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Schmidt: Situation nicht mit 2008 vergleichbar - Debatte über Fiskalstimulus

ms Frankfurt - Der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, hält nichts von einem breit angelegten Konjunkturpaket zur Stützung der schwächelnden deutschen Wirtschaft. "Ein gezielt aufgelegtes Konjunkturprogramm wäre bestenfalls bei einem außergewöhnlich starken Einbruch wie nach der Finanzkrise 2008 sinnvoll. Davon kann aber derzeit keine Rede sein", sagt Schmidt in einer Umfrage der Börsen-Zeitung unter führenden Ökonomen zu den zunehmenden Rezessionsängsten in Deutschland und der deutlich Fahrt aufnehmenden Debatte über staatliche Konjunkturhilfen.

Nachdem die deutsche Wirtschaft im Frühjahr um 0,1 % geschrumpft ist und jüngst auch die Bundesbank vor einem erneuten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal gewarnt hat, nehmen Sorgen vor einem Absturz der Wirtschaft zu. Zugleich wird immer hitziger über staatliche Konjunkturhilfen diskutiert. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte unlängst über ein mögliches Gegensteuern gesprochen und eine Summe von rund 50 Mrd. Euro genannt - auch wenn er zugleich klargemacht hatte, dass das aktuell kein Thema sei.

Wie Schmidt wenden sich in der Umfrage auch andere Ökonomen gegen ein staatliches Eingreifen. "Derzeit braucht die Wirtschaft keine Stütze", sagt Stefan Schneider, Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Und Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums beim Institut für Weltwirtschaft (IfW) Kiel, sagt: "Ad-hoc-Maßnahmen, etwa staatliche Investitionsprogramme, sind kontraproduktiv." Sie plädieren für Maßnahmen, um die langfristigen Wachstumskräfte zu stärken, wie eine Verringerung von Steuern und Abgaben.

Dagegen fordert Lena Komileva, Chefökonomin und Managing Director bei G + Economics, ein Einschreiten Berlins, um eine Krise zu vermeiden. Auch Lucrezia Reichlin, Professorin an der London School of Economics, dringt auf ein ehrgeiziges Programm, unter anderem zur Förderung der Infrastruktur: "Dies bedeutet einen fiskalischen Anreiz in etwa in der Größenordnung dessen, was 2008 eingeführt wurde, wenn nicht sogar mehr." Damals hatte die Regierung laut Scholz die genannten rund 50 Mrd. Euro in die Hand genommen.

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Börsen-Zeitung, 23.08.2019, Autor Mark Schrörs, Frankfurt, Nummer 161, Seite 1, 288 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019161005&titel=Chef-der-Wirtschaftsweisen-lehnt-Konjunkturpaket-ab
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