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Redaktion

KOMMENTAR - BÖRSENFUSION
Der Versuch der Hongkonger Börse, die London Stock Exchange Group zu übernehmen, wird wohl als letztes Aufbäumen der Oligarchen der ehemaligen britischen Kronkolonie gegen die schleichende Machtergreifung der Pekinger Parteiführung in die Geschichtsbücher eingehen. Es wird bislang nicht deutlich, warum Charles Li, der wagemutige Chef der Hong Kong Exchanges & Clearing (HKEx), sein Angebot nicht nachgebessert hat. Die Begründung, man habe das Management des Betreibers der Börsen von London und Mailand nicht für sich gewinnen können, überzeugt nicht. Nachdem die Offerte von Anfang an unerwünscht gewesen ist, hätte Li sie auch zum feindlichen Angebot modifizieren können. Die Bilanz von HKEx hätte ein deutlich höheres Angebot ermöglicht.

Man darf annehmen, dass die Volksrepublik China maßgeblich an der Entscheidungsfindung beteiligt war. Für die Kommunistische Partei hat Schanghai Vorrang. Dort kann sie in jeder Hinsicht durchregieren, ohne Panzer an der Stadtgrenze zusammenziehen zu müssen. Die Sonderwirtschaftszone am Perlflussdelta wiederum hätte ihre Position mit der einstigen Kolonialmacht im Rücken zwar besser gegen aufstrebende Wettbewerber wie Singapur verteidigen können. Sie wäre aber auch gegen Peking selbstbewusster aufgetreten. Das liegt nicht im Interesse der Parteiführung. Ein rechtlich separates Hongkong wird künftig wohl nur noch als Geheimversteck für den Reichtum der Funktionäre benötigt, oder als Briefkasten für Steuertricks. Den demokratischen Schnickschnack, der einen lebendigen Finanzplatz möglich macht, braucht man dafür nicht.

Geht es nach Li, hätte ein Zusammenschluss der beiden Börsenbetreiber dem Vereinigten Königreich bei der weiteren Internationalisierung der Kapitalmärkte der Volksrepublik einen Platz in der ersten Reihe verschafft. Wenn dem so wäre, fragt man sich unweigerlich, warum Londons Börse nicht schon viel früher ein Angebot für die HKEx abgegeben hat. Die bereits bestehende Partnerschaft mit Schanghai war sicher nicht der einzige Grund. Denn Chief Executive David Schwimmer will den Marktinfrastrukturbetreiber breiter aufstellen. Er kauft deshalb den Datenanbieter Refinitiv. Ein Zusammenschluss mit der HKEx würde dagegen einen strategischen Rückschritt bedeuten, denn Trading und Clearing hätten dadurch wieder größeres Gewicht. Zudem wäre man in hohem Maße von einem Land abhängig, dessen wirtschaftliche Erfolgsaussichten sich immer weiter eintrüben.


Börsen-Zeitung, 09.10.2019, Autor Andreas Hippin, Nummer 193, Seite 1, 328 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019193002&titel=Requiem-fuer-einen-Finanzplatz
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