groß.

War es der Kursrutsch vor Jahresende, der die ausgewiesenen Ergebnisse vermiest hat? Dafür spricht der schwache Jahresauftakt, doch haben Aktienfonds dabei noch vergleichsweise gut abgeschnitten. Waren es die üblichen Unruhestifter an der Börse, also Handelskonflikte, Brexit, Kriegsgefahren im Iran und Streit zwischen der EU und Italien? Die Politik muss jedenfalls immer herhalten, wenn es im Fondsgeschäft oder an der Börse nicht läuft. Oder sinken Mischfonds in der Gunst der Anleger nicht trotz, sondern wegen niedriger Zinsen? Die Produkte horten schließlich auch Anleihen, die heute einfach nicht mehr attraktiv sind.

Die Voraussetzung für einen hohen Fondsabsatz ist eigentlich gut: Die Sparlust der Deutschen ist insgesamt ungebrochen und hat laut Bundesbank zuletzt sogar zugelegt. Die Aktienmärkte haben sich vom Tief zur Jahreswende erholt. Und auch die Angst vor hohen Bewertungen hält Anleger nicht auf, wie die hohe Nachfrage nach Immobilienfonds zeigt, die ebenfalls in der Hochphase eines Marktes investieren müssen.

Die Anamnese fällt schwer, weil das Geschäft der Fondsadressen unterschiedlich ist und Publikumsfonds alle möglichen Kategorien umfassen und verschiedene Anleger erreichen. Die Ursachen komplexer Leiden sind schwer zu beschreiben, wie jeder Mediziner weiß. Die Symptome aber sind deutlich: Deutsche Anleger sind meist apathisch, kümmern sich lange kaum um ihre Geldanlage, lassen sich von Finanzvermittlern in Fonds hineinberaten, ehe sie plötzlich die Nervosität packt. Unruhe folgt auf Apathie.

Die Folge des rätselhaften Leidens werden kümmerliche Ergebnisse in der Geldanlage sein, trotz hoher Sparquoten. Für die Fondsbranche ist das Fazit derweil gemischt: Mal profitieren sie von der Unbedarftheit der Sparer, so dass Fondshäuser den Verkauf über Anreize im Vertrieb steuern können und der Preisdruck geringer ausfällt als im Geschäft mit institutionellen Kunden. Mal aber, so wie jetzt, reißt die Sprunghaftigkeit der Anleger den Absatz nach unten. Zumindest der Befund ist einfach: Die spinnen, die Sparer!


Börsen-Zeitung, 14.08.2019, Autor Jan Schrader, Nummer 154, Seite 1, 353 Wörter

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