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Redaktion

KOMMENTAR - TESLA
Elon Musk ist immer wieder für eine Überraschung gut. Das hat der Gründer und CEO des US-Elektrowagenbauers Tesla jetzt auch bei der Verleihung des "Goldenen Lenkrads" in Berlin unter Beweis gestellt. Der exzentrische Tausendsassa tauchte am Dienstagabend erst unangemeldet bei der Gala zur bekanntesten deutschen Auszeichnung für neue Automodelle im Axel-Springer-Haus auf und hatte dann noch eine spektakuläre Nachricht mit im Gepäck: Spätestens ab 2021 will Tesla vor den Toren Berlins in einer neuen Fabrik Elektrowagen bauen. Das kündigte Musk wie beiläufig an und verblüffte die versammelte Branchengemeinde.

Für den Mann, der im Februar 2018 zu Marketingzwecken einen roten Sportwagen von Tesla ins All schoss, war die Ankündigung vergleichsweise unspektakulär. So ganz überraschend kam die Entscheidung für Berlin ebenfalls nicht, hatte Musk doch bereits vor Monaten erklärt, dass Deutschland für die Produktion in Europa die Nase vorn habe und die Hauptstadt in der engeren Auswahl stehe. Die Signalwirkung der Entscheidung ist dennoch erheblich, nicht zuletzt weil die Chefs von Volkswagen und BMW mit unter den erstaunten Galagästen saßen.

Mit dem Sprung der Produktion nach Deutschland katapultiert sich Tesla direkt in die Umlaufbahn der deutschen Konkurrenten. So hat es vor fast 100 Jahren auch Ford gemacht, die 1926 in Berlin Moabit als erstem Standort in Deutschland eine Massenfertigung startete, während die Wettbewerber vor Ort noch hinterherhinkten. Manche Kritiker der deutschen Autobauer sehen Volkswagen, BMW und Daimler heute wieder im Hintertreffen, wenn es um Elektrowagen geht. Einige Beobachter bewerteten die publikumswirksame Ankündigung des Tesla-Chefs zum Produktionsstart in Brandenburg deshalb als eine Demütigung.

Man kann die Entscheidung von Tesla aber auch anders sehen. Als Auszeichnung für den Automobilstandort Deutschland, der zwar verspätet, aber vehement in Richtung Elektromobilität drängt. Man darf sie als Kompliment an die Start-up-Metropole Berlin verstehen, die längst mehr kann als E-Commerce und Heimat für viele Nachwuchsfirmen ist, die Hochtechnologie für innovative Anwendungen zur Verbesserung von Fertigungsprozessen auch in der Automobilindustrie entwickeln. Man kann die Entscheidung von Musk sogar als Bestätigung für die Bundesregierung und ihre Ziele in der Batteriezellenfertigung werten, die mit der Ankunft Teslas noch schneller hochlaufen dürfte.


Börsen-Zeitung, 14.11.2019, Autor Stefan Paravicini, Nummer 219, Seite 1, 339 Wörter

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