Redaktion

KOMMENTAR - FED
Sie hat es erneut getan, und zwar geliefert. Die US-Notenbank Fed hat gestern den US-Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf nun 1,75 bis 2 % gesenkt. Bereits Ende Juli hatte es eine Zinssenkung dieser Größenordnung gegeben. Der gestrige Zinsschritt wurde an den Märkten fast einhellig erwartet.

Die Fed reagiert damit auf die Schwächesignale der US-Wirtschaft, die sowohl bei den harten Makrodaten als auch bei Stimmungsindikatoren in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zutage getreten sind. Nach gut zehn Jahren auf dem Expansionspfad befindet sich die US-Wirtschaft nun zwar noch nicht im Abschwung und schon gar nicht in der Rezession, aber es mehren sich die Anzeichen, dass die Reise genau dorthin gehen könnte. Der US-Staatsanleihenmarkt hat mit der Inversion der Zinsstrukturkurve schon ein sehr klares Signal gesendet. Den vergangenen Rezessionen der US-Wirtschaft ging mit schöner Regelmäßigkeit eine invertierte Zinskurve voraus. Das ist somit bislang ein verlässliches Signal für eine aufziehende Rezession.

Wie geht es weiter? Der US-Handelskonflikt ist bei weitem nicht aus der Welt geschafft. Wenn es schlecht läuft, wird er noch Jahre anhalten und damit kräftige Spuren in den Volkswirtschaften hinterlassen. Und damit wird Fed-Chef Jerome Powell kaum etwas anderes übrig bleiben, als der US-Wirtschaft weiter unter die Arme zu greifen. Viele Marktakteure erwarten, dass es bereits bei der Sitzung im Oktober zur nächsten Zinssenkung über 25 Basispunkte kommt. Einen größeren Schritt wird die Fed kaum in Betracht ziehen, damit sie Pulver trocken hält. Viel Pulver hat sie in den vergangenen Jahren ohnehin nicht für solche wirtschaftlichen Schwächen zur Seite gelegt. Das könnte sich nun rächen.

Und auch im Dezember - davon gehen viele im Markt aus - wird die Fed noch eine Zinssenkung vornehmen. Kurzum: Die Märkte werden erwarten, dass die US-Notenbank weiter liefert, auch wenn die Signale jetzt nicht eindeutig waren. Es ist zudem zu berücksichtigen, dass auch anderswo die Zeichen auf geldpolitische Lockerung stehen. Das schwächt die Währungen in diesen Ländern. Und das Letzte, was die US-Wirtschaft in einem Handelskrieg gebrauchen kann, ist ein starker Dollar, der die Waren noch zusätzlich teurer macht und damit für zusätzliche Umsatzeinbußen aufgrund von Kaufzurückhaltung ausländischer Firmen und Verbraucher sorgt. Und so wird sich die Fed wohl - natürlich ohne es genau so zu kommunizieren - vor die eigene Wirtschaft stellen und über Zinssenkungen den sehr willkommenen Effekt der Währungsschwächung realisieren - dieses Jahr und auch nächstes Jahr.


Börsen-Zeitung, 19.09.2019, Autor Kai Johannsen, Nummer 180, Seite 1, 384 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019180005&titel=Erneut-geliefert
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