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Redaktion

Bankhaus Scheich platziert Token auf der Basis von Telekom-Aktien - Zweite Emission in Planung
Um erstmals auch Standardwerte auf der Blockchain handelbar zu machen, hat sich ein ungleiches Gespann zusammengefunden. Gemeinsam mit der Fintechfirma Cashlink schickt sich einer der letzten verbliebenen Parketthändler an der Frankfurter Wertpapierbörse an, den Wertpapierhandel zu revolutionieren.

Von Anna Sleegers, Frankfurt

Alte Welt trifft neue Welt: Mit dem Bankhaus Scheich hat sich ausgerechnet einer der letzten verbliebenen Parketthändler an die erste Tokenisierung von Dax-Werten gewagt. Gemeinsam mit der Frankfurter Fintechfirma Cashlink hat der Wertpapierspezialist im Rahmen einer Privatplatzierung digitale Wertpapiere emittiert, die auf Aktien der Deutschen Telekom basieren. "Als Wertpapierhandelsbank sehen wir das große Potenzial der Blockchain-Technologie, das Wertpapiergeschäft zu revolutionieren", sagt Boris Ziganke, Vorstand des Bankhauses Scheich.

Die Wertpapiere ähneln vom Prinzip her Zertifikaten, bei denen die beiden Basiswerte mit einer definierten Anzahl von Token abgebildet werden. Noch handelt es sich nur um ein Pilotprojekt mit wenigen ausgewählten Teilnehmern. Um das Projekt schlank zu halten, wurde vereinbart, die eingesetzten Gelder am Ende ohne Verluste und Gewinne zurückzuzahlen. "Auf diese Weise müssen wir uns in dieser Phase noch nicht mit dem Steuerthema befassen", erläutert Ziganke. Das entsprechende Modul lasse sich zu einem späteren Zeitpunkt jedoch problemlos in den Prozess einbauen, ergänzt Cashlink-Chef Michael Duttlinger.

Infrastrukturanbieter Cashlink

Das im Fintech-Hub der Deutschen Börse ansässige Start-up-Unternehmen Cashlink bietet laut Eigendarstellung die Infrastruktur, um digitale Anleihen, Zertifikate und andere Wertpapiere vollständig digital auszugeben, und hat bereits praktische Erfahrungen mit der Emission von digitalen Genussrechten gesammelt. Das gemeinsame Projekt mit dem Bankhaus Scheich sei seinem Kenntnisstand nach jedoch der erste Versuch der Tokenisierung von Dax-Werten, sagt Duttlinger.

Unter Laborbedingungen wollen die Kooperationspartner in einem Zeitraum von etwa sechs Wochen nicht nur Erfahrungen mit der Emission, sondern auch mit dem Sekundärmarkt machen. Deshalb soll in Kürze ein weiteres digitales Wertpapier auf der Basis von Wirecard folgen, das die Teilnehmer dann direkt gegen die tokenisierte Telekom-Aktie handeln können.

Ziganke: "Es geht darum, einen ,Proof of Concept` zu erbringen." Der Begriff stammt aus dem Projektmanagement, er bezeichnet die Meilensteine, die belegen, dass etwas prinzipiell durchführbar ist. Sie dienen in der Regel für Gespräche mit den Investoren, die das Vorhaben finanzieren sollen.

Gesprächsbedarf dürfte in diesem Fall vor allem seitens der Wertpapieraufsicht bestehen. Immerhin krempelt der Einsatz der Blockchain den gesamten Prozess des Wertpapierhandels um, auf den sich die heutige Regulierung bezieht. Mit der rechtlichen Beratung bei der Umsetzung des Projekts ist Matthias von Oppen von der internationalen Kanzlei Ashurst mandatiert.

Scheich und Cashlink setzen auf sogenannte Smart Contracts. Darunter versteht man Algorithmen, die so programmiert sind, dass sie eine vertragliche Logik abbilden und diese automatisch auf der Blockchain ausführen. Wegen der damit einhergehenden Transparenz und Transaktionssicherheit gilt die Technologie bei vielen Experten als besonders gut geeignet für den Wertpapierhandel. Die Überlegungen gehen sogar dahin, dass auch der Regulator an die Blockchain angebunden sein könnte und damit in Echtzeit Zugang zu den relevanten Marktdaten hat.

"Da jede Transaktion aller Teilnehmer so dokumentiert wird, dass sie sich nachträglich nicht mehr verändern lässt, werden viele Prozessschritte der Wertpapierabwicklung im Grunde überflüssig", sagt Duttlinger. So können Käufer und Verkäufer das jeweilige Asset direkt handeln, ohne dass eine zentrale Gegenpartei dazwischengeschaltet wird, die im herkömmlichen Wertpapierhandel beiden Seiten Transaktionssicherheit gewährleistet. Für die Verwahrung der digitalen Wertpapiere ist die Berliner Fintech-Firma Finoa verantwortlich.

Effizienzgewinne angepeilt

Damit Transaktionen mit den digitalen Assets auf den üblichen Handelssystemen möglich sind, werden sie mit internationalen Wertpapierkennnummern (ISIN) ausgestattet. Diese werden für den deutschen Markt von der WM Gruppe vergeben, die auch die Börsen-Zeitung herausgibt.

Der durch die Tokenisierung vereinfachte Prozess biete zahlreiche Effizienzgewinne, betont Duttlinger. So sei das Settlement künftig nahezu in Echtzeit möglich. Anleger müssten also nicht wie derzeit üblich ein bis zwei Tage warten, bis ihnen die georderten Wertpapiere gutgeschrieben werden. Zudem sei nicht zwingend ein Wertpapierdepot erforderlich. Mit der Zahl der Prozessbeteiligten sinken zudem die Prozesskosten des Emittenten.

Börsen-Zeitung, 12.02.2020, Autor Anna Sleegers, Frankfurt, Nummer 29, Seite 2, 616 Wörter

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https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020029010&titel=Erster-Dax-Wert-auf-der-Blockchain-
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