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rendite - Anlagemagazin Ausgabe Oktober 2019
FONDS UND ETF
Im Frühjahr haben Healthcare-Titel einen Einbruch erlitten. Doch bleibt der Sektor ein Zukunftsthema mit großen Wachstumsaussichten. Vor allem spezielle Medizintechnik-Fonds überzeugen.

Von Werner Rüppel

Das Wichtigste ist die Gesundheit, das weiß jeder, der ein paar Jahre Lebenserfahrung hat. Nun nimmt die Weltbevölkerung zu und die Menschen werden immer älter. Dabei erlaubt ihnen ein wachsender Wohlstand, mehr Geld für die eigene Gesundheit auszugeben. Zudem steht die Pharma-, Biotech- und Gesundheitsbranche vor zahlreichen Innovationen. So erklärt Andy Acker, Manager des Janus Henderson Global Life Science Fund: "Wir glauben, dass der Gesundheitssektor von einer Reihe attraktiver Wachstumsgelegenheiten profitiert." Da Gesundheitsaktien im Vergleich zum Gesamtmarkt derzeit moderat bewertet sind, dürften die Voraussetzungen für langfristig hohe Wertzuwächse im Healthcare-Sektor gegeben sein.

Allerdings gilt es für Anleger mehrere Fallstricke zu beachten. Zum einen kommt es immer wieder zu politisch bedingten Rückschlägen von Gesundheitsaktien. Dies war zum Beispiel im April dieses Jahres der Fall, nachdem der demokratische US-Senator Bernie Sanders die Einführung einer staatlichen US-Krankenversicherung für alle vorgeschlagen hat. Würde es in den Vereinigten Staaten zu einer Abkehr von der zu einem Gutteil privaten Krankenversicherung kommen, würde dies insbesondere für die Pharmaindustrie zu geringeren Einnahmen führen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Pläne von Sanders, der einer der Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaft 2020 ist, umgesetzt werden, sind allerdings sehr gering. Fondsmanager Acker geht davon aus, dass es allenfalls zu Modifikationen am US-Gesundheitssystem kommt, von denen innovative, gut positionierte Unternehmen sogar profitieren würden. So bevorzugt er kleinere und mittelgroße Firmen mit strukturellem Wachstumspotenzial, die gegenüber politischen Unsicherheiten wenig verwundbar sind.

Häufig gute Kaufgelegenheiten

Solche Phasen wie im Frühjahr, in denen Gesundheitsaktien unter Druck standen, haben sich langfristig meist als gute Kaufgelegenenheiten erwiesen. Allerdings versucht auch US-Präsident Donald Trump die amerikanischen Gesundheitskosten zu begrenzen, und es steht die Präsidentschaftswahl 2020 an, bei der Gesundheitskosten wieder Thema werden dürften. Die Gefahr politischer Unsicherheiten ist somit nicht vom Tisch. Daraus resultierende Rückschläge bei Gesundheitsaktien sind möglich. Sie mindern gleichwohl nicht die langfristig positiven Aussichten der eher defensiven Branche. Denn selbst wenn die Konjunktur rückläufig ist, wird in der Regel nicht an der Gesundheit gespart. So fällt auch die Volatilität von Gesundheitsfonds niedriger aus als von anderen Produkten wie zum Beispiel Tech-Fonds.

Zum anderen gilt es zu berücksichtigen,

dass einzelne Gesundheitsaktien mitunter beträchtlich schwanken. Wenn zum Beispiel bei Pharmawerten ein Medikament keine Wirkung zeigt oder hohe gesundheitliche Nebenwirkungen aufweist (beziehungsweise bereits wenn solche vermutet werden), kann dies zu Klagen und massiven Kursverlusten führen. Vor diesem Hintergrund ist ein Engagement in einen einzelnen Pharmawert riskant. Ähnliches gilt auch für Biotech-Firmen, stellt sich zum Beispiel eine Entwicklung als nicht erfolgreich heraus.

Natürlich besteht für Anleger immer die Option, Investments in Aktien zu streuen und auf gut bekannte Adressen zu setzen, die man dann genau beobachtet. Dies dürfte aber im Gesundheitssektor eher schwerfallen. Da ist es einfacher, weniger riskant und mithin erfolgversprechender in einen breit gestreuten Investmentfonds zu investieren.

Für Investments in den Gesundheitssektor stehen zahlreiche aktive und passive Fonds mit gutem Anlagerating zur Verfügung. Als besonders lukrativ hat sich in den vergangenen Jahren der Medizintechniksektor erwiesen.

So hat der BB Adamant Medtech & Services (LU0415391431) in den vergangenen fünf Jahren eine Performance von 17,5 % pro Jahr erzielt. Der von Morningstar mit der Höchstnote von fünf Sternen bewertete aktive Fonds investiert nur in Aktien des Medizintechnik- und Gesundheitsdienstleistungssektors und verzichtet auf Anlagen in Medikamentenhersteller. Diese Medtech-&-Services-Strategie sieht das Fondsmanagement als echte Alternative für Investoren, die Ergänzung zu ihrem Pharmainvestment suchen oder die von den soliden Fundamentalfaktoren des Gesundheitsmarkts proftieren möchten, aber die Preis-, Entwicklungs- und Patentablaufrisiken der Medikamentenindustrie scheuen. Nach der Kursschwäche im April handele der Sektor nur noch mit einer geringen Bewertungsprämie, dies trotz eines im Vergleich zum Gesamtmarkt doppelt so hohen Gewinnwachstums. "Wir erachten dies als einen guten Einstiegszeitpunkt, um in den Medtech-&-Services-Sektor zu investieren", unterstreicht das Fondsmanagement.

Auch der 2,2 Mrd. Euro schwere MIV Global Medtech Fund (LU0329630130) investiert weltweit in börsennotierte Aktien der Medizintechnik und hat damit in den vergangenen fünf Jahren eine stattliche Performance von 18,2 % pro Jahr erzielt. Der Anlageprozess des von Morningstar mit fünf Sternen bewerteten Produkts beruht auf einem kombinierten Top-down-/Bottom-up-Ansatz. Neben einer attraktiven Bewertung einer Gesellschaft seien u.a. eine starke Marktstellung, hohes Wachstumspotenzial, herausragende Produkte und nachhaltige Profitabilität entscheidend für eine Investition. Die größten Positionen des Fonds sind übrigens Abbott Laboratories, Medtronic, Boston Scientific, Becton Dickinson und Intuitive Surgical.

Von den Perspektiven der Medizintechnik ist man bei der MIV Asset Management überzeugt: "Aus Investorensicht sind vor allem das hohe Wachstum, die überdurchschnittliche Profitabilität sowie die oligopolistischen Marktstrukturen und die damit verbundenen hohen Eintrittshürden für neue Konkurrenten interessant.

Mit einem verwalteten Vermögen von 4 Mrd. Euro ist der BlackRock World Healthscience (LU0171307068) ein echtes Dickschiff. In den vergangenen zehn Jahren hat der von Morningstar mit fünf Sternen bewertete aktive Fonds eine Performance von 15,9 % pro Jahr erzielt. Das Produkt investiert breit gestreut vor allem in Blue Chips. Die größten Positionen sind aktuell Abbott Laboratories, der Krankenversicherer United Health, AstraZeneca, Boston Scientific und Stryker Corp.

Mit aktivem Management erfolgreich ist auch Andy Acker, einer der Lenker des Janus Henderson Global Life Science Fund (IE0009355771). Trotz relativ hoher laufender Kosten von 2,42 % pro Jahr hat der Fonds über zehn Jahre eine Performance von 17,0 % pro Jahr erzielt. Entsprechend wird das 2,1 Mrd. Euro schwere Produkt auch von Morningstar mit der Höchstnote von 5 Sternen bewertet. Aufgrund seiner defensiven Qualitäten stuft Acker den Gesundheitssektor als attraktiv ein. Zudem sucht der Fondsmanager auch nach Titeln, die weniger anfällig für politische Unsicherheiten sein sollten. "Dazu gehören Unternehmen der Tiergesundheitsbranche, Firmen, die Selbstzahler-Produkte wie Kontaktlinsen oder kosmetische Behandlungen herstellen und Unternehmen mit einer starken Präsenz außerhalb der USA", erläutert Acker. "Wir bevorzugen außerdem kleinere und mittlere Biotechnologieunternehmen, von denen viele gefragte innovative Therapien für Patienten mit einem hohen und derzeit unerfüllten medizinischen Bedarf entwickeln."

Auch über passive Indexfonds läßt sich der Markt für Gesundheitsaktien gut erschließen. Wer einen entsprechenden ETF erwirbt, streut in der Regel breit und zahlt niedrige laufende Kosten. Ausgewählte aktive Gesundheitsfonds, wie die dargestellten Produkte, schneiden zwar besser ab als die jeweiligen Indizes, die den ETFs zugrunde liegen. Vielen aktiven Produkten gelingt dies langfristig aber nicht.

Wer einen ETF auf den MSCI World Health Care - wie zum Beispiel das Produkt von Lyxor (LU0533033238) - erwirbt, der investiert weltweit und breit gestreut in den Gesundheitssektor. Die größten Positionen sind dann Blue Chips wie Johnson & Johnson, Merck & Co., United Health oder Pfizer. Der Lyxor-ETF kommt über fünf Jahre auf eine Performance von 11,8 % pro Jahr.

Aussichten stimmen

Zuletzt haben die europäischen Healthcare-ETFs, ähnlich den europäischen Aktienmärkten insgesamt, schwächer abgeschnitten als die globalen und auf die USA fokussierten Produkte. Dies muss aber nicht so bleiben.

Insgesamt sind Gesundheitstitel weniger konjunkturabhängig als andere Aktien. Und die langfristigen Aussichten stimmen. Immer mehr Menschen werden älter, und das Wichtigste bleibt die Gesundheit.

Börsen-Zeitung, 02.10.2019, Autor Werner Rüppel, Nummer 74, Seite B 36, 1112 Wörter

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