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Aktives Management integriert Nachhaltigkeit und zielt auf positive SDG-Wirkung mit digitaler Datenplattform - Kunde kann Präferenzen bestimmen

Die Assetmanagement-Branche steht vor bedeutenden Weichenstellungen, unter anderem wegen des gestiegenen Kosten- und Preisdrucks. Verhaltenes Wirtschaftswachstum und schmerzlich niedrige oder gar negative Zinsen sind zum Dauerzustand geworden. Kein Wunder: Die anhaltende geopolitische Verunsicherung, nicht zuletzt bedingt durch globale Handelsstreitigkeiten, bremst den Welthandel und die Investitionsneigung. Hinzu kommen zwei Megatrends: Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Beide Themen haben das Potenzial, die ökonomische wie soziale Landschaft weltweit stark zu verändern. Nachhaltigkeit bedeutet dabei einen umfassenden Strukturwandel unseres Wirtschaftsmodells, das mit weniger Ressourcenverbrauch und geringeren Schäden für unseren Planeten auskommen muss, wenn für zukünftige Generationen noch Wohlstand in einer lebenswerten Umwelt gesichert werden soll.

Erstmals konkrete Ziele

Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Investmentbranche keinesfalls neu. Entscheidende Treiber für die jüngere Dynamik sind zwei Maßnahmen der Weltgemeinschaft aus dem Jahr 2015, die mit überwältigender Zustimmung beschlossen wurden: die Verfolgung der SDGs - Sustainable Development Goals (nachhaltige Entwicklungsziele) - der Vereinten Nationen bis 2030 sowie die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 bis 2 Grad Celsius bis 2050 (Pariser Klimaabkommen). Zum ersten Mal in der Geschichte haben sich fast alle Nationen auf verhältnismäßig konkrete Ziele mit festen Zeitpunkten geeinigt.

Der wichtigste Auslöser der intensiveren Auseinandersetzung der Finanzbranche mit Nachhaltigkeit ist aber der Aktionsplan der EU-Kommission "Finanzierung nachhaltigen Wachstums" aus dem Jahr 2018, der im Wesentlichen auf dem richtungsweisenden Schlussbericht der "High Level Expert Group on Sustainable Finance" der EU-Kommission beruht. Drei Ziele stehen dabei im Mittelpunkt:

1. Die Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen umzulenken, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu erreichen;

2. finanzielle Risiken, die sich aus dem Klimawandel, der Ressourcenknappheit, der Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben, zu bewältigen;

3. Transparenz und Langfristigkeit in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit zu fördern.

Es geht der EU-Kommission also um eine umfassende Rolle des Finanzsystems. Nicht nur soll die Finanzindustrie kraft ihrer Allokations- und Multiplikator-Funktion dazu beitragen, dass die Finanzierungslücke zur Erreichung der nachhaltigen Entwicklungs- und Klimaziele geschlossen werden kann. Das Finanzsystem soll insgesamt nachhaltig gestaltet werden: mehr Langfristigkeit, ein breiteres Risikobewusstsein und eine gesellschaftliche Dienlichkeit sollen ihm zu eigen werden. Darin liegt die Chance, das in der Finanzkrise verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Dies erfordert im Assetmanagement einerseits Anpassungen von Geschäfts- und Risikomanagementprozessen, andererseits aber auch Lösungen für Investmentprozesse und -produkte. Es lässt sich derzeit geradezu ein Aktionismus in der Branche mit neu geschaffenen ESG-Teams und vielen neuen ESG-Fondskonzepten feststellen. Häufig stehen dabei schematische Ansätze wie Ausschlusskriterien und "Divestment"-Strategien, Best-in-Class-Verfahren oder Scoringmodelle auf Basis von historischen Nachhaltigkeitsdatenreihen im Vordergrund. Auch passive Angebote nehmen zu.

Diese Dynamik ist grundsätzlich zu begrüßen, weil sie das Thema Nachhaltigkeit endlich aus der Nische in den Mainstream, sprich in die Mitte des Finanzsystems und des Assetmanagements führt. Um aber die Zielsetzungen der Weltgemeinschaft und den damit verbundenen Strukturwandel zu erreichen, ist eine ernsthafte, engagierte Begleitung der Unternehmen der Realwirtschaft gerade durch professionelle Investoren erforderlich. Es besteht mittlerweile Einigkeit darüber, dass Nachhaltigkeitsbetrachtungen zur treuhänderischen Pflichterfüllung gehören. Gleichzeitig dürfen Renditeerwartungen von Anlegern nicht aus dem Auge verloren werden, auch sie gehören zu den treuhänderischen Pflichten von Assetmanagern.

Für Assetmanager und Vermögensverwalter ergeben sich daraus nach meiner Überzeugung drei Anforderungen:

1. Die übergreifende Verankerung von Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene.

2. Die Integration relevanter und materieller Nachhaltigkeitsparameter in alle Investmentprozesse und die Berücksichtigung von kundenindividuellen Nachhaltigkeitspräferenzen.

3. Die Entwicklung von Investmentlösungen und Fonds, die auf Wirkung abzielen, also die Transformation der Unternehmen im Strukturwandel befördern und begleiten.

Diesen übergreifenden Ansatz setzt die Lloyd Fonds AG als innovativer Assetmanager und Vermögensverwalter sukzessive mit dem Ziel um, ihren Kunden Wohlstand zu ermöglichen und zu sichern:

Auf der Ebene des Unternehmens will die Lloyd Fonds AG eine vorbildliche Governance aufweisen. Die Achtung der Aktionärsinteressen, Offenheit und Transparenz sowie ein Bewusstsein für die Wirkungen des Geschäftsmodells auf Umwelt und Gesellschaft sind wesentliche Aspekte guter Corporate Governance. Die Lloyd Fonds AG orientiert sich dabei als ersten Schritt freiwillig am Deutschen Corporate Governance Kodex. Zudem hat sich das Unternehmen im Juni 2019 zu den PRI Principles for Responsible Investment bekannt und die "Frankfurter Erklärung" unterzeichnet.

Zweitens müssen relevante und materielle Nachhaltigkeitsparameter in alle Investmentprozesse integriert werden. Die Publikumsfonds der Lloyd Fonds AG berücksichtigen diese bereits in ihrem Analyseprozess. Unter den insgesamt sieben Beurteilungskriterien eines Investments in der unternehmenseigenen Analysesystematik "LF - Seven Select" ist aus Nachhaltigkeitsperspektive die Bewertung der Portfoliounternehmen am Kapitalmarkt von besonderer Bedeutung: Sind Risiken aus kontroversen Geschäftstätigkeiten adäquat berücksichtigt? Oder ergibt sich sogar ein zusätzliches Bewertungspotenzial aus deren Abbau? Zusätzlich spielen für die aktiven Fondsmanager die Einschätzung der Unternehmensführung sowie die verantwortungsbewusste Stimmrechtsausübung auf der Hauptversammlung und der im Vorfeld stattfindende Unternehmensdialog eine zentrale Rolle. Integriert in "LF - Seven Select" profitiert die Nachhaltigkeitsanalyse von den Vorzügen der hochleistungsfähigen digitalen Infrastruktur der Lloyd Fonds AG. Die Digital-Asset-Plattform 4.0 konnte ohne Rücksicht auf Altsysteme neu aufgebaut werden und nutzt so modernste Technologie.

Optimierte Kundendepots

Neben der systematischen Integration in die tägliche Anlageentscheidung lassen sich kundenindividuelle Nachhaltigkeitspräferenzen besonders gut in der Vermögensverwaltung umsetzen, aber auch im digitalen Depotmanagement. Der dafür von einem eigenen Expertenteam auf Basis künstlicher Intelligenz entwickelte Algorithmus stellt optimierte, individuelle Kundendepots zusammen, anstatt auf vorgefertigte Musterportfolios zurückzugreifen. In klarer Abgrenzung zum Wettbewerb kommen dabei hauptsächlich aktiv gemanagte Fonds zum Einsatz. Nachhaltigkeit kann als eigene Präferenz gewählt werden - neben anderen Bedingungen für die Arbeit des Algorithmus.

Drittens begleitet der neue Publikumsfonds "Lloyd Fonds - Green Dividend World" Unternehmen aktiv in ihrem Strukturwandel und hat dabei deren positive Wirkung auf Umweltziele im Blick, die aus den SDGs abgeleitet sind. Gleichzeitig wird eine möglichst hohe Gesamtrendite bei überdurchschnittlicher Dividendenausschüttung angestrebt. Die Zusammensetzung des auf 40 bis 60 Aktien konzentrierten Fonds ergibt sich wie bei allen Fonds der Lloyd Fonds AG als Ergebnis einer aktiven fundamentalen Einzeltitelselektion. Der Selektionsprozess folgt dabei einem integrierten Investmentansatz, das heißt, bei allen Investmententscheidungen fließen neben der traditionellen Finanzanalyse direkt und integriert Nachhaltigkeitsaspekte in die Analyse von Unternehmen ein. Zur Erreichung der definierten Umweltziele konzentriert sich das Investmentteam auf zukunftsgewandte Aktivitäten der Unternehmen, in klarer Abgrenzung zu vergangenheitsbezogenen Standard-ESG-Ansätzen. Positive Wirkung ergibt sich vor allem durch Veränderung. Daher ist es wichtig, einen glaubhaften Transitionspfad mit konkreten Umsetzungsplänen zu identifizieren. Zudem werden Kontroversen über die gesamte Lieferkette in der Analyse berücksichtigt und dem Transitionspfad gegenübergestellt.

Positive Nettowirkung

Im Ergebnis muss sich eine positive Nettowirkung auf die umweltrelevanten SDGs zeigen, wobei die Logik der geplanten EU-Taxonomie den Orientierungsrahmen zur Einstufung der Aktivität und der Kontroversen darstellt. Der aktiven Investmentphilosophie der Lloyd Fonds AG entsprechend sucht das Investmentteam darüber hinaus den intensiven Dialog mit dem Management der Unternehmen, nicht zuletzt, um den Transitionspfad zu begleiten sowie frühzeitig potenzielle Kontroversen aufzudecken.

Anders als klassische Dividendenfonds selektiert der "Lloyd Fonds - Green Dividend World" durch seinen integrierten Ansatz vornehmlich Unternehmen, deren Geschäftsmodelle am Strukturwandel der Wirtschaft partizipieren und davon profitieren. Umgekehrt können so Risiken aus Investitionen in nicht anpassungsfähigen oder anpassungswilligen Unternehmen vermieden werden. Für Dividenden oft beliebte Industrien wie beispielsweise Tabak und fossile Energien finden daher im Fonds regelmäßig keine Berücksichtigung.

Nachhaltigkeit ist kein fester Zustand oder ein Schalter, den man umlegen kann. Vielmehr geht es um Verantwortungsbewusstsein und kontinuierliches Handeln für die Zukunftsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft. Mit dem geschilderten übergreifenden Ansatz von Nachhaltigkeit will die Lloyd Fonds AG ihrer Verantwortung gerecht werden und ihren Beitrag dazu leisten, auch für kommende Generationen deren Wohlstand in einer lebenswerten Umwelt zu sichern.

Michael Schmidt, CFA, Vorstand und Chief Investment Officer der Lloyd Fonds AG, Mitglied des Sustainable Finance-Beirats der Bundesregierung

Börsen-Zeitung, 07.12.2019, Autor Michael Schmidt, CFA, Vorstand und Chief Investment Officer der Lloyd Fonds AG, Mitglied des Sustainable Finance-Beirats der Bundesregierung, Nummer 236, Seite B 7, 1189 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2019236809&titel=Nachhaltigkeit-erweist-sich-als-echter-Werttreiber-
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