Redaktion

Die Tokenisierung von Immobilien eröffnet völlig neue Möglichkeiten
Paul Hülsmann

Gründer und CEO der FINEXITY AG, Hamburg

Die Bedeutung der Immobilie als Kapitalanlage für institutionelle Anleger ist unbestritten, und dies nicht erst im aktuellen, vom anhaltenden Niedrigzins geprägten Kapitalmarktumfeld. Für die meisten privaten Anleger sind die Barrieren für den direkten Einstieg in den Immobilienmarkt jedoch vergleichsweise hoch. Zum einen ist der Markt aufgrund seiner Informationsasymmetrien für nicht professionelle Anleger nur schwer zu überschauen. Zum anderen fehlt es privaten Anlegern häufig am notwendigen Eigenkapital für den Erwerb einer Immobilie. Hinzu kommen hohe Nebenkosten beim Kauf und die eher lange Haltungsdauer, um aus dem Investment die angestrebte Rendite zu vereinnahmen. Wer dennoch im Immobilienbereich anlegen will, dem bleibt häufig nur der Weg über offene und geschlossene Immobilienfonds und damit verbundene Kosten und Reglementierungen. Insbesondere offene Immobilienfonds verwalten üblicherweise mehrere Objekte, die über ein komplexes Regel- und Vertragswerk in einem offenen Fondskonstrukt zusammengefasst werden. Bei der Zeichnung wissen Anleger daher häufig nicht, in welche Immobilien ihr Kapital letztlich fließen wird.

Aus dieser Perspektive heraus tut dem Immobilienmarkt eine Liberalisierung gut. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie eröffnet hier in Verbindung mit der Tokenisierung von Immobilien vollkommen neue Möglichkeiten, die einer größeren Anzahl privater Anleger den Zugang zur Direktinvestition in Immobilien verschafft. Technisch gesehen, geschieht dies über blockchainbasierte Token, die emittiert und an Anleger ausgegeben werden. Jeder einzelne Token bildet dabei wirtschaftlich einen kleinen Teil an einer genau bezeichneten Immobilie ab. Der Anspruch der Anleger auf Mieterträge, Tilgungsgewinn sowie die potenzielle Wertsteigerung der Immobilie im Falle eines späteren Verkaufs wird über die Blockchain vollständig digital dargestellt.

Die Investition erfolgt dabei über eine Online-Plattform, die Anleger selbst entscheiden lässt, an welchen dort angebotenen Immobilien sie sich beteiligen möchten. Angeboten werden können beispielsweise Wohnungen in B-Lagen von A-Städten, Ferienwohnungen, aber auch andere Immobilienprojekte sind denkbar. Die Plattform ist gleichzeitig ein digitaler Marktplatz. Zwar sind Immobilienkapitalanlagen als langfristiges Investment zu verstehen, dennoch gewährleistet die Plattform dem Anleger eine vergleichsweise hohe Liquidität in einem sonst eher illiquiden Markt. Die digitalen Prozesse reduzieren den Aufwand und die Kosten der Kapitalanlage auf ein Minimum. Die Blockchain ersetzt bisher notwendige Globalurkunden und macht auch kostentreibende Bankdepots überflüssig. Die erworbenen Token werden unmittelbar über ein sogenanntes Wallet, eine digitale Brieftasche, verwaltet. Diese können dadurch ohne das Zwischenschalten von Intermediären wie Banken und anderen Finanzdienstleistern übertragen werden.

Für einen langfristigen Erfolg ist jedoch nicht die Technologie, sondern der Basiswert - die Immobilie - entscheidend. Somit ist es für jede Plattform integral, die Immobilien nach professionellen Standards zu analysieren. Nur wer eine kritische Selektion beherzigt, wird langfristig erfolgreich sein. Die Blockchain-Technologie ist Mittel zum Zweck und verhilft der eher traditionellen Sachwertebranche endlich zum digitalen Aufschwung. Somit dürfte die Blockchain-Technologie künftig sowohl die private als auch die institutionelle Kapitalanlage im Immobilienbereich grundlegend verändern.

Börsen-Zeitung, 18.10.2019, Autor Paul Hülsmann, Gründer und CEO der FINEXITY AG, Hamburg, Nummer 200, Seite B 22, 444 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019200810&titel=Blockchain-Technologie-liberalisiert-den-Immobilienmarkt
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