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Redaktion

MARKTPLATZ
Negativzinsen haben den Status des Bürgerschrecks erhalten - und legen mitunter weltfremde Vorstellungen offen, wie der Vorschlag aus der Politik, sie doch schlicht zu verbieten. Wenn es denn so einfach wäre. Es wird Gründe haben, dass die Zinsen seit Jahrzehnten fallen - und die Zinswende bislang ausgeblieben ist. Doch exakt festmachen lässt sich dies nicht, entsprechend fragwürdig ist es, der Notenbankpolitik die Schuld in die Schuhe zu schieben. Aber es ist unbestritten, dass das Negativzinsumfeld auch für die Vermögensverwaltungsbranche ihr Narrativ auf den Kopf stellt. Wozu investieren, wenn ich morgen weniger Geld erhalte als heute?

Müssen also überproportional hohe Risiken eingegangen werden, um noch eine absolute Rendite zu erzielen? Sicher ist, dass der Faktor Kosten auch in der Vermögensverwaltung eine umso größere Rolle spielen wird, je geringer die am Markt erzielbaren, verhältnismäßig risikolosen Renditen sind. Investoren, die auf Bergen von Cash sitzen - und das sind nicht wenige -, scheinen den niedrigen Zinsen und Renditen fast hilflos ausgeliefert.

Dem ist nicht so - auch heute lassen sich ansprechende Erträge verdienen. Aber es wird sich wohl erst im Rückblick zeigen, mit welchen Risiken diese erkauft wurden. Als Konsens gilt, dass etwa Aktien als Beteiligung an den Gewinnen von Produktivkapital unabdingbar sind.

Private Märkte en vogue

Nun sinkt aber die Zahl der gelisteten Unternehmen seit Jahren. Gerade private Märkte haben in den vergangenen Jahren im Niedrigzinsumfeld einen enormen Aufschwung erfahren. So ist Private Equity als Renditequelle etwa für Axel Schuster von Capital Bank, die zur Grazer Versicherungsgruppe Grawe gehört, unabdingbar, wie er kürzlich auf einer von Feri organisierten Hedgefonds-Konferenz in Bad Homburg erklärte. Von Private-Equity-Investments würden 12 bis 20 % Rendite erwartet, für Hedgefonds nur 2 bis 3 %, so Schuster. Da der Aufwand für die Hedgefonds-Auswahl angesichts der mageren Renditeerwartung zu hoch wäre, arbeitet die Capital Bank hier mit externen Beratern, während im Bereich Private Equity auf eigene Ressourcen gesetzt werde.

Selbst Renditen von 2 bis 3 % wirken im Negativzinsumfeld verführerisch - vor allem, wenn sie mit dem Versprechen daherkommen, stetig zu sein. Die Frage ist nur, ob man sich hier bereits in einem Bereich bewegt, in dem es um das Erzielen von Überrenditen, auch Alpha genannt, geht? Bei Alpha gehe es darum, Marktineffizienzen zu isolieren und nutzbar zu machen, meint Paul Skiba, der für den Autobauer Porsche als Assetmanager im Bereich Corporate Finance und Treasury arbeitet. Doch langfristig gebe es gar kein Alpha. Die Kunst sei vielmehr, "die richtigen Leute" zusammenzubringen, also die richtige Mischung aus Know-how und Ideen, mit der etwas cleverer im selben Teich gefischt wird, wie viele andere Anleger dies auch tun. Auch Christian Barz, der im Portfoliomanagement von Cara Investment arbeitet, glaubt, es gebe Alpha-Quellen, die über die Zeit wieder verschwinden würden.

Nun gilt die Annahme, Alpha werde besser erschließbar, wenn ein Assetmanager mehr Spielraum hat. Darauf bauen inzwischen viele Investoren weltweit. Die in Hedgefonds investierten Mittel haben mit über 3 Bill. Dollar weltweit ein Rekordvolumen erreicht, das meiste Geld fließt in sehr flexible Offshore-Strukturen, die laut Feri eine bessere Entwicklung als europäische Ucits-Vehikel zeigen (vgl. Grafik). In Deutschland sind solche Anlagen auch regulatorisch bedingt eher spärlich in Portfolios vertreten. Wenn, dann setzen etwa Unternehmen laut dem Bundesverband Alternative Investments etwas mehr auf Hedgefonds. Auch Pensionskassen und Versicherungsunternehmen berücksichtigen Hedgefonds, meiden dabei aber Offshore-Vehikel.

Abgesehen von regulatorischen Gründen oder auch Fragen zur Risikokontrolle fällt es vielen Investoren schwer, sich Anlagen mit zwar gefallenen, aber vergleichsweise immer noch hohen Gebühren zuzulegen. Vielleicht führt das Negativzinsumfeld gerade zur Einsicht, dass es keinen "Free Lunch" in der Vermögensanlage gibt. Porsche setze nicht auf Hedgefonds, prüfe dies aber "intensiv", sagt etwa Paul Skiba. Bisher überwiegt aber Skepsis und ein gewisses Hilflosigkeitsgefühl gegenüber Minuszinsen. Die da und dort geäußerte Überlegung, Hedgefonds könnten risikoarme Erträge aus Anleihen ersetzen, liegt zwar nahe. Ob die Hedgefonds-Branche ihr Versprechen aber in der nötigen Breite einlösen kann, ist mit Blick auf bisherige Erfahrungen zumindest zu bezweifeln.


Börsen-Zeitung, 07.09.2019, Autor Dietegen Müller, Nummer 172, Seite 1, 638 Wörter

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